Aufruf zum ökumenischen Christusdienst

… durch das Band des Friedens

Michael Decker

… durch das Band des Friedens (Epheser 4,3-6)
Wer lässt sich ermahnen?
Wer hört die drängende Stimme?
Seid darauf bedacht
eilt euch
seid bemüht
strebt eifrig danach
zu wahren die Einigkeit im Geist
durch das Band des Friedens!

Was hindert uns?
Was trennt uns – immer neu?
Das “Ja, aber…!“ unserer Vorbehalte
unsere schlechten Erfahrungen
und die prinzipiellen Bedenken.

Wer kennt die Einigkeit im Geist?
Wer hat sie erfahren?
Es ist Gottes Gnadengabe
nach dem Maß, wie Christus sie schenkt:
nicht durch einerlei Meinung
nicht durch dieselben Erlebnisse
nicht durch gleiche Herkunft
aber in dem einen Geist
der unserem Geist bezeugt
dass wir Gottes Kinder und
untereinander Brüder und Schwestern sind.



… durch das Band des Friedens
Und der Apostel zeigt, wer und was das Band ist:
EIN Leib und EIN Geist
berufen zu EINER Hoffnung
EIN Herr
EIN Glaube
EINE Taufe
EIN Gott und Vater aller
der da ist über allen
und durch alle und in allen.

… durch das Band des Friedens
Die Verbindung suchen
mich verbinden lassen
verbunden werden
verbunden sein
verbunden bleiben
mit allen und allem
in Treue zu Seiner Berufung.

Der Aufruf Gottes zum Ökumenischen Christusdienst 1948 und heute.

(Zitate sind dem Aufruf von 1948 entnommen.)
Walter Goll

Im August 1948 wurde die Schrift “Oekumenischer Christusdienst“ herausgegeben von den vier Männern Eugen Belz, Otto Siegfried von Bibra, Klaus Hess und Paul Riedinger. Nach langem Warten und Prüfen sahen sie sich genötigt, in der damaligen Nachkriegssituation dieses Zeugnis zu veröffentlichen. Vorausgegangen waren Zusammenkünfte schon während des Krieges, in denen mit einer Reihe weiterer Christen verschiedener konfessioneller Herkunft vor Gott um Erkenntnis gerungen wurde, was angesichts der sich abzeichnenden Katastrophe jetzt nötig wäre für die Christenheit und das ganze Volk. Dieses Ringen geschah vor allem in Verbindung mit intensiven Gebetszeiten. Im Bewusstsein, selbst in vielerlei Schuld und Nöte mit hinein verstrickt zu sein, die im Zusammenhang des Naziregimes geschehen waren, aber auch im gewissen Erahnen großer kommender Nöte und Gerichte sowie Versuchungen der Kirche und Christenheit, ging diese Botschaft hinaus. Sie sollte ein ernster Bußruf zur Heimkehr und zum Heimfinden in die heilige vollkommene Liebe Gottes und der Brüder sein, weil nur darin umfassende Heilung der Schäden möglich ist, welcher Kirche, welchem Volk oder auch welchem Stand oder Beruf jemand angehören mag.

Der damalige Kairos.

Die Kriegsgeschehnisse mit ihren einschneidenden Folgen wurden als eine Stunde heiligen Gottesgerichts angesehen, in dem zugleich den Menschen die Barmherzigkeit und Gnade Gottes begegnet ist. Die vollen Kirchen, die lebendige Gemeinschaft, die in jenen Tagen aufgebrochen war, ließen einen höchst nötigen Neuanfang, eine gottgeschenkte Möglichkeit erahnen. In aller Verwirrung und Armut wurde trotz manchen Verschuldens der Kirchen damals stark nach deren Stimme gefragt. Somit war dies eine Situation außerordentlich hoher Verantwortung für alle Christen. Hinter dem Stacheldraht der Kriegsgefangenenlager, im mörderischen Krieg hatte sich zuvor angesichts der existenziellen Not unter vielen Menschen so etwas wie eine “Ökumene der Liebe“ ereignet, bei der die konfessionellen Unterschiede und Herkünfte keine trennende Rolle mehr gespielt hatten. Jener zeitbedingte Weckruf Gottes war in der Nachkriegszeit eine sehr große und verheißungsvolle Herausforderung für Christen verschiedener Konfessionen, einander anzunehmen und mit dem Beispiel gelebter Liebe dem Volk ein glaubwürdiges Zeugnis zu sein. Gerade jetzt schien die Stunde da zu sein, “dass das hohepriesterliche Gebet Jesu Christi um die Einheit Seiner Jünger in dieser Welt verwirklicht und offenbar werde gemäß der Herrlichkeit, die Christus Seinen Jüngern gegeben hat.“ Mit solcher sichtbarer Liebeseinheit der Gemeinde Jesu Christi würde neue Gnade aufbrechen nach dem Wort Johannes 17,21: “Dass sie in Uns eins seien, auf dass die Welt glaube, Du habest mich gesandt.“

Der Anfang, dem Gottesruf jener und aller ähnlicher Stunden zu gehorchen, wäre das bußfertige Gebet füreinander. Es müsste Buße getan werden für das Suchen des jeweils Eigenen anstatt dessen, “was Christi Jesu ist“. Dies beinhaltet auch, einander zu suchen und im Geist Jesu danach zu verlangen, mit allen Christen verbunden zu sein, damit der Leib Jesu Christi offenbar werde.

Bruderschaft in Christus.

Der Apostel Johannes hat das Wesen Gottes und die Botschaft des Heils so zusammengefasst: “Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Somit ist “das unbestechliche Kennzeichen echten Lebens aus Gott, dass Gottesliebe und Bruderliebe nicht voneinander geschieden werden können und dürfen.“ Darüber hinaus verdeutlicht der Apostel in Joh 11,52, dass der Versöhnungstod Jesu Christi nicht nur Sünde und Schuld der Welt und die Macht des Teufels getilgt habe, sondern dass dadurch auch alle zerstreuten Kinder Gottes zu einem Ganzen vereinigt würden. So wie Jesus auf Erden das Werk vollendet hat, das ihm vom Vater gegeben worden war, so hat seither die Christenheit in ihrer Sendung die Berufung, Licht der Welt zu sein. Sie hat die Erlösung von aller Sünde und Zertrennung zu bezeugen und so Stadt auf dem Berg in der Welt zu sein.

Der Widersacher Gottes dagegen hat ein großes Interesse, diese Sendung zu torpedieren, dieses Zeugnis unglaubwürdig und damit unschädlich zu machen. So streut er unter die Christen die böse Saat des Zweifels an der Erlösung, unterstützt Zwietracht, Lieblosigkeit und Herrschsucht, oft unter geistlichem Anschein getarnt.

Dankbar dürfen wir einerseits feststellen, dass seit 1948 wesentliche Fortschritte auf dem Weg zum Einswerden in der gegenseitigen Verständigung unterschiedlicher Kirchen und christlicher Gemeinschaften stattgefunden haben. Andererseits gibt es immer wieder neue Trennungen. Dem neuen Gebot des Meisters ist also noch nicht Genüge getan. Denn “so wie es nur Einen Gott und Vater unser aller gibt, der über uns allen und durch uns alle und in uns allen ist, so muss es auch Eine Bruderschaft aller Christen in Christus geben, welche auch über uns allen und durch uns alle und in uns allen ist. Wenn es diese nicht geben würde, so wären wir Christen samt der Welt verloren. Alle unsere Bemühungen zur Rettung wären umsonst!“ Um zu dieser unabdingbaren Notwendigkeit für alle Rettungsbemühungen zu kommen, müssen “wir anfangen, Gott und unsere Brüder wichtiger zu nehmen und mehr zu lieben als uns selbst.“ Dann “erkennen wir, dass wir alle zur Einen Bruderschaft in Christus erlöst, versöhnt und getauft sind.“

Unter dieser Voraussetzung, einander nichts schuldig zu sein, als sich untereinander zu lieben Römer 13,8, gelingt es dann auch, Konfessionsvorurteile fallen zu lassen und gerade auch in der Andersartigkeit und Besonderheit, aber auch trotz Schuld und Schwäche der anderen, Christus zu entdecken. Von unserem natürlichen Wesen her sind wir allerdings nicht in der Lage, die Einheit mit Gott und den anderen wirklich zutiefst zu leben. Dies ist nur in der Nachfolge Christi auf dem Kreuzesweg möglich, ein “Sterbensweg“ für “den alten Menschen“, “ein Weg des Kampfes, der Überwindung, der Aufopferung und des Leidens für den neuen Menschen.“ Der Schlüssel zu der bereits genannten unabdingbaren Notwendigkeit, zur Einen Bruderschaft in Christus, ist “die alles bedeckende, alles glaubende, alles hoffende und alles duldende Liebe“, die uns in Jesus Christus geschenkt ist und die er von uns fordert, wenn wir an ihn gläubig geworden sind.

Was tut Not?

  • “Not tut, dass wir leben, was wir in Christus sind. Und Buße tun darüber, dass wir nicht sind, was wir in Christus sein dürfen!
  • Not tut, dass wir umkehren von den Wegen des Ungehorsams und Unglaubens, da ein jeder sieht auf seinen Weg Jesaja 53,6;
  • dass wir uns schämen und schamrot werden über unsere Sünde, damit wir wider den Herrn und Sein heilig vollbrachtes Werk gesündigt haben;
  • dass wir unsere Schuld erkennen, um deren willen Not, Leid, Fluch und Gericht über die Völker gekommen ist und kommt, weil wir ihnen das Zeugnis des Herrn schuldig geblieben sind Johannes 17,21.23, Römer 2,24.“

Was mich persönlich bei der Botschaft des Ökumenischen Christusdienstes getroffen hat, ist diese letzte Aussage. Die Ursache der Weltkrise und all der Nöte, Ungerechtigkeiten, Probleme und Schrecklichkeiten in der Welt haben ihren tiefsten und eigentlichen Grund in der Schuld der Christenheit, dieses Zeugnis von der Liebe Gottes nicht darzustellen. Wenn das so ist, dann kommen all die vielen gut gemeinten und durchaus nötigen Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden in der Welt letztlich nicht zum Ziel Gottes.

Deshalb muss die Tatsache, durch die Taufe mit Seinem Namen und Seinem Geist beschenkt zu sein, in den Einen Leib Christi eingegliedert zu sein, mit guten Gaben beschenkt zu sein, dies alles aber auf verschiedenerlei Weise missachtet zu haben, Anlass zu tiefer Reue und Umkehr sein. In den Konfessionen haben wir “Bruchstücke des ganzen Reichtums Christi und rühmen uns noch dessen und spielen das Stückwerk gegeneinander aus: die einen das Amt gegen das Wort, die anderen das Wort gegen die Sakramente, wieder andere die Gaben gegen die Lehre – und sind doch alles Teile des Ganzen, damit wir einander dienen sollen Römer 14,19 / Römer 15, 2 / 1.Korrinther 12, 25… Nicht unsere Verschiedenheit ist unsere Schuld und Schmach, aber unsere Getrenntheit voll Lieblosigkeit, Verachtung und Streit; und dass wir das nicht einmal als Schmerz empfinden, als Trübsal des Leibes Christi, an der wir alle leiden sollten Kolosser 1, 24!“

Die Konsequenz daraus, “was Not tut“, wird dann so benannt:

  • “Buße tun vor dem Dreieinigen Gott für solche Schuld, mit der wir gesündigt haben wider des Herrn Gebot, Gebet und Opfer.“
  • Gehorsam sein, um nicht nur von solchem Christentum zu reden, sondern es zu leben in dienstbereiter Liebe.
  • Das heilige Priestertum üben, zu dem wir durch Christus gemacht sind Offb 1,6 und Sein hohepriesterliches Anliegen des Einsseins durch den Geist sich zueignen lassen.
  • Die Einheit in der Verschiedenheit und in der Zerstreuung durch Leiden und Opfern als “Lämmer“ erhalten und vollenden Phil 2,17; 2 Kor 12,15, so, wie sie durch das Leiden und Opfer des Lammes überhaupt geworden ist.
  • Ein gemeinsames Christusleben durch das Gebet und das Opfer Jesu verpflichtend für jeden, “der Ihn nennt und kennt.“
  • Kennzeichen solchen Lebens der Liebe ist das Beharren im gemeinsamen Leben mit dem Dreieinigen Gott und den Geschwistern, mit der Lehre der Apostel, der Gemeinschaft, dem Brechen des Brotes und den Gebeten, wie es in Apg 2,42 grundlegend beschrieben ist.

Heute noch aktuell?

Das Wissen um die besondere Stunde Gottes damals kurz nach dem Zweiten Weltkrieg könnte zu der Annahme verleiten, heute sei etwas anderes wichtig. Wer jedoch das Wort bedenkt “Heute, so ihr meine Stimme hören werdet, verstocket euer Herz nicht“, der kommt zu dem Schluss, dass dieses Zeugnis mit seinem Ruf auch gerade heute aktuell sein kann, ganz unabhängig von den veränderten Zeitereignissen und andererseits wiederum gerade in unserer Zeit. Solange die Erfüllung der Bitte Jesu um das Einssein Seiner Jünger sich nicht vollendet hat und der sichtbaren und unsichtbaren Welt dieses Zeugnis noch vorenthalten wird, solange ist das Leben im Sinne des Ökumenischen Christusdienstes eine im Glauben zu erbittende und zu realisierende Notwendigkeit.

Am Beispiel des “Brotbrechens“ wird ganz schnell deutlich, wie aktuell dies nach wie vor ist. Damals hieß es z.B. an einer Stelle des Aufrufs: “Was ist aus dem Brotbrechen geworden? Was ist es um die Mahlgemeinschaft am Tisch des Herrn? Die einen verwerfen den Sakramentalismus der Kirche als Zeremonienwerk. Aber wo ist bei ihnen die Verwirklichung des Apostelwortes von dem gesegneten Brot und Kelch der wahrhaftigen Gemeinschaft des Leibes Christi und des Blutes Christi? Die anderen verwerfen den bloßen Gedächtnischarakter der Mahlfeiern bei Gemeinschaften und Freikirchen, aber wo ist bei ihnen die lebendige Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern in der Kraft des Geistes und der Liebe, die aus der Kommunion des Mahles fließen sollte?“ Der Streit und die Not um das Verständnis und die Praxis des “Brotbrechens“, des Abendmahls, der Eucharistie ist nach wie vor ein zentraler Punkt im jeweiligen Selbstverständnis der Kirchen und in der Frage wirklicher und ganzer Gemeinschaft bei aller Verschiedenheit.

Auch wenn heute die Kirchen durch ihre inzwischen fortschreitende Bedeutungslosigkeit für unsere Gesellschaft nicht mehr so gefragt sind, wie es kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war, stehen letztlich ähnliche Fragen und Probleme des Zusammenlebens der Menschen auf der Tagesordnung. Und nach wie vor gilt derselbe Sendungsauftrag Jesu für die Christenheit. Das Ende der 80er Jahre und der Beginn der 90er Jahre standen ganz im Zeichen des Zusammenbruchs des Kommunismus und damit der Suche nach neuer Orientierung für das politische Weltgeschehen. Wir sehen das bei der Entwicklung der osteuropäischen Staaten, der Neuordnung der NATO, der Erweiterung der EU und der Suche nach verbindlichen Grundwerten für das neu gewonnene Selbstverständnis Europas, aber auch in den Bemühungen hin zu einer neuen Weltordnung, die vom mächtigsten Staat, den USA und zugleich von der ganzen Völkerwelt durch die UNO betrieben werden. Nicht zu vergessen ist dabei das Selbstverständnis des Islam mit seinem Anspruch der Weltherrschaft und in Zukunft wird die Rolle Chinas hierbei deutlich zunehmen. Das Stichwort Globalisierung unterstreicht dies noch, erst recht die immer noch möglichen und zahlreichen Kriege und himmelschreiende Menschenrechtsverletzungen sowie all die unfassbaren Nöte des Welthungers, die weit vom biblischen Schalom entfernte Menschheit, auch die Fragen dessen, was der Mensch angesichts des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts und seiner dadurch in´s Unermessliche sich steigernden Fähigkeiten tun darf und soll.

Insofern stehen wir auch heute in einer besonderen Zeit, die nach wie vor zutiefst das Zeugnis eines Zusammenlebens in Liebe benötigt und das unter der Verheißung steht, den Menschen den Glauben an die Sendung Jesu als Gottessohn in eindrücklicher Weise zu ermöglichen. So kam es auch, dass nach einer langen Zeit eher verborgener Existenz der Aufruf des Ökumenischen Christusdienstes seit dem Jahr 1988 wieder verstärkt in die Öffentlichkeit getragen wurde durch entsprechende Versammlungen, zu denen Christen unterschiedlichster Herkunft eingeladen werden. Erkennen wir auch heute die Stunde und die Not Gottes, Seine werbende Liebe, die uns ganz hineinnehmen will in Seine Sendung zum Heil der ganzen Welt – bis der Herr in Herrlichkeit wiederkommen wird?

“Eingeleibt“ – durch das Geheimnis der Heiligen Taufe.

(Zeugnis einer evangelischen Pfarrfrau)
Dorothea Vosgerau

Ein befreundeter Krankenhausseelsorger fragt mich auf dem Weg ins Krankenhaus zu meinem plötzlich zusammengebrochenen und geistig verwirrten und sprechunfähig gewordenen Mann: “Und Sie, was wollen Sie nun tun?“ Ich bin geschockt. Wieso bin ich vor eine Wahl gestellt, bloß weil mein Mann offensichtlich unheilbar erkrankt ist? Habe ich nicht versprochen, in guten wie in bösen Tagen zu ihm zu stehen? Meine Antwort, dass ich selbstverständlich bei ihm bleiben werde, bringt mich selber ins Fragen: Tue ich das nur um der Konvention willen? oder um der Familie und Kinder willen? Habe ich vielleicht nur Angst vor einem Schritt in ein völlig neues Leben? Halte ich etwa zu gesetzlich an einem einmal gegebenen Versprechen fest? Muss ich mich im Leben nicht immer neu entscheiden? Ja, das muss ich! Und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass ich mich wieder entscheide, unser Eheversprechen ganz und treu mit allen Folgen einzuhalten.

Was ist der Grund dieser immer neuen Entscheidungen? Im Letzten ist es für mich der Bund, den Gott mit mir in der Taufe geschlossen hat und zu dem er treu steht. Zwar bin ich nicht gefragt worden, ob ich getauft werden will; meine Eltern haben damals für mich entschieden. Aber als mir die Liebe Gottes durch seinen menschgewordenen Sohn Jesus immer deutlicher wurde, habe ich eine Taufbunderneuerung vor Brüdern und Schwestern im Glauben vollzogen.

Über Jahre hin hat mich das Lied “Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und heiliger Geist …“ begleitet und mich daran erinnert, welcher geistliche Reichtum und Schutz mir durch den Bund Gottes geschenkt ist: “Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt…“

Aber auch die Herausforderung, die in diesem Bund liegt, hat mir das Lied immer neu deutlich gemacht: “Mein treuer Gott, auf deiner Seite, bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verlorengehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.“

Und dann folgt mein Versprechen: “Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue, Leib, Seel und Herz zum Opfer hin …“
(EG Nr.200)

Aufgefallen ist mir in den vergangenen Jahren, dass dies Lied in unserer evangelischen Kirche kaum mehr bei Taufen gesungen wird. Immer nur von Gottes Liebe und bedingungsloser Annahme wird gesungen und gebetet und geredet.

Ganz anders habe ich das in der ungekürzten Taufliturgie in der röm.-kath. Ortsgemeinde bei der Taufe meines jüngsten Enkelkindes erlebt. Da finde ich noch all die Elemente, die nach dem Zeugnis des Neuen Testaments zu einer Taufe gehören: z.B. die Absage an den Teufel, den Lügner von Anfang, die Salbung mit Chrisam als Salbung mit dem Heiligen Geist, die Zumutung Gottes, dass auch das Leben des Täuflings ein Weg der Nachfolge Jesu gerade im Leiden sein muss, und das Versprechen der Eltern und Paten, das Kind in diesem umfassenden Glauben der Kirche zu erziehen, sodass es, wenn Gott Gnade gibt, das Taufversprechen einmal in eigener Verantwortung vor Gott übernimmt.

Der Ökumenische Christusdienst hat mich aber noch auf ein ganz anderes Element aufmerksam gemacht, das genauso neutestamentlich ist. Es ist mir in einem Gebet zur täglichen Taufbunderneuerung von einem unsrer Brüder begegnet:

Ich glaube und bekenne vor Dir Gott,
und deinen Heiligen,
dass ich im Mysterium der Heiligen Taufe
Jesus, meinem Erlöser, Deinem Christus,
geheimnisvoll eingeleibt wurde.
So bin ich mit Ihm gekreuzigt,
mit Ihm gestorben,
mit Ihm begraben
und kraft Seiner Auferstehung
zu einem Überwinderleben befreit.

Auch hat Er mich durch die heilige Taufe
verbunden mit all den Seinen
in der einen Kirche,
dem geheimnisvollen Leib Christi.
Dankbar bekenne ich mich zu dieser Gnade
und gebe dir, mein Gott aufs Neue
Leib, Seel und Herz zum Opfer hin.
Erwecke mich zu neuer Treue
und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
der nicht, Herr, Deinen Willen tut.

Die Taufe ist bis heute das gemeinsame Sakrament der Christen aller Konfessionen. Sie ist nicht nur ein Bund Gottes mit mir persönlich, sondern die Taufe reiht mich ein in die Gemeinschaft all derer, die getauft sind. Meine Entscheidung, den Bund Gottes auch von mir aus in den bedrängenden Situationen meines alltäglichen Lebens festzuhalten, ist also nicht nur eine Entscheidung, die mich persönlich angeht. Sie betrifft die ganze Gemeinde Gottes, den “geheimnisvollen Leib Christi“, in den ich mit “eingeleibt“ wurde (wie es in der erwähnten Taufbunderneuerung von Br. Walter Faulmüller treffend heißt.)

Im päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen ist im vergangenen Herbst u.a. festgestellt worden, dass weltweit unter den Christen eine Erosion (Zerstörung) der Fundamente des Glaubens geschieht. Ja, musste ich anerkennen: auch bei mir hat diese zeit- und geistesgeschichtliche Erosion ihre Spuren hinterlassen. Deshalb habe ich es besonders nötig, mir täglich diese Taufbunderneuerung ins Herz zu sagen, damit ich in den Lebens-Entscheidungen nicht die Orientierung an dem Bund, den Gott mit mir geschlossen hat, verliere.

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