Mission auf dem Weg Jesu Christi

Print Friendly, PDF & Email

Autor: Erzbischof Anastasios (Yannoulatos)

Titel und Autor dieses Buches lassen schon ahnen, wie außergewöhnlich der Inhalt ist: Auf über 200 Seiten gibt der orthodoxe Erzbischof von Tirana, Dürres und ganz Albanien Einblick in sein Herzensanliegen der Mission. In der westlichen Kirche wohl vor allem unter Theologen wahrgenommen, verkörpert der Erzbischof einen Wandel in der Ostkirche im Blick auf die äußere Mission. Wo immer möglich, machte der Theologe und Kenner der Religionsgeschichte aufmerksam auf den Ruf an die Kirche, „unaufhörlich das Evangelium zu bezeugen und die Gaben Gottes mit dem gesamten Erdkreis zu teilen: Wahrheit, Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und die Erfahrung von Kreuz und Auferstehung, die Erwartung der Ewigkeit“ (S. 4 im Vorwort des Autors zur deutschen Übersetzung).

In den gesammelten Beiträgen, die zwischen 1964 und 2003 verfasst wurden, bietet sich dem Leser eine tiefe theologische und bibelnahe Erörterung der Frage nach der Mission aus orthodoxer Sicht. Dabei zeigt der Autor seine Kenntnis der katholischen und reformatorischen Theologie und ergänzt diese inspirierend durch den ostkirchlichen Blickwinkel, z. B. in Bezug auf das Verhältnis zu anderen Religionen: „In der orthodoxen Tradition wurden theologische Fragen zu diesem Thema jedoch immer im Licht unserer Trinitätstheologie betrachtet, insbesondere im Hinblick auf die christliche Anthropologie, d. h. denjenigen Teil der christlichen Lehre, der Ursprung, Wesen und Bestimmung des Menschen betrifft“ (S. 156).

Nicht zuletzt sein Wirkungsfeld in Albanien, das besonders stark von der atheistischen Propaganda des kommunistischen Regimes betroffen war, förderte in Erzbischof Anastasios eine Herzensweite zutage, die staunen lässt. Das Heilswirken Gottes für die ganze Welt im Blick und zugleich ein Gespür für genau diese Welt in ihrem Verkehrtsein, lässt seine Liebe aufleuchten: „Die Welt erwartet von uns, die Schönheit der christlichen Botschaft aufzuweisen, indem wir bewusst deren Prinzipien im Licht der Kreuzigung und der Auferstehung leben. Die Welt möchte sehen, wie wir in unserm Alltag die Schönheit, den Glanz, die Herrlichkeit und die Kraft eines in Christus erneuerten Lebens offenbaren. Die Welt ruft danach, die Gegenwart des Heiligen Geistes in Seiner Ausstrahlung bei uns zu finden. Die Welt dürstet nach einem lebendigen Christentum, das Zeugnis gibt für das Geheimnis der Allheiligen Dreieinen Liebe“ (S. 169).

Wenn man dieses Buch vor dem Hintergrund seiner Lebensgeschichte und seines Wirkens in Albanien gelesen hat, verwundert es nicht, dass Erzbischof Anastasios als Brückenbauer und Vermittler im Februar 2020 in Aachen mit dem Klaus-Hemmerle-Preis ausgezeichnet wurde. 

Sr. Petra Hahn, Vereinigung vom gemeinsamen Leben

X