Adieu Entzauberung

Dies ist der 3. Artikel von 3 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 262

Ein Brief an geistliche Mitarbeiter

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.”

Irgendetwas an diesem Gedicht von [[Joseph von Eichendorff]] spricht mich tief an. Ja, das Zauberwort, das alles zum Singen bringt. Doch irgendwie tun wir uns doch heute zunehmend schwer mit dem Märchenhaften und dem Zauber, oder? Mit dem Begriff „Entzauberung” ist unsere Zeit treffend zu umschreiben. Die Welt lässt sich rational erklären und es scheint vorbei zu sein mit den Geheimnissen.
Entzauberung gibt es aber nicht nur kulturgeschichtlich, sondern auch biographisch in der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen und im Leben als Christen. Die Entzauberung eines christlichen Mitarbeiters oder Leiters ist zugleich ein notwendiger und ein schrecklicher Vorgang. Da gibt es die spezifische Aura, die einen geistlichen Mitarbeiter oder Leiter, einen Pfarrer, Priester oder Ordenschristen ohnehin umgibt. Wer selbst kein solcher ist, mutmaßt, dieser Mensch müsse gewiss ein ganz besonderer sein. Doch dann…

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Das Heilige den Heiligen

Dies ist der 5. Artikel von 5 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 261

Es ist dem Menschen ein Fallstrick, unbedacht Gelübde zu tun und erst nach dem Geloben zu überlegen (Spr 20,25).

In unserer Zeit, da die Menschen die Eile in alle Lebensgebiete unbekümmert eindringen lassen, gilt diese Mahnung besonders ernst für das Eindringen in das Geheimnis des Glaubens auf den Altären der Kirche Jesu Christi. Ohne die wahrhaftige Erkenntnis des Leibes und Blutes Jesu Christi treten viele Menschen daher unwürdig an die Altäre der Kirche, und so kommt über sie das Gericht Gottes. Es geschah schon die Einsetzung des Altarsakramentes damals verborgen vor beinahe allen Erdbewohnern. In der Nacht des Verrats tat der Herr Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger das Heilige, das seither in ununterbrochener Folge durch fast zwei Jahrtausende vor den Heiligen sichtbar geschehen und dabei doch immer ein tiefes Geheimnis des Glaubens geblieben ist. Ist der Glaube an sich schon für uns Menschen ein Geheimnis, durch das uns eine gedanklich kaum erfassbare Macht gegeben werden kann, so ist doch selbst nur wenigen Christen bewusst, welch eine innige und alles durchstrahlende Quelle ewigen Lebens in Gott verborgen in diesem Sakrament fließt.
Es gibt einen reichen Schatz an Gnadengaben, Seligkeiten und sogar Herrlichkeiten schon hier im Erdenleben und noch mehr in der himmlischen Welt, nach denen der Mensch sehnlich streben sollte. Jene Quelle aber ist ausschließlich denen zugänglich, die mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit allen Kräften dürstend und inbrünstig Gott zu begegnen suchen. In der dunkelsten Nacht der Menschheitsgeschichte wurde Gottes verborgene Liebe von den Menschen in niedrigstem Hass grausamst zurückgestoßen. Demnach erwartet Gott nun von den Menschen, die auf seinen heiligen Namen getauft worden sind, die gesamte hingebende Liebe des Herzens für sich allein.

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Vom umfassenden Beten II

Dies ist der 2. Artikel von 2 Artikeln zum Thema: Vom umfassenden Beten

Sr. Dorothea Vosgerau, Ottmaring

Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm

Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm
ist dir, Gott, allmächtiger Vater,
in der Einheit des Heiligen Geistes
alle Herrlichkeit und Ehre
jetzt und in Ewigkeit.
(Gebet aus der röm.-kath.Liturgie

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Vielleicht erscheint der Anspruch, umfassend zu beten, sehr hoch. Kann man das überhaupt? Manchmal erschrecke ich, wenn ich wahrnehme, wie sehr ich in meinen Gebeten doch immer wieder bei eigenen Anliegen oder denen meiner Gemeinschaft und meines Umfeldes hängen bleibe. Ist es möglich, dass die Anliegen Gottes tatsächlich auch zu meinen Anliegen werden? Ich spüre ja, dass es nicht einfach darum geht, andere Gebetstexte zu wählen: Es muss sich etwas in meinem kleinen, engen Herzen verändern. Es muss aufgebrochen werden, befreit aus meiner Eigenperspektive hin zur Weite der Liebe Gottes, die alle umfasst.

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Vom umfassenden Beten I

Dies ist der 1. Artikel von 2 Artikeln zum Thema: Vom umfassenden Beten

Walter Goll

Vom umfassenden beten nach Gottes Herzen

quat1

Wir beten ununterbrochen für euch,
dass ihr mit der Erkenntnis
seines Willens erfüllt werdet,
in aller Weisheit und geistlichem Verstehen,
um einen Lebenswandel zu führen,
der dem Herrn entspricht und ihm wohlgefällt;
dass ihr Frucht bringt in allem Tun des Guten
und zunehmt in der Gotteserkenntnis;
dass ihr durch die Kraft seiner Herrlichkeit
fähig und stark werdet,
in jeder Lage gehorsam und geduldig zu sein.

Kol 1,9-11 (nach der Übersetzung von U.Wilckens)

Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, wie überschwänglich groß seine Kraft an uns (ist) … (Eph 1,18f).
Solange ein Mensch Kraft hat – Gesundheit an Leib und Seele, Herzenskraft oder Geistesstärke – solange lebt er wie selbstverständlich in seinen Räumen und mit seinen Zeiten. Fehlt aber die Kraft, weil einer krank, schwach oder erschöpft ist, wird Vieles im Leben auf einmal fraglich. Dann ist Gewohntes nicht mehr möglich und Vertrautes geht verloren. Doch dort, wo menschliche Möglichkeiten aufhören, ist Gott noch nicht am Ende. Im Gegenteil: Unsere Schwächen können Gottes Chancen sein, das Werk zu tun, das er mit uns und durch uns tun will. Deshalb bittet der Apostel für die ihm anvertraute Gemeinde: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, wie überschwänglich groß seine Kraft an uns (ist) … Hier ist von mehr die Rede als nur von natürlicher Kraft und menschlicher Vitaltität. Der Apostel meint nichts Geringeres als die große Gotteskraft, mit der Christus von den Toten auferweckt wurde und eingesetzt ist im Himmel (Eph 1,19). Diese Gotteskraft wird auch uns geschenkt, und wir sollen mit ihr nach dem Herzen Gottes wirken.

Walter Goll und Sr. Dorothea Vosgerau aus der Redaktion des Quatemberboten zeigen auf, wie umfassendes Gebet, das um diese Kräfte weiß und mit ihnen rechnet, im Sinne des Oekumenischen Christusdienstes möglich ist.

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Aufruf zum ökumenischen Christusdienst

Dies ist der 2. Artikel von 17 Artikeln zum Thema: Ökumenischer Christusdienst

… durch das Band des Friedens

Michael Decker

… durch das Band des Friedens (Epheser 4,3-6)
Wer lässt sich ermahnen?
Wer hört die drängende Stimme?
Seid darauf bedacht
eilt euch
seid bemüht
strebt eifrig danach
zu wahren die Einigkeit im Geist
durch das Band des Friedens!

Was hindert uns?
Was trennt uns – immer neu?
Das “Ja, aber…!“ unserer Vorbehalte
unsere schlechten Erfahrungen
und die prinzipiellen Bedenken.

Wer kennt die Einigkeit im Geist?
Wer hat sie erfahren?
Es ist Gottes Gnadengabe
nach dem Maß, wie Christus sie schenkt:
nicht durch einerlei Meinung
nicht durch dieselben Erlebnisse
nicht durch gleiche Herkunft
aber in dem einen Geist
der unserem Geist bezeugt
dass wir Gottes Kinder und
untereinander Brüder und Schwestern sind.


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