25. BETRACHTUNG – Vereinige uns alle mit dir und miteinander

Kurz zuvor in unserem Beten wurde unser Verhältnis zu Jesus und zu einander unter sein Blut gestellt. Nun bitten wir um die Steigerung des Verhältnisses, nämlich um die Vereinigung. Dabei möchte ich jetzt eine wichtige Abklärung versuchen, weil der Hintergrund dieses Begriffs so vielfach schimmert.

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte ist der Begriff der Vereinigung immer schon idealisiert worden. Vor allem sah man darin eine Vorteilsnahme in Bezug auf bessere Durchsetzungsmöglichkeiten idealer oder kämpferischer Ziele. Es sei an die revolutionären Parolen erinnert: „Proletarier aller Länder vereinigt euch“. Oder man denke an die vielen Vereinigungen wirtschaftlicher Art. Auch die Politik kommt ohne Vereinigungen nicht aus. Bei all dem darf man nicht übersehen, welche Konsequenzen daraus entstehen. Es gibt interessante Analysen, wonach etwa pauschal behauptet wird, dass alle Vereinigungen das Ziel haben, das Individuum aufzulösen. Oder es gibt ein Schlagwort: Vereinigungen sind die Geburtshilfen der Vermassung.

Wie aber ist es mit der zentralen christlichen Vereinigung? Es ist mit Sicherheit nicht an einen nur religiösen Zusammenschluss gedacht. Wenn Jesus betet, dass die Seinen so vereinigt werden, wie er mit dem Vater eins ist, so kann damit nicht eine Bündelung gleicher Frömmigkeit gemeint sein. Es ist überhaupt nichts herzustellen, sondern in eine vorgegebene Einheit zu integrieren. Selbst dazu reicht die Realität von Kirche nicht aus. Ja, es mangelt überhaupt an einer Ausdrucksweise, um das Geheimnis annähernd erfassen zu können. Da führen sogar Begriffe wie „Einheit“ in eine falsche Richtung.

Es war mir interessant festzustellen, dass der Begriff „Vereinigung“ in der ganzen Heiligen Schrift nicht vorkommt. Jesus selbst benutzt ihn auch nicht. Die Jünger und apostolischen Zeugen scheinen ihn sogar zu meiden. Warum wohl?

Ob sie ein Missverständnis fürchteten? So, als ob man einen Zustand beschriebe, der so nicht sein kann. Vereinigung im Sinn des Gebets Jesu ist tatsächlich ein immerwährendes Geschehen. Dabei wird niemand bestreiten, wenn ich von einem Vollendungsgeschehen ausgehe.

Die allerletzte Vereinigung steht noch aus und braucht den sichtbaren Anbruch des Reiches Gottes und darin die Wiederkunft des Herrn. Es braucht die Erlösung der Kreatur und sogar den Zusammenbruch der Antiwelten des Satans.

Aber der Prozess der Vereinigung ist – gleich einer Geburt – längst präsent und von Jesus selbst bezeugt und von den Aposteln beschrieben. Und was von ihm bezeugt wird, gilt für Zeit und Ewigkeit. Nun ist bei der Betrachtung der „Vereinigung“ abzuklären, welchen entscheidenden Charakter sie haben wird.

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