Einheitsgebet – Betrachtungen

Die Broschüre zum Einheitsgebet mit dem Titel
„Einheitsgebet – Betrachtungen zu einem umfassenden Beten“
von Luitpold Schatz.

Neben 19 Artikeln aus dem Quatemberboten, die das Einheitsgebet erläutern, gibt es hier noch eine besondere und sehr ausführliche Ausarbeitung. Luitpold Schatz (1925 – 2014) hat sie als reife Frucht seines Lebens hinterlassen. 45 Betrachtungen zu einem umfassenden Beten einschl. einer Vielzahl von Anmerkungen sind da zu lesen. Sie sind aus einem jahrzehntelangen Beten als einer tiefen Begegnung mit Gott erwachsen. Damit wird ein unfassbarer Raum des betenden Staunens vor dem dreieinigen Gott eröffnet.

Alle  45 Betrachtungen sind hier veröffentlicht. Ebenso eine PDF-Datei zum Download.

Hier gehts weiter

45. BETRACHTUNG – Dass der Wille des Vaters wie im Himmel so auf Erden geschehe

Dies ist der 48. Artikel von 48 Artikeln zum Thema: Einheitsgebet

Das Einheitsgebet schließt mit einem Satz aus dem Vaterunser. Trotz dieser gewohnten Formel lohnt es sich, den Inhalt mit seinem Hintergrund genauer anzuschauen. Es dünkt mir nämlich, es werde mit dem Willen Gottes zu sehr eine irdische Vorstellung verbunden. Menschlich zeigt sich der Wille als Anfangsimpuls einer Tat. Der göttliche Wille hingegen ist eine Substanz des allmächtigen Gottes, die man vielleicht als Außenseite seines Wesens bezeichnen dürfte. Diese Außenseite befiehlt nicht, sondern strahlt ab und gebiert alles Existierende. Da sind einbezogen die Welten des Mikro- und Makrokosmos. Diese Abstrahlung zeigt sich mit der Schöpfung identisch und hauptsächlich mit deren Vollendung. Man könnte demgemäß auch nach der Innenseite solcher Strahlung forschen, die nach meiner Erkenntnis die Liebe ist.

In Jak 1,16-18 finden wir diesbezüglich wunderbare Aussagen: Irret euch nicht, liebe Brüder, lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Himmelslichter, bei dem keine Veränderung und keine zeitweilige Verdunkelung stattfindet. Aus freiem Liebeswillen hat er uns durch das Wort der Wahrheit ins Dasein gerufen, damit wir die Erstlingsfrucht unter seinen Geschöpfen wären.

Weiterlesen

42. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Dies ist der 44. Artikel von 48 Artikeln zum Thema: Einheitsgebet

Es dünkt zunächst eigenartig, einen Zusammenhang zwischen unserem Heil und der Vergangenheit herstellen zu wollen. Leider überholt uns Christen die Naturwissenschaft. Sie hat längst geklärt, dass wir ein biologisches Glied einer Generationenkette sind, also die Gene vieler Geschlechter uns im Heute prägen. Das kann zu einem positiven Resultat ebenso wie zu einem schlechten führen. Die Bibel weiß um solche Verflechtungen. Schon im Alten Testament lesen wir: Gott bewahrt Gnade in tausend Gliedern … und sucht die Missetat der Väter heim auf Kinder und Kindeskinder … (2.M. 34).

Die moderne Zeit betrügt den Menschen insofern, als sie ihn zu überzeugen versucht, alles Vergangene als nicht mehr existierend anzunehmen. So ist es auch erklärbar, wenn nur der gegenwärtige Augenblick als verfügbar vorgegaukelt wird. In Wirklichkeit aber leben wir Heutigen von den Wichtigkeiten der Vergangenheit.

Im säkularen Raum gibt es dazu mannigfache Beweise. Denken wir nur an die Realität von Erbe oder auch Besitz. Beides sind vergangene Prozesse, die in die Gegenwart herein wirken. Ähnlich ist es mit den Kenntnissen oder dem Erlernten. Beides stammt von gestern und gestaltet das Heute. Und wie sehr greifen „gestrige“ schockhafte Erlebnisse danach, unsere Nerven von jetzt zu strapazieren. Dann gibt es den weiten Raum der schuldbeladenen Vergangenheit oder vielfache Fehler und Versäumnisse. Das alles erhebt Anspruch auf Wiedergutmachung, wenn noch ein Funken Gewissen vorhanden ist.

Dies breite Spektrum haben die Propheten des Alten und des Neuen Bundes immer wieder angemahnt. Ihnen ging und geht es darum, weder das Erbe aus der Hand Gottes noch die Verfehlungen zu vergessen. Biblische Beispiele gibt es zuhauf. Denken wir nur an den Ps 103: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Oder in Ps 143 bekennt der Sänger: Ich gedenke an die vorigen Zeiten; ich rede von allen deinen Taten und sage von den Werken deiner Hände. Solche und ähnliche Bekenntnisse finden wir auch in 5Mos 32.

Andererseits finden wir reichlich Ermahnung im Volk Gottes, ihre begangene Sünde „nicht unter den Teppich zu kehren“, so als ob das vergangene Unrecht keine Mitsprache mehr hätte. In 2Petr 1,9 redet der Apostel deutlich: Der ist blind und tappt im Dunkeln und vergisst der Reinigung seiner vorigen Sünden.

Das betrifft nicht nur die Einzelperson, sondern auch und in erster Linie die ganze Kirche. Daher beten die Glieder dieser Bruderschaft, von der das Einheitsgebet stammt: Wir und unsere Väter haben gesündigt. (34)

Mag es nun doch klar werden, wie wichtig das ganze Heil auch für die Vergangenheit werden kann! Vor Gott gibt es für den Menschen keine Eintagsfliegen-Existenz und daher keine portionierte Vergebung. Ihm sei Dank dafür.

Anmerkung

34

Das erwähnte Bußgebet sollte an dieser Stelle nicht fehlen. Es hat seinen Ursprung bei den katholisch-apostolischen Gemeinden Englands im 19. Jahrhundert.

Allmächtiger, barmherziger, heiliger und gerechter Gott! Dein Reich ist ein ewiges Reich und deine Herrschaft währet für und für. Du hast den Menschen geschaffen nach deinem Bilde, zu Dienst und Arbeit in deinem Reich. Er aber hat zu allen Zeiten deine Wege und Ordnungen verlassen. Auch wir lebten unseren eigenen Willen und nach dem Begehren unseres Herzens. Deshalb hast du, die vollkommene Liebe, eine ewige Erlösung in deinem Sohn Jesus Christus für die ganze Welt und Menschheit bewirkt. Du hast dir in der einen Kirche und Gemeinde Jesu ein Organ deines ewigen Reiches geschaffen.

Aber auch wir Christen, die Glieder dieses Leibes Christi, haben deine Wahrheit oft nur mit dem Verstand aufgenommen und die Herzen gegen dich verschlossen. Wir haben nach unseren vermeintlichen Rechten und unserer Meinung gehandelt.

Darum liegen die Sünden und Schäden vieler Zeitalter, vieler Gemeinschaften und einzelner schwer auf uns. Wir und alle vor uns haben gesündigt wider dich und dein ewiges Reich und auch widereinander. Wegen unserer und der Sünden aller, die sich nach dir nennen, ist die Einheit deiner Kirche zerstört, dein Geist gedämpft und die brüderliche Liebe in vielen erkaltet.

Wir haben mehr auf die kleinlichen Sorgen des Alltags und des Miteinanders in deiner Kirche und Gemeinde gesehen, als auf die Mahnung, zuerst nach dem Reich Gottes und seinen Ordnungen zu trachten. Die lebendige Hoffnung der Wiederkunft deines Sohnes Jesu Christi ist fast ganz verschwunden. Wir warten nicht mehr mit Verlangen auf die Offenbarung deines ewigen Reiches, in welchem Gerechtigkeit, Friede und Freude regiert. Wir haben uns auf dieser Welt häuslich eingerichtet, streben nach vergänglicher Ehre und Herrlichkeit.

Wir wollen mit unserem Willen und menschlichen Methoden dein Reich selber aufrichten. Darum ist die Menschheit mit Streit und Krieg geplagt, die Erde verwüstet und viele Ordnungen der Natur sind gestört und die Menschen stehen ratlos vor den Fragen der Zukunft. Und dabei hast du mit dem Blut deines einzigen Sohnes diese Welt erlöst und ihr das Heil geschenkt. Wir bitten dich, heiliger und gerechter Gott, um Jesu Christi willen, durch den Heiligen Geist, unseren Fürsprecher: Vergib uns alle Sünden, heilige und eine alle, die sich nach deinem Namen nennen. Schaffe erneut Raum für das Wirken deines heiligen Geistes unter uns, lass die Zeichen deines angebrochenen Reiches sichtbar werden zum Zeugnis für die Menschen. Lass Gnade für Recht ergehen nach deiner großen, barmherzigen Verheißung und um deiner Liebe und Treue willen.

Amen

40. BETRACHTUNG – Vereinige uns zu unserem ganzen Heil an Leib, Seele und Geist

Dies ist der 42. Artikel von 48 Artikeln zum Thema: Einheitsgebet

Die Mutter Jesu spricht auf Elisabeths Willkommens-Gruß jenen wunderbaren Lobpreis Gottes, der als Magnifikat in die Kirchengeschichte eingegangen ist. Sie beginnt mit den Worten: Meine Seele erhebet den Herrn und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes (Lk 1,46). Nimmt man dazu Worte dieses Heilands, so hat man reichlich Einblick, welche Bedeutung der Geist des Menschen hat. Es sind entscheidende Worte, die Jesus zum Schluss seines Lebens am Kreuz zum Vater spricht: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände (Lk 23,46).

Hier wird kurz und bündig festgestellt, dass es sich beim Geist um einen Besitzstand handelt. Es ist bei Maria und bei Jesus mein Geist. Dieser Besitz entsteht weder durch neue göttliche Einstiftung noch durch erdhaften Automatismus. Der Geist wird aus der Einheit von beidem, also der Seele und dem Leib, geboren. Auf diese Weise entsteht das Ich-Bewusstsein des Menschen und aus dem Menschen wird die Person. Aus dem Geist errichtet dann der Mensch seine Welt gemäß dem Schöpfungsauftrag, zu bauen und zu bewahren. Die Versuchung des Satans fordert aber gerade den Geist heraus, dem Schöpfer zu misstrauen, was schließlich zur Weltkatastrophe ausuferte. Darum bedarf der Geist des Menschen insonderheit des göttlichen Heils durch Auslieferung und Vereinigung.

39. BETRACHTUNG – Vereinige uns zu unserem ganzen Heil an Leib, Seele und Geist

Dies ist der 41. Artikel von 48 Artikeln zum Thema: Einheitsgebet

Die Schöpfung des Menschen nach dem Zeugnis des AT besteht aus zwei Komponenten;

  1. aus irdischer Materie und
  2. aus überirdischer Materie.

In 1.M. 2,7 heißt das so: Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß und er blies ihm den lebendigen Odem in seine Nase und also ward der Mensch eine lebendige Seele.

Nun gibt es eine Fülle von Bedeutungsversuchen, wie denn letztgültig Seele zu verstehen ist. Für mich sehe ich eine Zweiheit vom Schöpfer einander zugeordnet: Leib und Seele sorgen im Miteinander um das Gleichgewicht zwischen der göttlichen Erdbezogenheit und der menschlichen Gottbezogenheit. Hier leuchtet auch das Geheimnis von Außen und Innen auf. Sogar das weibliche und männliche Prinzip findet sich da wieder. Die Materie – also die Mutter Erde – ist Ausgangspunkt der physischen Existenz. Der Gotteshauch – also von Gott dem Vater – ist Ausgangspunkt der psychischen Substanz. Demgemäß hat die Seele „den Draht nach Oben“ und der Leib „den Draht nach Unten“. Beim Sündenfall hat die Einheit Mensch den Draht nach Oben durchschnitten und die Folge für den Leib war die Vertreibung aus dem Paradies. Darum bedarf Leib und Seele des Heils. Dies vollzieht sich in der Hinwendung zum lebendigen Gott mittels der Vereinigung in Christus. Friede kehrt zurück.