45. BETRACHTUNG – Dass der Wille des Vaters wie im Himmel so auf Erden geschehe

Dies ist der 48. Artikel von 48 Artikeln zum Thema: Einheitsgebet

Das Einheitsgebet schließt mit einem Satz aus dem Vaterunser. Trotz dieser gewohnten Formel lohnt es sich, den Inhalt mit seinem Hintergrund genauer anzuschauen. Es dünkt mir nämlich, es werde mit dem Willen Gottes zu sehr eine irdische Vorstellung verbunden. Menschlich zeigt sich der Wille als Anfangsimpuls einer Tat. Der göttliche Wille hingegen ist eine Substanz des allmächtigen Gottes, die man vielleicht als Außenseite seines Wesens bezeichnen dürfte. Diese Außenseite befiehlt nicht, sondern strahlt ab und gebiert alles Existierende. Da sind einbezogen die Welten des Mikro- und Makrokosmos. Diese Abstrahlung zeigt sich mit der Schöpfung identisch und hauptsächlich mit deren Vollendung. Man könnte demgemäß auch nach der Innenseite solcher Strahlung forschen, die nach meiner Erkenntnis die Liebe ist.

In Jak 1,16-18 finden wir diesbezüglich wunderbare Aussagen: Irret euch nicht, liebe Brüder, lauter gute Gabe und lauter vollkommenes Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Himmelslichter, bei dem keine Veränderung und keine zeitweilige Verdunkelung stattfindet. Aus freiem Liebeswillen hat er uns durch das Wort der Wahrheit ins Dasein gerufen, damit wir die Erstlingsfrucht unter seinen Geschöpfen wären.

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44. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Spätestens mit der Frage nach der Zukunft wird jeder verantwortlich denkende Mensch unsicher, weil künftiges Geschehen von enorm vielen Wirklichkeiten beeinflusst wird, die unbekannt sind. So gibt es in der Menschheitsgeschichte immer neue Spekulationen, vor denen sich nicht einmal das Christentum scheut.

Nach dem Zeugnis der Bibel steht für die Zukunft ein einziger dominierender Begriff: Reich Gottes. Jesu Botschaft zentriert sich förmlich darauf. Nun gibt es dabei ein Verstehensproblem, weil die Menschheit unter „Reich“ sich immer schon ein fest umgrenztes Gebiet (siehe Paradies) vorstellte. Für Deutschland gab es lange die Bezeichnung „Deutsches Reich“. Für mich steht hinter dem Begriff „Reich Gottes“ das genaue Gegenteil, nämlich die grenzenlose, ewige, vollendende Herrschaft Gottes. Zu solchem Denken verführt der biblische Begriff sowohl im AT als auch im NT (Basileia), so dass ich „Herrschaft Gottes“ als den stimmigeren Begriff empfinde. Übrigens kennt die englische Sprache für Reich nur „Empire“ oder „Kingdom“, ist also schwerpunktmäßig auf den Herrscher bezogen. Im Lateinischen gilt dasselbe: Imperium ist die Herrschaft des Imperators. Manche werden sagen: Letztlich läuft das auf dasselbe hinaus.

Dem will ich mit Freuden widerstehen, weil des Menschen Zukunft damit zusammenhängt.

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43. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Der Umgang Jesu mit seinen Jüngern ist in seiner Schlichtheit unüberbietbar. Er hält keine Vorträge, was das Gestern und Morgen betrifft. So steht in seinen Worten zu Petrus gem. Lk 12,42ff: Wie ein großes Ding ist’s um einen treuen und klugen Haushalter, den der Herr setzt über sein Gesinde, dass er ihnen zu rechter Zeit ihre Gebühr gebe. Selig ist der Knecht, den sein Herr findet also tun, wenn er kommt. Wahrlich ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. Treue und Klugheit sind dabei das vorhandene Kapital, um seine Gegenwart bewältigen zu können. Indem er sie bewältigt, baut er seine Zukunft, ohne deren Einzelheiten zu kennen. Da wird der gegenwärtige Augenblick zur Nahtstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft. Er ist Zeit der Rechenschaft und Zeit der Entscheidung. Sein ganzes Heil braucht der Mensch an dieser Stelle besonders, will er nicht einem Selbstbetrug verfallen. In der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott wird das Leben sonnengleich und damit unkompliziert, so wie der Glanz der untergehenden Sonne den vergehenden Tag zur Ruhe schickt. Die gleiche Sonne ruft mit ihrem hellen Licht den neuen Tag hervor und das als gültiges Gesetz der Weltgeschichte. Unser täglich Brot gib uns heute – nicht morgen, aber morgen wieder heute.

42. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

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Es dünkt zunächst eigenartig, einen Zusammenhang zwischen unserem Heil und der Vergangenheit herstellen zu wollen. Leider überholt uns Christen die Naturwissenschaft. Sie hat längst geklärt, dass wir ein biologisches Glied einer Generationenkette sind, also die Gene vieler Geschlechter uns im Heute prägen. Das kann zu einem positiven Resultat ebenso wie zu einem schlechten führen. Die Bibel weiß um solche Verflechtungen. Schon im Alten Testament lesen wir: Gott bewahrt Gnade in tausend Gliedern … und sucht die Missetat der Väter heim auf Kinder und Kindeskinder … (2.M. 34).

Die moderne Zeit betrügt den Menschen insofern, als sie ihn zu überzeugen versucht, alles Vergangene als nicht mehr existierend anzunehmen. So ist es auch erklärbar, wenn nur der gegenwärtige Augenblick als verfügbar vorgegaukelt wird. In Wirklichkeit aber leben wir Heutigen von den Wichtigkeiten der Vergangenheit.

Im säkularen Raum gibt es dazu mannigfache Beweise. Denken wir nur an die Realität von Erbe oder auch Besitz. Beides sind vergangene Prozesse, die in die Gegenwart herein wirken. Ähnlich ist es mit den Kenntnissen oder dem Erlernten. Beides stammt von gestern und gestaltet das Heute. Und wie sehr greifen „gestrige“ schockhafte Erlebnisse danach, unsere Nerven von jetzt zu strapazieren. Dann gibt es den weiten Raum der schuldbeladenen Vergangenheit oder vielfache Fehler und Versäumnisse. Das alles erhebt Anspruch auf Wiedergutmachung, wenn noch ein Funken Gewissen vorhanden ist.

Dies breite Spektrum haben die Propheten des Alten und des Neuen Bundes immer wieder angemahnt. Ihnen ging und geht es darum, weder das Erbe aus der Hand Gottes noch die Verfehlungen zu vergessen. Biblische Beispiele gibt es zuhauf. Denken wir nur an den Ps 103: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Oder in Ps 143 bekennt der Sänger: Ich gedenke an die vorigen Zeiten; ich rede von allen deinen Taten und sage von den Werken deiner Hände. Solche und ähnliche Bekenntnisse finden wir auch in 5Mos 32.

Andererseits finden wir reichlich Ermahnung im Volk Gottes, ihre begangene Sünde „nicht unter den Teppich zu kehren“, so als ob das vergangene Unrecht keine Mitsprache mehr hätte. In 2Petr 1,9 redet der Apostel deutlich: Der ist blind und tappt im Dunkeln und vergisst der Reinigung seiner vorigen Sünden.

Das betrifft nicht nur die Einzelperson, sondern auch und in erster Linie die ganze Kirche. Daher beten die Glieder dieser Bruderschaft, von der das Einheitsgebet stammt: Wir und unsere Väter haben gesündigt. (34)

Mag es nun doch klar werden, wie wichtig das ganze Heil auch für die Vergangenheit werden kann! Vor Gott gibt es für den Menschen keine Eintagsfliegen-Existenz und daher keine portionierte Vergebung. Ihm sei Dank dafür.

Anmerkung

34

Das erwähnte Bußgebet sollte an dieser Stelle nicht fehlen. Es hat seinen Ursprung bei den katholisch-apostolischen Gemeinden Englands im 19. Jahrhundert.

Allmächtiger, barmherziger, heiliger und gerechter Gott! Dein Reich ist ein ewiges Reich und deine Herrschaft währet für und für. Du hast den Menschen geschaffen nach deinem Bilde, zu Dienst und Arbeit in deinem Reich. Er aber hat zu allen Zeiten deine Wege und Ordnungen verlassen. Auch wir lebten unseren eigenen Willen und nach dem Begehren unseres Herzens. Deshalb hast du, die vollkommene Liebe, eine ewige Erlösung in deinem Sohn Jesus Christus für die ganze Welt und Menschheit bewirkt. Du hast dir in der einen Kirche und Gemeinde Jesu ein Organ deines ewigen Reiches geschaffen.

Aber auch wir Christen, die Glieder dieses Leibes Christi, haben deine Wahrheit oft nur mit dem Verstand aufgenommen und die Herzen gegen dich verschlossen. Wir haben nach unseren vermeintlichen Rechten und unserer Meinung gehandelt.

Darum liegen die Sünden und Schäden vieler Zeitalter, vieler Gemeinschaften und einzelner schwer auf uns. Wir und alle vor uns haben gesündigt wider dich und dein ewiges Reich und auch widereinander. Wegen unserer und der Sünden aller, die sich nach dir nennen, ist die Einheit deiner Kirche zerstört, dein Geist gedämpft und die brüderliche Liebe in vielen erkaltet.

Wir haben mehr auf die kleinlichen Sorgen des Alltags und des Miteinanders in deiner Kirche und Gemeinde gesehen, als auf die Mahnung, zuerst nach dem Reich Gottes und seinen Ordnungen zu trachten. Die lebendige Hoffnung der Wiederkunft deines Sohnes Jesu Christi ist fast ganz verschwunden. Wir warten nicht mehr mit Verlangen auf die Offenbarung deines ewigen Reiches, in welchem Gerechtigkeit, Friede und Freude regiert. Wir haben uns auf dieser Welt häuslich eingerichtet, streben nach vergänglicher Ehre und Herrlichkeit.

Wir wollen mit unserem Willen und menschlichen Methoden dein Reich selber aufrichten. Darum ist die Menschheit mit Streit und Krieg geplagt, die Erde verwüstet und viele Ordnungen der Natur sind gestört und die Menschen stehen ratlos vor den Fragen der Zukunft. Und dabei hast du mit dem Blut deines einzigen Sohnes diese Welt erlöst und ihr das Heil geschenkt. Wir bitten dich, heiliger und gerechter Gott, um Jesu Christi willen, durch den Heiligen Geist, unseren Fürsprecher: Vergib uns alle Sünden, heilige und eine alle, die sich nach deinem Namen nennen. Schaffe erneut Raum für das Wirken deines heiligen Geistes unter uns, lass die Zeichen deines angebrochenen Reiches sichtbar werden zum Zeugnis für die Menschen. Lass Gnade für Recht ergehen nach deiner großen, barmherzigen Verheißung und um deiner Liebe und Treue willen.

Amen

41. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil auch an Hab und Gut

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Hier greift das Beten weit über Leib, Seele und Geist des Menschen hinaus. Unterliegt – so die berechtigte Frage – auch die Sachwelt dem Unheil der Sünde? Da bedarf es zunächst der Sinnfindung des früher vielfach gebrauchten Wortpaares. Hab und Gut zu verlieren, bedeutete: den ganzen Besitz zu verlieren. Da ist das ersparte Guthaben ebenso inbegriffen wie auch geringwertige Habseligkeiten. Besitz hat einen Besitzer zur Voraussetzung. Dieser ist selbstverständlich verantwortlich für das Seine und bedarf daher Weisheit, Wahrheit, Sorgfalt und Erfahrung. Unser Beten spricht aber nicht von meinem Heil, sondern von unserem Heil, was dann auch eine ausgeweitete Verantwortung einschließt, wie sie von der Urgemeinde bezeugt wird: Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; und keiner sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären (Apg 4,32). Die Geschichte weist nach, dass weltliche Anstrengungen, solches wahr werden zu lassen, scheiterten – allen voran der atheistische Kommunismus. Dazu bedürfte es schon der engsten Vereinigung mit Gott durch Jesus Christus.

Aber auch der reine Besitz, als Sachwert oder Geldwert, kann heil werden und seine Versuchlichkeit verlieren. Wertvolles, das den Besitzer zur ständigen Beschäftigung mit diesem verleitet, verblasst gegenüber dem göttlichen Heil. Warum wohl segnen Katholiken bis hin zu den Evangelikalen ihre Häuser und Wohnungen, ihre Fahrzeuge, Altäre und Geräte?

Der römische Katechismus sieht eine innere Verpflichtung der Kirche für die Dingwelt, die sich besonders im Segnen niederschlägt.

Dort liest man z.B.: Jede Segnung ist ein Lobpreis Gottes und ein Gebet um seine Gaben (Eph 1,3). Zu diesen Sakramentalien gehören in erster Linie die Segnungen von Personen, Gegenständen, Orten, Mahlzeiten usw. Diese Segnungen bewirken, dass es kaum einen rechten Brauch der materiellen Dinge gibt, der nicht auf das Ziel ausgerichtet werden kann, den Menschen zu heiligen und Gott zu loben. Hier hinein gehören auch Hab und Gut. Der vorerwähnte Katechismus führt dazu Folgendes aus: Das Recht auf das Privateigentum, das man sich selbst erarbeitet oder von anderen geerbt oder geschenkt bekommen hat, hebt die Tatsache nicht auf, dass die Erde ursprünglich der ganzen Menschheit übergeben worden ist. Dass die Güter für alle bestimmt sind, bleibt vorrangig, selbst wenn das Gemeinwohl erfordert, das Recht auf und den Gebrauch von Privateigentum zu achten.

Auf wirtschaftlichem Gebiet erfordert die Achtung der Menschenwürde die Tugend der Mäßigung, um die Anhänglichkeit an die Güter dieser Welt zu zügeln; die Tugend der Gerechtigkeit, um die Rechte des Nächsten zu wahren und ihm zu geben, was ihm zusteht (2Kor 8,9).

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