19. BETRACHTUNG – Dein Blut komme über dein altes Bundesvolk und das Land seines Erbes

Es ist nicht eigenartig, das Alte Bundesvolk eigens zu erwähnen, obwohl es zu allen Menschen gehört. Aber so wie wir Christen innerhalb aller Menschen eine eigene Gruppe darstellen, muss auch das Alte Bundesvolk als eigene Gruppe wahrgenommen werden. Dabei entstanden beide nicht aufgrund menschlicher Absonderungsabsicht, sondern aufgrund göttlicher Berufung und Beauftragung. Die lagen einst am Anfang der Anfänge auf allen Menschen. Die Absonderung des Menschen von Gott, (um selbst göttlich zu werden), vermieste grundsätzlich die gedachte Zukunft. Andererseits hat sich Gottes Wille mit dem Menschen nicht von ihm verabschiedet, sondern im Gegenteil einen Heilsplan in Kraft gesetzt. Wie sehr „menschlich“ Gott diesen aufbaute, soll in den Anmerkungen (25) dargestellt werden. Hier sei nur vermerkt, wie erstaunlich das ist, dass Gottes Absicht in vielen kleinen Schritten und viel Zeitaufwand seinen Niederschlag fand.

Die Geschichte der Christenheit hat solche göttlichen Absichten mit dem Volk Israel leider vielfach ignoriert und sich distanziert. Sie glaubte aufgrund jüdischer Ablehnung Jesu als Messias, Feindschaft aufbauen zu müssen. Heute im 21. Jahrhundert gibt es immer noch zahlreiche christliche Antisemiten. Statt Judenhass wäre die Zuwendung der Christen zum heute fast isolierten Judentum Gebot der Stunde und daher der Wunsch um Verwirklichung dessen Kreuzigungsschwurs nötig: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder.

Ohne Frage hat sich der Staat Israel säkularisiert und damit auch die verpflichtende Verbindung mit der ursprünglichen göttlichen Sendung vernachlässigt. Umso dringender wäre das geistliche Engagement der Christenheit für Israel. Dies in der gebotenen Ausgewogenheit zu realisieren, heißt nicht, einem philosemitischen Taumel zu verfallen.

Die Christenmenschen Deutschlands stehen nach wie vor erschüttert vor der grausamen Geschichte des faschistischen Judenhasses. Solches verpflichtet uns, sehr wachsam zu bleiben, damit nicht noch mehr Unrecht geschieht. Darüber hinaus ist zu hoffen, dass sich die Weltkirche des Alten Bundesvolkes nicht nur erinnert, sondern ihre Verbundenheit mit der Geschichte Israels zu pflegen beginnt. Eines bleibt ewig wahr: ohne Israel keine Kirche. Gemeinsam glauben wir an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Dafür empfinde ich den Tatbestand der Zusammengehörigkeit von Altem und Neuem Testament zur Bibel als unübersehbares Zeichen. Besonders sind die Psalmen Lobgesang und Zeugnis dieser einzigen Geschichte Gottes durch jetzt 2500 Jahre.

Dankbarkeit und Liebe zum Alten Bundesvolk möge mit unserem ausdrücklichen Beten hinfließen zu unseren Brüdern und Schwestern in Israel und immer noch zerstreut in aller Welt. Der Segen Aarons verbinde sich mit Jesu Blut zum Wohl und Heil für alle Welt. (25)

Anmerkungen

25

Nach dem Chaos des Sündenfalls tritt sofort der Rettungsplan Gottes in Kraft. Allerdings ist er nur wachen Menschen wahrnehmbar. Allerdings passiert nichts Spektakuläres. Es treten die Himmelsheere nicht in Aktion.

Nicht Erdbeben und Blitze lassen die Menschen erzittern. Nein, ganz leise und unbeachtet von der Weltgeschichte vernimmt ein einziger Mensch den Willen Gottes – und das weit „vor der Zeit“. Es ist uns dabei versagt, historisch zu denken. Der Name des Menschen soll Abraham sein. Es fehlen „standesamtliche Eintragungen“. Es fehlen Zeitangaben. Vermutlich war er Wanderhirte in Mesopotamien. Nimmt man an, er habe vor 4.000 oder 5.000 Jahren gelebt, so weiß kaum jemand jene Weltsituation zu beschreiben. Und doch passiert unter solchen unwägbaren Umständen der Beginn des Alten Bundesvolks. Man wird sofort an neutestamentliche Schriftstellen erinnert. Etwa 1Kor 1: Sehet an liebe Brüder euere Berufung: Nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass er zuschanden mache, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, und das da nichts ist, dass er zuschanden mache, was etwas ist. Genau so wie Paulus das schreibt, beginnt auch das Alte Bundesvolk. Gott benutzte nicht vorhandene Machtstrukturen. Die Assyrer hatten im Vierstromland eine beachtliche Kultur entwickelt. In Ägypten entstanden bereits die Pyramiden. Die östliche Hemisphäre hatte China als geistiges Zentrum. Die Königin Penthesilea häufte im persischen Land ihre Reichtümer an und verteidigte sie erfolgreich. Münzfunde in Asien zeugen von Staatsordnungen. In Europa entstand die Kultur von Stonehenge. Gottes Plan überging diese Größen. Und da musste Abraham „blindlings“ nach Ägypten pilgern, sich überlegend: wie soll das zugehen: Ich will dich zum großen Volk machen! Die weitere Geschichte mit Niederlagen und Missgeschicken ist bekannt bis hin zur Knechtschaft unter Pharao, bis zur Flucht und der grausamen Wüstenzeit. Und heute: Israel – umgeben von Hass und Bedrohung. Ein kleines Volk mit einem Gebiet so groß wie die Schweiz. Dort und nicht anderswo musste der Messias kommen; in einem Stall und nicht im Präsidentenpalast. In Mt 2,6 steht:

Und du Bethlehem im jüdischen Land bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel ein Herr sei. Darum geht es: Jesus und Israel ist die Zukunft der Welt.

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