…in Vergangenheit…Zukunft

„Vereinige uns alle mit Dir und miteinander… … in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“

Bruder Johannes Junger

gebet15

Es gibt in der großen und reichen Gebetstradition Gebete, mit denen der Beter seine ganz persönlichen Anliegen vor Gott ausbreiten kann. – Wir kennen aber auch Gebete, die wir als Reich-Gottes-Gebete bezeichnen können. Sie beziehen uns ein in die ganze Heils- und Menschheitsgeschichte. Zu diesen Gebeten gehört z.B. das Vaterunser; auch das Einheitsgebet können wir dazu zählen. Das Einheitsgebet zielt darauf, dass der Wille Gottes zur Erfüllung kommt. Nach dem Zeugnis der Bibel will Gott das Heil aller Menschen. „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige“(Offb 1,8). So stellt sich der Herr dem Seher auf Patmos vor. Wir sind in die große Gottes-, Welt- und Heilsgeschichte mit hineingenommen. Dieses Bekenntnis mit den Glaubenden aller Zeiten sagt uns, dass wir nicht verlorene Kinder im Weltall sind. Jeder einzelne Mensch ist ein von Gott geliebter Mensch. Gott liebt die Welt, die ganze Menschheit. Darum ist die Geschichte des Einzelnen, wie die ganze Menschheitsgeschichte in dem dreieinen Gott eingebunden. Die Vereinigung mit Gott hilft dem Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, heil zu leben. Das bedeutet für uns zum einen, dass wir in die große Segensgeschichte hineingenommen sind. Deshalb haben die Sänger im Alten Testament ständig an die „Geschichten mit Gott“ erinnert und ihre Kinder dies gelehrt: „Höre, mein Volk, meine Unterweisung, neiget eure Ohren zur Rede meines Mundes!… Was wir gehört haben und wissen und unsre Väter uns erzählt haben, das wollen wir nicht verschweigen ihren Kindern; wir verkündigen dem kommenden Geschlecht den Ruhm des Herrn und seine Macht und seine Wunder, die er getan hat“ (Ps 78,1ff). Gott soll geehrt und angebetet werden. Gleichzeitig wird das Volk an seine Schuld, seinen Ungehorsam gegenüber Gott erinnert. Es soll umkehren „zu den Wegen der Vorzeit“ und den guten Weg gehen, den Weg des Bundes und der Weisungen Gottes. Wer den Zusammenhang der Zeit erfahren hat, trägt die Zeit. Er wird zum Träger der Verheißungen, zum Künder des Heils. Er kann aber auf der anderen Seite auch der ganzen Schuldgeschichte der Menschheit nicht entfliehen. Sünde ereignet sich, wenn der Mensch sich Gott verweigert. Er möchte nicht in der Gottesgeschichte sein und leben, sondern möchte seine eigene Geschichte konstruieren. Er kennt kein Gestern, d.h. dass er Teil im Ganzen ist. Das Morgen interessiert ihn oft nur subjektiv. Deshalb will er auch nicht gern Verantwortung auf sich nehmen, weder für die Schuld im Ganzen, noch eine Sorge für die Kommenden; er will nicht an das Morgen denken. Er lebt in seinem selbstgemachten Heute. Das will er genießen und sich darin verwirklichen. Im Grunde strebt der Mensch danach, wie Gott zu sein, sein eigener Herr. Es ist aber ein Menschsein ohne Gott, ja gegen Gott. Es geht aber um ein Leben, das der göttlichen Natur teilhaftig wird, um ein Dasein durch Gott und mit Gott. Der Apostel bezeugt, dass die Rettung allein in Jesus und durch ihn erfolgt. Gott, der Vater, hat die Schöpfung – auch den Menschen – in dem Sohn, durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Menschwerdung geschieht darum allein, wenn wir Söhne und Töchter Gottes werden durch die Neugeburt im Heiligen Geist, in Jesus dem Christus Gottes. Wir sollen dem Bild, d.h. der Ikone, seines Sohnes gleich sein. Nur so werden wir nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift Mitgestalter der Zukunft, Segensträger und Heilbringer. Wer also nicht in dieser Einheit mit Gott, in seinen Absichten und seinem Heilswillen verwurzelt ist, ist arm und elend. Er hat sein Ziel verfehlt. Deshalb beten wir um diese Vereinigung mit Gott und allen seinen Menschenkindern, seiner ganzen Geschichte, damit wir nicht am Ziel vorbei gehen.

 

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