44. BETRACHTUNG – Zu unserem ganzen Heil in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Spätestens mit der Frage nach der Zukunft wird jeder verantwortlich denkende Mensch unsicher, weil künftiges Geschehen von enorm vielen Wirklichkeiten beeinflusst wird, die unbekannt sind. So gibt es in der Menschheitsgeschichte immer neue Spekulationen, vor denen sich nicht einmal das Christentum scheut.

Nach dem Zeugnis der Bibel steht für die Zukunft ein einziger dominierender Begriff: Reich Gottes. Jesu Botschaft zentriert sich förmlich darauf. Nun gibt es dabei ein Verstehensproblem, weil die Menschheit unter „Reich“ sich immer schon ein fest umgrenztes Gebiet (siehe Paradies) vorstellte. Für Deutschland gab es lange die Bezeichnung „Deutsches Reich“. Für mich steht hinter dem Begriff „Reich Gottes“ das genaue Gegenteil, nämlich die grenzenlose, ewige, vollendende Herrschaft Gottes. Zu solchem Denken verführt der biblische Begriff sowohl im AT als auch im NT (Basileia), so dass ich „Herrschaft Gottes“ als den stimmigeren Begriff empfinde. Übrigens kennt die englische Sprache für Reich nur „Empire“ oder „Kingdom“, ist also schwerpunktmäßig auf den Herrscher bezogen. Im Lateinischen gilt dasselbe: Imperium ist die Herrschaft des Imperators. Manche werden sagen: Letztlich läuft das auf dasselbe hinaus.

Dem will ich mit Freuden widerstehen, weil des Menschen Zukunft damit zusammenhängt.

Jesus lehrt seine Jünger im Vaterunser zu beten: Dein Reich komme. Das klingt nach etwas, was es bisher nicht gibt. Viele Menschen sehen darin jene Hoffnung, wo ihnen kein Tod mehr droht, wo der Friede zur Dauereinrichtung gehört – kurzum wo sie endlich zur Erfüllung ihrer Bestimmung kommen.

Solche Hoffnung fixiert aber zwei Irrtümer:

  1. Die Herrschaft Gottes nur als zukünftig festzuschreiben.
  2. Die Herrschaft Gottes auf das Menschlich-Irdische zu begrenzen.

Die Heilige Schrift gibt in ihren Reich-Gottes-Darlegungen durch vermeintliche Widersprüche den Hinweis auf den zeitlosen Charakter und die nicht linear oder mathematisch zu verstehende Substanz der Herrschaft Gottes. (35)

In Lk 17,20 vernehmen wir Jesu Rede zum Reich Gottes: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden … Sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch. Hier wird deutlich: Die Herrschaft Gottes kommt und ist schon da. Ja sie war immer da. Ihre Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft übersteigt menschliches Fassungsvermögen. Und doch wird einsichtiger – wenn wir den göttlichen Machtbereich, die Schöpfung Gottes von Anbeginn der Zeit mit ihrer unaufgegebenen Vollendungstendenz ins Auge fassen – dass mit der Vaterunser-Bitte Dein Reich komme dieser letzte Akt der Gottesliebe erhofft und erbeten wird.

Der reife Christenmensch wartet auf die Vollendung – nicht auf irgendeine, sondern auf die der Gottesherrschaft. Nach den Reinigungsprozessen, nach der Entmachtung des Satans, nach der Wiederbringung aller Dinge und nach der Huldigung durch Christus wird Gott sein alles in allem. Dann wird die erlöste Menschheit einstimmen in den kosmoglobalen Lobgesang, der durch die Äonen mit ihren Milliarden Lichtjahren dringen wird. Diese erlöste Menschheit wird dann endlich auch davon frei werden, ihren frommen Egoismus bzgl. eines „guten Platzes im Himmel“ weiter zu pflegen. Sie wird erkennen, dass es keinen besseren Platz gibt, als was der Seher in der Offenbarung geschaut hat:

Alle Kreatur die im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und im Meer und alles was darinnen ist, hörte ich sagen:

DEM, DER AUF DEM STUHL SITZT, UND DEM LAMM SEI LOB UND EHRE UND PREIS UND GEWALT VON EWIGKEIT ZU EWIGKEIT!

Anmerkung

35

Ps 145,1-13

Ich will dich erheben, mein Gott, du König
und deinen Namen loben
immer und ewig.
Ich will dich täglich loben
und deinen Namen rühmen
immer und ewig.
Der Herr ist groß und sehr löblich
und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen
und von deiner Gewalt sagen.
Ich will reden von deiner herrlichen schönen Pracht
und von deinen Wundern,
dass man soll sagen von deinen herrlichen Taten
und dass man erzähle deine Herrlichkeit;
dass man preise deine große Güte
und deine Gerechtigkeit rühme.
Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.
Der Herr ist allen gütig
und erbarmt sich aller seiner Werke.
Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke
und deine Heiligen dich loben
und die Ehre deines Königreichs rühmen
und von deiner Gewalt reden,
dass den Menschenkindern deine Gewalt kund werde
und die herrliche Pracht deines Königreichs.
Dein Reich ist ein ewiges Reich,
und deine Herrlichkeit währet für und für.

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