31. BETRACHTUNG – Vereinige uns in der unzertrennlichen Liebes- und Lebensgemeinschaft

Die Qualität des Herzens Jesu ist weiterhin die endgültige Dauer. Die Dimension der Zeit tritt total zurück. Die begrenzte Liebe hat nichts mehr zu suchen. Der Neue Bund ist nicht abhängig von Stimmung und Interessen.

Die unseligen Trennungen sind gar nicht mehr machbar. Das Bleibende wird zur Regel. Das ist bereits in diesem Äon wahrnehmbar dem, der aufmerksam und lebensnah die Welt betrachtet. So habe ich selbst mit Staunen erkannt, dass sogar die Materie in ihrem Kern unvergänglich ist, wenngleich sie dem Tod – das heißt der Wandlung – unterworfen ist. Dazu gehört letztlich auch die in kosmische Weiten geschossene Materie.

So wird die Unvergänglichkeit zum Zeugen für die Unzertrennlichkeit. (30)

Wieder und wieder gilt es, das biblische Wort sprechen zu lassen, wie es in Eph 1 zu lesen ist: ER hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens, dass es ausgeführt würde … auf dass alle Dinge zusammengefasst würden in Christo, beides, das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn. In unserem Äon durchkreuzen Spaltungen ein gedeihliches Miteinander der Menschheit. Welch ein Gegensatz, wenn Spaltungen oder Zerstörungen überhaupt nicht mehr möglich sind.

Anmerkung

30

dem alle und alles umfassenden Christus zu finden ist. Einen Christen mit wunderbarer Tiefe seiner Worte habe ich wahrgenommen. Es ist der Jesuit und Anthropologe Teilhard de Chardin. Ein ausschnittweises Gebet von ihm, das in dem Büchlein „Lobgesang des Alls“ erschienen ist, gebe ich nachstehend zur Kenntnis.

Glorreicher Christus, verborgen im Schoß der Materie ausgebreiteter Einfluss und blendendes Zentrum, in dem die zahllosen Fasern der Vielheit verbunden sind; – Du, dessen Stirn wie Schnee, dessen Augen wie Feuer; dessen Füße strahlender sind als schmelzendes Gold; Du, dessen Hände die Sterne gefangenhalten; Du, der Du der Erste und der Letzte, der Lebendige, der Tote und der Auferstandene bist; Du der Du in Deiner überströmenden Einheit allen Zauber, alle Lust, alle Kräfte, alle Zustände sammelst; Dich rief mein Sein mit einem ebenso großen Verlangen wie das Universum: Du bist wahrhaft mein Herr und mein Gott! Außerhalb Deines Leibes, Jesus, kann nichts bestehen, und zwar so sehr, dass selbst jene, die außerhalb Deiner Liebe verworfen sind, zu ihrem Unglück noch in den Genuss der Stütze Deiner Gegenwart kommen. Wir stehen alle unwiderruflich in Dir im universellen Milieu der Konsistenz und des Lebens! – Aber gerade weil wir keine fixfertigen Dinge sind, die man sich gleichgültig Dir nahe oder fern vorstellen kann; gerade weil in uns das Subjekt der Vereinigung mit der Vereinigung selbst wächst, die uns fortschreitend Dir gibt; – im Namen dessen, was das Wesentliche in meinem Sein ausmacht, Herr, höre das Verlangen dieses Dings, das ich meine Seele zu nennen wage: … zieh mich an – bis in die innersten Falten des Zentrums Deines Herzens! Je tiefer wir Dir begegnen, umso universeller enthüllt sich Dein Einfluss – dann werde ich wissen, dass ich dem zentralen Ort näher komme, wo das Herz der Welt in die herabsteigende Strahlung des Herzens Gottes konvergiert. – Lehre mein Herz die wahre Reinheit, jene, die keine blutleermachende Trennung von den Dingen ist, sondern ein Aufschwung durch alle Schönheit hindurch. – Gib mir endlich und vor allem durch eine immer wachsende Schau Deiner Allgegenwart die selige Leidenschaft, immer etwas mehr die Welt zu entdecken, zu schaffen und zu erleiden, damit es immer mehr in Dich eindringe.

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