Wie Jesus den Willen des Vaters tun.

Bruder Johannes Junger
Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf (Joh 1,11).

Hier rühren wir an den großen Schmerz Gottes.

Er, das ist der Logos, das ewige Wort, das von Anfang an war. Er ist es, in dem alles geschaffen ist, auf den hin alles ist und in ihm erhalten wird (Kol 1). Es ist Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist.

Sein Eigentum: Das ist seine ganze Schöpfung, die Menschheit und Welt. Im Besonderen darin sein Volk Israel, das er auserwählt hat vor allen Völkern. Gott hat es zum Licht der Heiden berufen, dass es Gottes Heil bis an die Enden der Erde bezeugen soll (vgl. Ex 19,5ff; Jes 49,6).

Die Seinen, das sind zunächst die Glieder des Volkes Israel, und auch wir – die Glieder des Volkes Gottes aus den Nationen bis heute.

Durch Jesus Christus, seinen Opfertod am Kreuz, seine Auferstehung und die Sendung des Heiligen Geistes, ist das Tor für die ganze Menschheit aufgestoßen, damit alle Glieder Teil dieses Gottes- und Zeugenvolkes seien. Jesus selber sagt im Johannesevangelium: Darin zeigt sich Gottes Liebe zur Welt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (vgl. 3,16).

Sind so mit den Seinen nicht alle Menschen angesprochen? Doch die Seinen nahmen ihn nicht auf, damals nicht – und heute?

Warum bleibt sein Heimruf in das Vaterhaus ungehört?

Der Prophet Hosea (7,10) fasst seine Diagnose in folgende Worte: … der Hochmut Israels zeugt wider ihn, doch sie kehrten nicht zurück zu ihrem Gott und suchten ihn nicht trotz alledem. – Der Prophet sagt weiter: Israel, du bringst dich ins Unglück; denn dein Heil steht allein bei mir (13,9). Dabei wollte Israel doch Gott dienen, Gottes Wort bewahren bis zum Kommen des Messias. Aber die Menschen hatten ihre Vorstellungen, wie Gottes Hilfe für das Heil auszusehen habe. Das war ihr Hochmut: Sie meinten Gott zu dienen und suchten nur sich selber. Ganz ähnlich erleben wir das durch die Jahrhunderte in der Christenheit. Kirchen, Gemeinschaften und Gläubige wollen Gott dienen; sie glauben zu wissen, wie Gottes Hilfe auszusehen hat und merken nicht, wie sie ihn damit auf ihre Erkenntnis festlegen. Dabei gehen sie normalerweise von ihren Erfahrungen und Standpunkten aus.

Wenn wir auf 2000 Jahre Kirchengeschichte schauen, hat sich dies auch in der Gemeinde Jesu aus den Nationen nicht geändert.

Und dennoch bleibt bestehen, dass Gott weder Israel verworfen hat, noch die Gemeinde aus den Nationen. Gott steht zu seinen Verheißungen. So können wir umkehren und mit dem Propheten Jesaja sagen: Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Wege deiner Gerichte; des Herzens Begehren steht nach deinem Namen und deinem Lobpreis (26,8).

Das Vorbild ist Jesus

Die Hoffnung liegt im Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu. Er hat die „Seinen“, die Jünger, nach allem Versagen nicht verstoßen, sondern ihnen das Schalom zugerufen: den Frieden, die Versöhnung. Ja, er hat ihnen die Weltmission anvertraut, den Bau seines Hauses, den Ort da Gott wohnen will, sich offenbaren und an die Welt richten wird.

An Jesus sehen wir, wie dieser Weg für die Jünger aussieht. Christus hat uns ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen (1Petr 2,21).

Deshalb gilt es für jeden Nachfolger und Jünger Jesu und für das ganze Volk Gottes, sich an ihm auszurichten, ihn vor Augen und im Herzen zu haben: Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens (Hebr 12,1f).

Hier seien nur zwei Beispiele aus dem Leben Jesu angeführt, die uns Vorbild sein können:

Von sicht selbst sagt er: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn (Joh 5,19 u.a.). Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? (Joh 5,44).

Konsequenz der Nachfolge

Jesus ist nicht in die Welt der Seinen eingetreten, um seinen Willen zu tun oder seinen Vorstellungen nachzugehen und sie zu verwirklichen, sondern den Willen des Vaters auszuführen. Das allerdings hat ihn zum Weg ans Kreuz geführt: Zum Opfer für „die Seinen“ – die ganze Welt und Menschheit. Er hat Gott vertraut, war gehorsam bis zum Tod, um alle zu erlösen und so Heil für alle zu erwirken. Deshalb ist dieses „Vorbild Jesus“ uns vor Augen gestellt, und nicht ein Vorbild von Menschen, Gemeinden, Kirchen und Organisationen. Es geht um das Leben und Handeln wie Jesus. Wie er in sein Volk Israel eingegangen ist, sind wir in unsere Zeit gestellt.

Als Mensch, ganz einer von ihnen, tat er nicht den Willen des Volkes damals, sondern den Willen des Vaters. Diesem blieb er treu auch dort, wo es ihm Anfeindung, Verachtung, Einsamkeit, ja sogar das Kreuz brachte. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn unsere Nachfolge solche Erfahrungen einschließt. Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, damit Frucht wird. Auch hierin fordert uns Jesus auf, ihm nachzufolgen. Wir sollen nicht den Willen aller gutmeinenden Menschen tun. Jesus lehrt uns bitten: Dein Wille geschehe. Es geht um den Willen des Vaters.

Weil Gott zur Welt steht, zur Menschheit, seinem Volk Israel, zum ganzen Volk Gottes aller Zeiten, können wir getrost in die Zukunft schreiten. Paulus schreibt: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1Tim 2,4).Wir sollen nicht zuerst und zuletzt auf die Tagesereignisse, auf das Weltgeschehen sehen, sondern auf IHN, auf sein Tun und seinen Willen. Die wahre Hilfe für alle Menschen ist Jesus Christus allein. Die Erkenntnis der Wahrheit besteht im Erkennen von Gottes Willen, wie ihn Jesus erfüllte. Wir sind aufgerufen, in seiner Nachfolge, kraft des Heiligen Geistes Gottes Willen zu erfüllen. Ohne Gott, ohne die Gemeinschaft mit allen im Volke Gottes können wir Gott nicht gefallen.

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