Kostet und seht

Michael Decker
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!
(Ps 34,9)

Solange wir leben, hat jeder noch immer eine Wegstrecke des Glaubens vor sich. Im Glauben ergreifen wir das Wort des Evangeliums und bitten den Heiligen Geist, dass er uns die göttlichen Wahrheiten in Herz und Sinn lebendig erhält. Dabei ist die Tischgemeinschaft Jesu Christi die intensivste, ganzheitliche Weise des Glaubens, bei ihm zu bleiben. Wer diese Gemeinschaft sucht und in ihr aufgenommen ist, tritt persönlich immer wieder in die Nähe Gottes ein. Jedesmal wenn wir wieder kommen und glauben, wenn wir in, mit und unter Brot und Wein den Leib und das Blut Christi empfangen, kehren wir zurück in die geheimnisvolle Kommunion mit dem auferstandenen Herrn. Wir vollziehen und erfahren das, was wir glauben: er in uns, wir in ihm.  Er bleibt gewiss und unverbrüchlich in unserem Dasein; wir dürfen uns in seine Nähe flüchten und mit allem, was uns ausmacht, bei ihm wohnen bleiben.

Im Herrenmahl eignet Jesus seinen ökumenischen Christusdienst jedem Gläubigen zu. Was Jesus in seinem Opfertod am Kreuz für alle und alles erwirkt hat, die Erlösung von Sünde und ewigem Tod, das wird denen, die danach verlangen und die ihn lieben, jetzt unmittelbar geschenkt. Jesus gibt sich im heiligen Mahl als Wegzehrung, damit wir in ihm bleiben können. Indem er sich für uns zur Speise macht, die Leib, Seele und Geist ernährt, wohnt er in uns. Durch Wort und Sakrament, durch die Gemeinschaft mit ihm und miteinander wissen wir, wo er sich finden lässt. Im Herrenmahl wird unser Bleiben konkret und immer neu vertieft. Es ist für unsere Verbindung und Vertrautheit mit dem dreieinigen Gott unentbehrlich und lebensnotwendig. Der Hunger nach Gott, nach Liebe, nach Gerechtigkeit und Wahrheit, nach Leben und Sinn wird allein in  der geheimnisvollen Nähe Jesu Christi gestillt.

Im Herrenmahl wirken wir Jesu Werk verborgen mit. Wir werden beteiligt, indem wir Menschen und Ereignisse, die wir im Herzen tragen, zu ihm bringen; und wir lassen ihn mit und durch uns dorthin kommen, wo wir mit allen anderen unseren Platz haben. Wir würden auf unseren Wegen verschmachten und im Glauben schwach werden, wir würden

unser Ziel aus den Augen verlieren und niemals erreichen, wenn uns der Herr nicht als Rastplätze auf dem Weg sein Mahl gegeben hätte. Der Weg zur Vollendung ist ein Weg von Begegnung zu Begegnung im Herrenmahl, von Kommunion zu Kommunion, bis zu dem Moment, wo wir angekommen sind und für immer bleiben dürfen.

In der altkirchlichen Schrift, „Didache” (Lehre der Zwölf Apostel) werden die Gläubigen aufgefordert, Dank zu sagen, nachdem sie gesättigt sind:

Wir danken dir, heiliger Vater, für deinen heiligen Namen, dem du in unseren Herzen eine Wohnung bereitet hast, und für die Erkenntnis und den Glauben und die Unsterblichkeit, die du uns kundgetan hast durch Jesus deinen Knecht. 

Du hast den Menschen Speise und Trank zum Genuss gegeben, damit sie dir danken; und uns hast du eine geistige Speise, einen geistigen Trank und ewiges Leben geschenkt .

Gedenke, Herr, deiner Kirche, dass du sie erlöst von allem Bösen und sie vollkommen machst in deiner Liebe.  Führe sie, die du geheiligt hast, zusammen von den vier Winden in dein Reich, das du ihr bereitet hast.  Es komme die Gnade und es vergehe diese Welt! 

 

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