Über Menschen, die uns begleiten, wird die Liebe des Vaters spürbar und anschaulich. Es sind verschiedene Facetten, die in den hier geschilderten Erfahrungen auftauchen. Sie kennzeichnen ganz praktisch verschiedene Wegstationen, die ermutigend und herausfordernd erlebt wurden. Beides vermag die Liebe des Vaters zu schenken.

Am Ende der Suche und der Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung

(Dorothee Sölle, 1929 – 2003)

Keine Ahnung, wo ich heute stehen würde, hätte es sie nicht gegeben: geistliche Väter und Mütter.

Immer wieder wurden mir Menschen in den Weg gestellt, für die alle zutrifft, dass sie mir gegenüber ein „unbesiegbares Wohlwollen“ zeigten

– so formulierte es Hans Bürki, einer meiner geistlichen Väter. Zu mir gehört es nun mal, dass sich immer wieder Fragen auftun, schnelle Antwortversuche von anderen mich eher noch mehr ins Zweifeln bringen, Gott mir fern und rätselhaft scheint, ich zwar nach seinem Willen frage und suche, und es doch so schwer ist, seine Antwort zu hören. So bleibe ich wohl eine Suchende und Fragende, die oft zwischen den Stühlen sitzt und der auch innere Zerrissenheit nicht fremd ist. Wie gut, da immer wieder auf lebendige Wegweiser zu stoßen, die aus ihrer Erfahrung unvoreingenommen mit großer Offenheit und weitem Herzen hören und helfen, den Weg für die nächste Etappe zu finden, die Hand auf der Schulter zu spüren, die schon zu der Umarmung des Vaters gehört.

Ein paar für mich prägende Erfahrungen sollen im Folgenden aufleuchten:

Mein erster Seelsorger, Prediger in einer Landeskirchlichen Gemeinschaft und Verantwortlicher für die Jugendarbeit, lehrte mich eine entscheidende Lektion: „freigeben, nicht festhalten!“ Ich lernte eine andere Gemeinschaft kennen und war unsicher, ob ich mich da anschließen sollte. Manches beeindruckte mich, anderes war mir so fremd. Er erkundigte sich über diese Gemeinschaft und meinte dann, „Geh ohne Sorge!“, und ließ mich mit seinem Segen ziehen. So verhalf er mir zu einer Grunderfahrung: Geistliche Begleitung, Vater- oder Mutterschaft gibt frei und hält nicht fest.

In einer anderen Situation erlebte ich stark, wie ich in den Gesprächen stets ermutigt wurde, verschiedene Aufgaben z. B. in der Gemeinde zu übernehmen. Oft war ich die Jüngste, fühlte mich den Herausforderungen nicht gewachsen, hatte keine Erfahrung. Dass jemand für mich glauben konnte, wo ich an mir zweifelte, ermöglichte mir, einen guten Weg zu gehen. Im Gespräch hatte alles Platz – ohne Bewertung.

Als Evangelische war es für mich ein besonderes Geschenk, gerade auch Priester der römisch-katholischen Kirche als geistliche Begleiter, als geistliche Väter zu erleben, z. B. bei Exerzitien. Ich habe noch immer das kleine Zimmer vor Augen, in dem ich oft mit einem Priester saß. Es war einfach und leicht, und ich hatte das Empfinden: Hier trete ich ein in einen Raum der Gegenwart Gottes. Eine gute Chance war es auch hier, das Geschenk persönlicher Beichte zu erfahren. In Coronazeiten lernte ich, dass dies sogar per Skype möglich ist.

Neues zu wagen, den Blick weiten zu lassen, eine andere Deutung als meine eigene wahrzunehmen, ans Wort verwiesen zu werden, sich auf das Wort zu stellen und sich im Wort zu gründen – wie hilfreich ist das für die Bewältigung des Alltags. Und immer wieder erfuhr ich: Diese persönlichen Gespräche sind keine „frommen Gespräche“, abgehoben „geistlich“, sondern sehr konkret, nüchtern und überraschend. Und meine Erfahrung ist auch, dass daraus mitunter tiefe Freundschaft wächst.

Herausfordernd und überraschend traf mich einmal z. B. die Frage eines Jesuitenpaters: „Hast du schon eine Beziehung zu Maria?“ Meine erste Reaktion war etwas hilflos, doch damit öffnete er mir eine Tür zu vielen kostbaren Erfahrungen. Das schätze ich in der Begleitung besonders: immer wieder herausfordernde Fragen und Anregungen, die neue Wege eröffnen, die in die Weite führen.

Seit vielen Jahren treffe ich mich in größeren Abständen zum Gespräch mit einer Franziskanerin. Die grundlegende Botschaft dabei: Es geht um die Freiheit und die Liebe; unser Gott ist ein Gott der Freiheit, nicht der Angst. Manchmal denke ich, dass sie sicher einen „Ratschlag“ für mich hätte. Doch ein Rat, der schlägt, kommt nicht.

Es kommt stets die Einladung und Herausforderung, dem großen Gott, dem liebenden Vater zu vertrauen.

So war ein entscheidender Hinweis: „Treffen Sie doch noch mal eine Entscheidung mit Risikobereitschaft!“ Wir müssen nicht alles absichern, Gott ist da, auch wenn mal etwas schief geht. Sie überließ es mir herauszufinden, was das sein könnte. Das Ergebnis jedenfalls war die Ausbildung zur Prädikantin – kurz vor dem Ruhestand!


Autorin

Brigitte Horneber
Brigitte Horneber, Ottmaring

Vereinigung vom gemeinsamen Leben

  • Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Ökumenischen Christusdienst

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