Dem Neuen entgegen

Dem Neuen entgegen

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Wenn es um Neues geht, ist der dreieinige Gott der beste Experte. Es kann ja auch nicht so bleiben, wie es auf der Erde noch aussieht. Die nachstehenden Auszüge aus einer Bibelarbeit zur Offenbarung des Johannes (Klaus Heß, Oberstdorf 1987) reißen einen großen Horizont auf, der uns hilft, auf der rechten Spur in die Zukunft zu bleiben. Es hat ja längst schon begonnen, was sich einst in göttlicher Herrlichkeit unübersehbar zeigen wird. Dass Gott uns da einbeziehen will – eine atemberaubende Aussage! Der mündlich gehaltene Vortrag wurde stark gekürzt, aber in seinem ursprünglichen Stil beibehalten.

Wir bedürfen des Geistes Gottes, um das Buch mit den Sieben Siegeln zu verstehen. Wir wollen uns nicht in „Kleinkrämereien“ verlieren, sondern die großen göttlichen Absichten im Auge behalten. Nur wer zielwärts lebt, kann sinnvoll leben. Nur wer sinnvoll lebt, hat innere Freiheit und Freudigkeit, die durch innere Blockaden und Schwierigkeiten hindurchdringt.

Paulus zeigt uns (in Röm 8) das umfassende, heilige Ziel, um das es Gott geht. Wir sollen aus der Enge herauskommen und den Blick wirklich weit und umfassend haben. Zugleich dürfen wir unsere Wurzeln tiefer hineinsenken in das göttliche Erdreich des Evangeliums und Seines Lebens. Von daher gewinnen wir die Kräfte, zielwärts zu gehen und zu bleiben und dabei einander zu helfen.

In Röm 8 spricht Paulus von der ganzen Kreatur und von allem Geschaffenen: „Die Sehnsucht aller erwartet die Offenbarung der Söhne Gottes…!“ (Röm 8,19) Und: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden dieser Zeit nicht wert sind im Blick auf die kommende Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll!“ (Röm 8,18) – Wir gehen also einer Offenbarung entgegen.

Alles Geschaffene ist in Erwartung. Die Schöpfung sehnt sich; sie liegt wie in Wehen; zusammen mit uns liegt sie in Geburtsschmerzen. Diese Schöpfung, wie sie um uns ist und wie wir in ihr sind, ist einer ungeheuren Vorläufigkeit unterworfen. Es ist noch nicht die Welt und die Schöpfung, wie Gott sie letztlich will und wozu er sie eigentlich gesetzt hat. Gott sieht, dass der Weg zu dieser Neuschöpfung (d. h. die Herrlichkeit, die offenbart werden soll) wie ein Geburtsweg ist. Es handelt sich also um „kosmische Wehen“, aus denen etwas herausgeboren wird.

Der erste, der durch diese Wehen hindurchgebrochen ist, der sie erlitten und durchstanden hat, war Jesus Christus. Sein Sterben und Auferstehen ist diese tiefste, die Erde erschütternde Geburt zu dem neuen, eigentlichen Leben. In Christus ist es schon da.

In Christus ist die erste große Geburtswehe des neuen Menschen für die gesamte Schöpfung bereits geschehen.

Jesus wusste, dass er die Vergänglichkeit und das verborgene Gericht des Todes und die Verlorenheit auf sich nehmen musste, um den Durchbruch zur neuen Schöpfung zu schaffen. Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Jesus. Die Freiheit gibt uns die Kraft, das, was wir noch an Vergänglichkeit mitzuleben und mitzuleiden haben, durchzustehen und durchzutragen. Wir wagen es, weil wir ein Ziel haben: Christus „für uns“ und „in uns“ hat den Weg gebahnt.

Unsere Haltung ist ganz nüchtern; sie weiß, dass alles vergeht und dass Gott auf viel Größeres hinzielt – auch durch die kommenden Katastrophen. Trotzdem darf ich im Kleinen immer noch ein Mensch des Segens sein, einer, der erhaltend, versöhnend, befriedend, erlösend, … in seiner Umwelt steht und in allem mitwirken darf aus der Tiefe der Herzensgemeinschaft mit Gott und miteinander.

„Alles neu!“

Eine neue Erde, eine neue Stadt. Der auf dem Thron sitzt, macht alles neu!

„Neu schaffe ich alles!“ Und diese Worte sind treu und wahr.

Dass etwas neu werde, ist uns eingestiftet. Wir sind immer wieder unterwegs zu etwas Neuem: ein neuer Tag, neue Erlebnisse, neue Mode, neue Möbel, neue Frisur, neue Kleider, neuer Konsum …, neuer Mensch – der Drang zum Neuen und zur Erneuerung.

Wer hier durchblickt, sieht schon, dass Gott das Neue will und schafft. Gott will nicht den alten Laden mit Kummer, Jammer, Krankheit und Tod. Jeder probiert neue Medikamente aus. Alle suchen nach neuen Mitteln, Lösungen und Hilfen. Alle müssen damit bezeugen, dass Gott heilig und wahr ist: Er will das Neue! „Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde!“ Selbst das versucherische Neue, das wir aus unserem egoistischen oder kapitalistischen Drang heraus anstreben, muss doch bezeugen, dass die Welt hin geschaffen ist auf das Neue. Das Neue wird kommen. Aber es kommt von Gott, von dem, der sagt: „Ich bin der Pantokrator1!“

Wir leben dem Neuen entgegen; wir sind erlöst für das Neue. Das Neue wird nicht das Flickwerk für ein kommendes Altes sein, sondern Himmel und Erde, alles universal, werden neu. In dieser neuen Schöpfung ist der Tod der letzte Feind, der überwunden wird; Sünde, Satan, Tod werden nicht mehr sein, darum auch kein Leid, keine Plage, kein Geschrei, keine Nacht mehr; das erste, das da war, ist vergangen. Die Herrlichkeit hat gesiegt. Der Glanz Gottes durchdringt und erfüllt alles. Aller Mangel an Herrlichkeit wird aufgehoben. Alles Trübe in uns, alles Dunkle wird aufgehoben. Wir freuen uns schon jetzt, wenn wir Menschen begegnen, die ein helles, frohes, sauberes Angesicht haben. Oder wenn wir an ein Totenbett treten und ein Gesicht mit stillem, hellem Glanz sehen.

Es kommt die Stunde, in der wir wieder die Herrlichkeit gewinnen, wo das innere Licht Gottes alles durchdringt, so dass kein Schatten und nichts Trübes, nichts Entstellendes und Krankes mehr bleibt. Denn in der neuen Stadt ist das Licht die Leuchte des Lammes; hier wohnt Gott mit den Seinen.

Im Ziel dieses Neuen erfüllt sich der Wille Gottes. Gott will bei seinen Menschen wohnen und sich mit ihnen vereinen. An diesem Willen der Liebe hat sich seit dem Paradies nichts geändert.

Brüder und Schwestern der Zukunft Gottes! Wir müssen herausgerissen werden aus dem bloßen In-den-Tag-hinein-Leben. Christen sind nicht Menschen, die nur in den Tag hineinleben und recht und schlecht über die Runden kommen und die nur dran denken, einmal – so Gott will – in Gnaden und selig sterben zu dürfen. Das ist einfach zu wenig. 

Wir sind Menschen der Zukunft. Wir sollen die kommende Welt mitregieren und priesterlich bei Gott mitverantworten. Wir sollen in der Ewigkeit für andere da sein und es darum heute lernen.

Unsere Zukunft ist von einer unbegreiflichen Tiefe und Höhe. Es wird nie langweilig in den Ewigkeiten. Die Siegeslieder und Aufträge derer, die mit Christus zu dienen und zu regieren haben, sind unermesslich.


  • Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Ökumenischen Christusdienst

    Die Vereinigung vom gemeinsamen Leben im Ökumenischen Christusdienst wurde ursprünglich 1928 gegründet. Nachdem sie während der Naziherrschaft verboten war, kam es 1947 mit dem Namenszusatz „im Ökumenischen Christusdienst“ zur Wiedergründung.

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