Editorial

Dies ist der 1. Artikel von 5 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 261

„Seht auf!” – die Heilung des Bartimäus  (Mk 10,46ff)

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Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Er wird von einer straßenfüllenden Menschenmenge in Jericho begleitet. Die einzelnen Begegnungen mit Menschen fließen nun zu einem Menschenstrom zusammen, fast hat man den Eindruck, dass Jesus darin untergeht. Die Menschen sehen Jesus nicht, wissen ihn aber in ihrer Mitte. Wie die Wolke der Zeugen, in der jeder Einzelne einer Spur folgend seine eigenen Schritte findet. Die Heilsgeschichte beschleunigt. Golgatha rückt näher.

Seht auf!

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Seht auf – wie der Blinde Bartimäus

Bartimäus nimmt das Geschehen auch wahr. Er sieht nichts, doch sind seine anderen Sinne geschärft. Seine innere Wahrnehmungsrichtung verläuft als Sitzender jetzt aufwärts. Herauf aus seinen körperlichen Fesseln zielt sein innerer Blick nun voller Sehnsucht und Hoffnung auf Jesus – alles von ihm erwartend. Bartimäus erkennt seine einmalige Chance und riskiert eine Blamage. Er scheint nicht abzuwägen und peinliche Konsequenzen in Betracht zu ziehen, im Gegenteil: Er schreit. Sein inneres Aufsehen zu Jesus wird zu einem äußeren Glaubensruf.

Die Menge ist irritiert über den Störenfried, der sich nicht dem kollektiven Empfinden unterordnet und scheinbar nicht versteht, dass hier etwas Großes im Gange ist.

Doch: Jesus bleibt stehen! Dieser kleine Satz spiegelt den Wendepunkt der Erzählung wider. Es scheint als würde Jesus plötzlich seinen Heilsweg unterbrechen. Wozu auf die Störung des Blinden eingehen? Warum bleibt Jesus auf diesem für die Heilsgeschichte so entscheidenden Weg stehen? Ist es tatsächlich „nur”, um einem Blinden das Augenlicht zurückzugeben? Die Erlösung wäre doch auch für Bartimäus als Blinden geschehen! Jesus beantwortet jedoch das Rufen von Bartimäus mit einem Rufen nach ihm selbst. So kommt für Bartimäus nach dem Aufsehen nun das Aufstehen.

Seht auf – wie Jesus

In der Szene verblassen nun die beeindruckenden, menschlichen Größenordnungen der sich zuspitzenden Heilsbewegung. Vielleicht wird es jetzt still um Jesus.
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Premiere in Ottmaring

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Ich hatte schon viel vom Ökumenischen Christusdienst gehört und die Einheit der Christen ist meine Herzenssache. Aber am Wochenende des 2. Advents war ich zusammen mit meiner Frau erstmals in Ottmaring – meine Premiere. Ich machte eine beglückende Entdeckung: Viele Menschen, die mit dem Einheitsgebet leben. Ich gehöre zu ihnen.

Beim Begrüßungsabend konnten wir  auch äußern, was uns schmerzt. Nicht wenige nannten die spürbare Distanz vom Glauben in unserer Gesellschaft. Diesen Schmerz nahm das Thema der Tagung auf: „Von der Liebe und dem Leiden Gottes”.  Wir wurden eingeladen, einen „Perspektivwechsel” zu vollziehen, nämlich von unserem Schmerz hin zum Schmerz Gottes. Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag zu einem Volk, das mich ins Angesicht kränkt, sagt Gott in Jes 65. Der Raum in der Mitte der Bruderschaftskapelle in Ottmaring symbolisiert ja den anwesenden Gott.

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Konzilsgebet

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anlässlich der ersten Sitzung des Konzils von Ferrara von 1438, bei dem versucht wurde, die Kirchen des Ostens und des Westens wieder zu vereinigen. 1439 wurde ein Einigungsdokument unterzeichnet, in dem die römische Kirche den Zusammenschluss mit einigen kleineren östlichen Kirchen – der armenischen, maronitischen,  nestorianischen und jakobitischen –   vereinbarte. Bemühungen, ein Abkommen mit der gesamten Ostkirche zu erreichen, schlugen hingegen fehl und wurden 1472 von einer Synode in Konstantinopel offiziell abgelehnt.

O GOTT,

Du Erlöser, lass uns schauen jenen Tag, an dem wir Dir den Sieges- und Freudengesang anstimmen, vereint in einem Geist, in einer Melodie, in einer Harmonie, und unter Dir, als dem einen Haupte leben, weben und atmen, das gleiche fühlen, das gleiche reden, einander das gleiche sind.

O KÖNIG CHRISTUS,

wir wollen und wünschen uns Dich als alleinigen Herrscher, durch dessen kostbares Blut wir erlöst sind, der Du Dich für uns, als wir verkauft waren unter die Sünde, als Lösegeld gegeben und uns befreit hast. Mache selbst uns Dir zur einigen Herde, dulde nicht, dass die Deinen gespalten seien; verstoße nicht die, welche sich gegenseitig bekämpfen. Noch weniger aber mögest Du die einen verstoßen und der anderen Dich annehmen; denn für alle hast Du Dich hingegeben, allen ist Dein vergossenes kostbares Blut zum Bad der Wiedergeburt geworden; schenke allen das gleiche Maß Deiner Liebe; hilf uns allen zugleich und ziehe uns hin zu Dir, der Du uns für Dich als ein und dasselbe Ziel bestimmt hast, in gegenseitiger Entsprechung und Verbindung; und dulde nicht, dass  wir einander ferner fremd seien, wodurch notwendig auch die andern das Ziel verfehlen.

O HEILIGER GEIST,

Du Quelle der Gnadengaben, Du Geist der Weisheit, Du Geist des Verstandes, Du Geist der Gottesfurcht, für den und mit dem unser Kampf ausgefochten wird; halte fern von uns jeden hochmütigen Gedanken, flöße aber ein in unser aller Herzen die Furcht Gottes; schenke uns Verstand und Weisheit, sei Du mit uns allen; mache kund die ganze Wahrheit, da Du doch nicht nur der Geist der Wahrheit bist und heißest, sondern es auch als Deine Aufgabe betrachtest, uns die ganze Wahrheit mitzuteilen durch die wahre, unveränderliche Stimme der Wahrheit.

O DREIEINIGER GOTT,

der Du alles hervorgebracht hast durch unaussprechliche Worte, der Du alles umfassest und vorhersiehst und lenkst. Dein Werk ist der Mensch. Das eigentliche Gut seiner Seele aber ist die Wahrheit … das Beste und Göttlichste von allem, was wir besitzen und besitzen werden.

Dieses Gut schenke uns. Lass die Wahrheit unter uns gegenwärtig sein und, wo sie erscheint, empfangen werden. Und vergib, wenn wir irgendwie, ohne es zu wollen, von ihr abweichen, zumal in dem, was Dich betrifft; denn Du bist nicht nur selbst unerforschlich und unergründlich, sondern auch die meisten von Deinen Geschöpfen sind es, die ja nur schwache Nachklänge, Schatten und Abbilder Deines göttlichen Urbildes sind. So neige Dich herab zu den Flehenden und leite sie auf dem Wege, der zu Dir führt, dem alleinigen wahren Gott. Und wie Du selbst drei Personen umfasst und doch die eine unendliche Wesenheit und Natur behältst, so mache auch uns ganz eins, obgleich wir vielerlei sind und von verschiedenen Nationen und dazu leider –  was der böse Feind gesät –  verschiedener Anschauung und verschiedenen Glaubens; nimm hinweg diese Verschiedenheit und mache uns ganz eins im Glauben an Dich und in der Auffassung von Dir, und lass nicht zu, dass irgend etwas uns daran hindere, eins zu sein und dasselbe zu denken, weder die Verschiedenheit der Nationen noch die Zahl und Vielheit der Individualitäten.

Das soll unser Gebet sein.

Das Heilige den Heiligen

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Es ist dem Menschen ein Fallstrick, unbedacht Gelübde zu tun und erst nach dem Geloben zu überlegen (Spr 20,25).

In unserer Zeit, da die Menschen die Eile in alle Lebensgebiete unbekümmert eindringen lassen, gilt diese Mahnung besonders ernst für das Eindringen in das Geheimnis des Glaubens auf den Altären der Kirche Jesu Christi. Ohne die wahrhaftige Erkenntnis des Leibes und Blutes Jesu Christi treten viele Menschen daher unwürdig an die Altäre der Kirche, und so kommt über sie das Gericht Gottes. Es geschah schon die Einsetzung des Altarsakramentes damals verborgen vor beinahe allen Erdbewohnern. In der Nacht des Verrats tat der Herr Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger das Heilige, das seither in ununterbrochener Folge durch fast zwei Jahrtausende vor den Heiligen sichtbar geschehen und dabei doch immer ein tiefes Geheimnis des Glaubens geblieben ist. Ist der Glaube an sich schon für uns Menschen ein Geheimnis, durch das uns eine gedanklich kaum erfassbare Macht gegeben werden kann, so ist doch selbst nur wenigen Christen bewusst, welch eine innige und alles durchstrahlende Quelle ewigen Lebens in Gott verborgen in diesem Sakrament fließt.
Es gibt einen reichen Schatz an Gnadengaben, Seligkeiten und sogar Herrlichkeiten schon hier im Erdenleben und noch mehr in der himmlischen Welt, nach denen der Mensch sehnlich streben sollte. Jene Quelle aber ist ausschließlich denen zugänglich, die mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit allen Kräften dürstend und inbrünstig Gott zu begegnen suchen. In der dunkelsten Nacht der Menschheitsgeschichte wurde Gottes verborgene Liebe von den Menschen in niedrigstem Hass grausamst zurückgestoßen. Demnach erwartet Gott nun von den Menschen, die auf seinen heiligen Namen getauft worden sind, die gesamte hingebende Liebe des Herzens für sich allein.

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