Mensch – Bruder – Gott

Michael Decker
Gelegentlich stehe ich an einer Bushaltestelle oder sitze im Straßencafé und schaue die Menschen an, die um mich herum sind. „Welche Vielfalt, welche Originalität!“ denke ich dann oft. Senioren machen übermütigen Schulkindern Platz. Geschäftsleute eilen mit angespannten Schultern vorbei. Ich sehe zerfurchte Gesichter und unruhige Augen. In der Praxis des Arztes wartet mir gegenüber ein türkisches Ehepaar mit ernster Miene. Daneben unterhalten sich zwei junge Frauen auf russisch; während ich mich wundere, wie schnell die fremden, mir hart klingenden Silben über ihre Lippen kommen, wechselt die Sprache nahtlos ins Deutsche, als ihr Handy klingelt. „Vater im Himmel, du kennst jeden Namen, jede Lebensgeschichte, jedes Herz…„, spricht es in mir. „Du liebst sie alle!“ – Ein junger Mann, völlig schwarz gekleidet mit vielen Ringen an Ohren und Fingern schreitet vorbei. „Herr, den auch?“ Eine ältere Frau in abgetragenem Mantel mit ausgebeulten Plastiktüten steht müde vor einem Schaufenster. „Herr, sie auch?“ – Die Antwort ist eindeutig: „Auch die und den… auch dich!

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