Zuhause bei Jesus und in der Computerwelt

Walter Goll

Josephcompany-2009SeptLeadershipRetreat2AdorationByBobFraser287An einer der besten Unis für Ingenieure, in Berkeley, Kalifornien, hatte er Computerwissenschaften studiert. Er gehörte zu den Besten seines Jahrgangs. Die Zukunft schien sehr verheißungsvoll. Drei Monate vor dem Abschluss waren die besten Voraussetzungen für eine tolle Karriere gegeben. Doch damals drohte diese reale Aussicht sich in Luft aufzulösen. Knapp ein Jahr zuvor hatte Bob Fraser etwas krisenhaft erlebt, das sein Leben außerordentlich stark veränderte.

Als überzeugter Atheist war er aufgewachsen. Für Christen an der Schule hatte er nur Spott

übrig gehabt. Seine Familie war nie in die Kirche gegangen. Doch an jenem Ostersonntag hatte er in einer kleinen katholischen Kirche neben dem Studentenwohnheim Gott sein Leben übergeben. Das stellte alles Bisherige total auf den Kopf. Fraser begann, sein Leben ganz neu zu definieren. Er ließ sich taufen, wurde vom Heiligen Geist erfüllt und verschlang das Wort Gottes mit einem schier unersättlichen Heißhunger. Nicht mehr technische Diagramme füllten nun sein Notizbuch, sondern Gedanken über die Bibel.

Ganz Gott dienen – als Pastor

So wollte Bob Fraser unbedingt ganz Gott dienen und teilte seinem Pastor mit, das Studium abbrechen zu wollen. „Gott macht sich nichts aus Computern, sie haben nichts mit seinem Reich zu tun” war er überzeugt. Der Pastor konnte ihn dazu überreden, den Abschluss des Studiums doch noch zu machen. Widerwillig brachte Fraser das hinter sich. Sinn und Ziel für sein Leben hatte sich jedoch grundlegend verändert. Statt Unternehmer zu werden und evtl. eine Firma zu gründen, wollte er jetzt unbedingt Pastor einer Gemeinde werden. Das war für ihn inzwischen die scheinbar einzige Möglichkeit, Gott von ganzem Herzen zu folgen.
Tatsächlich verwirklichte sich dieser Traum zwei Jahre später. Fraser wurde Pastor einer kleinen Studentengemeinde. Er war fest davon überzeugt, dafür berufen und ausgerüstet zu sein. So tat er mit Inbrunst seinen Dienst: Er evangelisierte, predigte, leitete den Lobpreis, sogar die Lieder schrieb er dazu. Alles schien wunderbar zu sein. Doch es kam dann völlig anders. Nach knapp einem Jahr wurde er entlassen. Seine Ausbildung für diesen Dienst sei zu mangelhaft war die Begründung. Das war ein richtiger Tiefschlag für ihn.
Bob Fraser zog mit seiner Familie nach Los Angeles, um dort für den Pfarrdienst zu studieren. Nebenbei musste er Geld verdienen, damit sie über die Runden kamen. In dem Job kam er sich wie ein geistlicher Versager vor. Am Arbeitsplatz erschien es ihm wie in einer geistlichen Wüste. Er tat die Arbeit ja nur des schnöden Geldes wegen. In der gesamten Freizeit investierte er sich mit seiner Frau intensiv in der Leitung von Hauskreisen und Bibelstudiengruppen. Sie evangelisierten, lehrten und begleiteten viele Menschen im Glauben. Trotzdem merkte er mit der Zeit, dass er nicht seiner Berufung gemäß lebte.

Ganz Gott dienen – in der Geschäftswelt

Es vergingen einige Jahre, bis Fraser endlich begriff, wozu er tatsächlich berufen war. Ein christlicher Leiter hatte ihm zwar einmal prophezeit, er würde Pastor eines Unternehmens werden. Das schien ihm damals jedoch eine Berufung zweiter Klasse zu sein. Mit der Zeit allerdings begriff er, dass die Leidenschaft, die Gott ihm geschenkt hatte, nicht für den hauptamtlichen Dienst gedacht war. Er war tatsächlich fürs Geschäftsleben berufen. Er sollte bewusst mitten in der Welt als Christ leben. So kam es schließlich dazu, dass er eine eigene Firma gründete. Mit diesem Unternehmen war er sehr erfolgreich in mehrfacher Hinsicht. Neben dem geschäftlichen Erfolg ereigneten sich dort erstaunliche geistliche Entwicklungen. Bekehrungen, Heilungen, eine Erweckung in der Firma waren unübersehbare Zeichen einer Reich-Gottes-Atmosphäre, einer christlichen Prägung dieser Arbeits- und Geschäftswelt. In enger Verbindung mit dem International House of Prayer in Kansas City entstand schließlich daraus der christliche Dienst „Joseph Company”. Der wurde dann 2010 international ausgerichtet. Weltweit sollen dadurch Christen mit Berufungen in Wirtschaft und Gesellschaft gestärkt und zugerüstet werden.

Was zeigen uns diese biografischen Notizen?

Ein wesentlicher Punkt im aktuellen Dienst von Bob Fraser ist der Blick auf die Arbeitswelt und den gesellschaftlichen Bereich. Der Dienst, ja das liebende Interesse Gottes gilt nicht nur dem frommen Bereich, im Gegenteil. Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner sagt uns der Psalmist (Ps 24,1). Damit wird deutlich, dass das Ergriffensein von Jesus sich notwendigerweise auch zum Dienst in und an der Welt entfaltet.
An dem Beispiel dieses Amerikaners sehen wir auch, wie sich die Nachfolge Jesu gestalten kann. Das Interesse an Jesus, die Frage Wo wohnst Du? kann zu ganz überraschenden Antworten führen. Bei Bob Fraser hat die Lebenswende einen leidenschaftlichen Aufbruch und eine gravierende Änderung seiner Lebensziele nach sich gezogen. Allerdings hat sich seine Vorstellung über die konkreten Konsequenzen zunächst auf ein Ideal fixiert, das er selber gewählt hat. Unmerklich hat er dabei ein neues „Zuhause” in der Rolle eines Pastors gesucht. So geschah es, dass er noch nicht fähig war, den anderen Weg Jesus nach zu gehen, der ihn in die Geschäftswelt geführt hat.
Das wirkliche und eigentliche Zuhause lässt sich in der Nachfolge Jesu nicht in erster Linie auf einen bestimmten Ort festlegen. Vielmehr ist es da zu finden, wo Jesus selbst ist: auch außerhalb der Gemeinde und in der Geschäftswelt. Wer in der existenziellen Verbindung des Glaubens mit ihm bleibt, der wird dabei Überraschungen erleben.

Quelle: Robert Fraser, Der Auftrag der 97 Prozent. Das Reich Gottes außerhalb der Gemeinde bauen. 2011 Inspired Media GmbH Verlag, Steinhausen, Schweiz

Hier ein Video in Englisch:

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