Konzilsgebet

Dies ist der 4. Artikel von 5 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 261
anlässlich der ersten Sitzung des Konzils von Ferrara von 1438, bei dem versucht wurde, die Kirchen des Ostens und des Westens wieder zu vereinigen. 1439 wurde ein Einigungsdokument unterzeichnet, in dem die römische Kirche den Zusammenschluss mit einigen kleineren östlichen Kirchen – der armenischen, maronitischen,  nestorianischen und jakobitischen –   vereinbarte. Bemühungen, ein Abkommen mit der gesamten Ostkirche zu erreichen, schlugen hingegen fehl und wurden 1472 von einer Synode in Konstantinopel offiziell abgelehnt.

O GOTT,

Du Erlöser, lass uns schauen jenen Tag, an dem wir Dir den Sieges- und Freudengesang anstimmen, vereint in einem Geist, in einer Melodie, in einer Harmonie, und unter Dir, als dem einen Haupte leben, weben und atmen, das gleiche fühlen, das gleiche reden, einander das gleiche sind.

O KÖNIG CHRISTUS,

wir wollen und wünschen uns Dich als alleinigen Herrscher, durch dessen kostbares Blut wir erlöst sind, der Du Dich für uns, als wir verkauft waren unter die Sünde, als Lösegeld gegeben und uns befreit hast. Mache selbst uns Dir zur einigen Herde, dulde nicht, dass die Deinen gespalten seien; verstoße nicht die, welche sich gegenseitig bekämpfen. Noch weniger aber mögest Du die einen verstoßen und der anderen Dich annehmen; denn für alle hast Du Dich hingegeben, allen ist Dein vergossenes kostbares Blut zum Bad der Wiedergeburt geworden; schenke allen das gleiche Maß Deiner Liebe; hilf uns allen zugleich und ziehe uns hin zu Dir, der Du uns für Dich als ein und dasselbe Ziel bestimmt hast, in gegenseitiger Entsprechung und Verbindung; und dulde nicht, dass  wir einander ferner fremd seien, wodurch notwendig auch die andern das Ziel verfehlen.

O HEILIGER GEIST,

Du Quelle der Gnadengaben, Du Geist der Weisheit, Du Geist des Verstandes, Du Geist der Gottesfurcht, für den und mit dem unser Kampf ausgefochten wird; halte fern von uns jeden hochmütigen Gedanken, flöße aber ein in unser aller Herzen die Furcht Gottes; schenke uns Verstand und Weisheit, sei Du mit uns allen; mache kund die ganze Wahrheit, da Du doch nicht nur der Geist der Wahrheit bist und heißest, sondern es auch als Deine Aufgabe betrachtest, uns die ganze Wahrheit mitzuteilen durch die wahre, unveränderliche Stimme der Wahrheit.

O DREIEINIGER GOTT,

der Du alles hervorgebracht hast durch unaussprechliche Worte, der Du alles umfassest und vorhersiehst und lenkst. Dein Werk ist der Mensch. Das eigentliche Gut seiner Seele aber ist die Wahrheit … das Beste und Göttlichste von allem, was wir besitzen und besitzen werden.

Dieses Gut schenke uns. Lass die Wahrheit unter uns gegenwärtig sein und, wo sie erscheint, empfangen werden. Und vergib, wenn wir irgendwie, ohne es zu wollen, von ihr abweichen, zumal in dem, was Dich betrifft; denn Du bist nicht nur selbst unerforschlich und unergründlich, sondern auch die meisten von Deinen Geschöpfen sind es, die ja nur schwache Nachklänge, Schatten und Abbilder Deines göttlichen Urbildes sind. So neige Dich herab zu den Flehenden und leite sie auf dem Wege, der zu Dir führt, dem alleinigen wahren Gott. Und wie Du selbst drei Personen umfasst und doch die eine unendliche Wesenheit und Natur behältst, so mache auch uns ganz eins, obgleich wir vielerlei sind und von verschiedenen Nationen und dazu leider –  was der böse Feind gesät –  verschiedener Anschauung und verschiedenen Glaubens; nimm hinweg diese Verschiedenheit und mache uns ganz eins im Glauben an Dich und in der Auffassung von Dir, und lass nicht zu, dass irgend etwas uns daran hindere, eins zu sein und dasselbe zu denken, weder die Verschiedenheit der Nationen noch die Zahl und Vielheit der Individualitäten.

Das soll unser Gebet sein.

Die Bedeutung des Wortes „Ökumene“

Dies ist der 6. Artikel von 17 Artikeln zum Thema: Ökumenischer Christusdienst

Oekumene – Fragwürdig, denkwürdig, liebenswürdig

Walter Faulmüller

Zur Bedeutung eines vieldeutbaren Schlagworts

Die erste Christenheit hat den Begriff Ökumene (=bewohnte Welt, römisches Imperium, orbis terrarum) aus der Umgangssprache des damaligen römischen Weltreichs einfach übernommen.

So leitet Lukas die Geburtsgeschichte unsres Herrn ein mit dem Gebot des Kaisers, dass die ganze Oekumene registriert werde Lk. 2,1; so hofft, nach dem Bericht des Lukas (Lk 4,5), der Versucher mit dem Angebot alle Reiche der Ökumene den Sohn Gottes vom Vater zu trennen; so deutet es Jesus als ein Zeichen der letzten Zeit vor seinem Kommen,

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