Editorial

Dies ist der 1. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 264

Für das Ganze

dasGanze

Mehrfach begegnen uns diese drei Worte in dieser Ausgabe. Wir haben unseren Blick im zurückliegenden Jahr unter den Stichworten „Seht auf”, „Seht ihn”, „Seht hin” immer wieder auf Jesus gerichtet. Wir bekennen ihn als den Christus, den von Gott für das Heil der ganzen Welt Gesandten. In der Begegnung mit ihm sind wir eingeladen, unsere Perspektiven und Erwartungen aufsprengen und weiten zu lassen: von unseren persönlichen Bedürfnissen nach Heilung und Sinn hin zu seiner Sehnsucht nach allen; von unseren Vorstellungen von Effektivität hin zu seiner Liebe, die den Weg des Leidens wählt.
Wir sollen Anteil bekommen an seinem Leben, Lieben und Leiden für das Ganze.

Im ersten Beitrag geht es um verborgene Wegführungen, im zweiten um Lernerfahrungen durch Erlebnisse des Scheiterns. Der dritte Artikel greift die Berufung der Kirche als Ganzes auf.

Vom verborgenen Leben und Leiden mit Gott für das Ganze

Dies ist der 2. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 264

Michael Decker

Unvergesslich ist mir ein Satz von Jakob Schelker im Nidelbad (Schweizerischer Diakonieverein) aus den 1990er Jahren. Vater Direktor, wie wir ihn respektvoll nannten, sagte einmal: „Wenn es in der Zeitung steht, ist es schon verdorben…!” – Ich brauchte eine Weile, bis ich verstand, was er meinte: Es gibt geistliche Vorgänge und geheimnisvolle Wirklichkeiten des Reiches Gottes, die vertragen keine Öffentlichkeit.

Diese Behauptung widerspricht einer heute weitverbreiteten Meinung. Auch Christen meinen oft: Das Leben mit Gott muss unter die Menschen gebracht und öffentlich bezeugt werden. Wir müssen Gott die Ehre geben, indem wir vor den Leuten Rechenschaft ablegen für die Hoffnung und Erfahrungskraft unseres Glaubens. „Jeder Christ ein Missionar!” heißt es manchmal. Denn: Nur das existiert, was öffentlich wird, was die Leute sehen und bemerken. Wer keine Rolle spielt, spielt auch keine Rolle.

Weiterlesen

Aus Momenten des Scheiterns lernen

Dies ist der 3. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 264

Ignatius von Loyola

Ignatius-Loyola

Am Anfang seiner Bekehrung schien für Ínigo, der sich später Ignatius nannte, alles klar zu sein. Beim Gedanken, nach Jerusalem zu pilgern und fortan ein strenges Büßerleben zu führen, hatte er nachhaltige Zufriedenheit und Freude empfunden. Daraus meinte der Adlige von Loyola einen doppelten Schluss ziehen zu können: zum einen, dass Gott ihn in seinen Dienst gerufen habe, zum andern, dass Gottes Wille genau in dem bestehe, was ihm, Ínigo, durch den Kopf gegangen war, nämlich als Aszet im Heiligen Land zu leben. Nachdem er somit zu wissen glaubte, was er im Dienst Gottes zu tun hatte, wollte der Frischbekehrte sich durch nichts mehr davon abbringen lassen, seinen Plan, ins Heilige Land zu ziehen, in die Tat umzusetzen. Doch es sollte anders kommen, als ursprünglich vorgestellt.

Weiterlesen

Vom inneren Dienst für das Ganze

Dies ist der 4. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 264

Dr. Max Josef Metzger (1887 – 1944), Priester und leidenschaftlicher Ökumeniker, wurde unter dem Nazi-Regime hingerichtet. In der Todeszelle verfasste er gleichsam als Vermächtnis die „Theologischen Abhandlungen über das Königtum Christi”. Darin beschreibt er die Bestimmung der Kirche: Sie soll die Königsherrschaft Christi (er bezeichnet es auch gerne als die Königsherrschaft des Kyrios) bezeugen und in Erscheinung treten lassen. Da die Kirche in dieser Erdenzeit aber immer auch durch Schwachheit und Sünde gekennzeichnet ist, bedarf sie selber des Dienstes. Sie braucht einen Organismus im Inneren, der das große Ziel der Berufung für das Ganze wach und lebendig hält. Eine solche innere Wirklichkeit der Kirche tritt nicht in erster Linie durch praktische Aufgaben in Erscheinung. Sie wirkt durch ihr Dasein. Metzger beschreibt sie als „Orden der Zukunft”. Damit entwirft er nicht einen neuen, idealen Orden. Vielmehr versucht er in Worte zu fassen, was er als innerstes Wesen der Kirche geschaut hat.

Max_Josef_Metzger

Wir drucken im Folgenden Auszüge aus seinem Text ab:

Weiterlesen

Seite 1 von 11