Der Papst bittet Protestanten um Vergebung

Papst Franziskus bittet die Waldernser: "Im Namen Christi, vergebt uns!“ Foto: picture-alliance/Stefano Spaziani
Papst Franziskus bittet die Waldernser: „Im Namen Christi, vergebt uns!“
Foto: picture-alliance/Stefano Spaziani

Turin (Quelle: idea) – Papst Franziskus hat die älteste evangelische Kirche um Vergebung für die historische Verfolgung durch die römisch-katholische Kirche gebeten. Bei einem Besuch der waldensischen Kirche „Tempio“ (Tempel) in Turin am 22. Juni sagte er: „Ich bitte euch von Seiten der katholischen Kirche um Vergebung für all jene unchristlichen, ja unmenschlichen Handlungen und Einstellungen, die wir in der Geschichte, vermeintlich im Namen Christi, gegen euch gerichtet haben. Im Namen Christi, vergebt uns!“ Es war der erste Besuch eines Papstes in einer Waldenser-Gemeinde. Diese älteste evangelische Kirche hat weltweit etwa 100.000 Mitglieder. Gründer war der französische Kaufmann Petrus Waldes (1140-1206), der unter anderem wegen seiner Ablehnung von Ablass, Fegefeuer und Fürbitten für Verstorbene von der katholischen Kirche als Ketzer bezeichnet wurde. Die Gemeinschaft breitete sich nach massiven Verfolgungen in Frankreich und Italien in Mitteleuropa aus und schloss sich nach der Reformation vielfach evangelischen Kirchen an. In Italien vereinte sie sich 1979 mit den Methodisten und hat dort etwa 21.000 Mitglieder.

Wunsch nach Gemeinschaft im Abendmahl

Papst Franziskus bedankte sich bei den Waldenser-Pastoren Eugenio Bernardini und Paolo Ribet für die Einladung. Bernardini hatte laut Radio Vatikan den Papst auch um Gemeinschaft im Abendmahl gebeten. Dazu ist es laut Franziskus zu früh, aber es sei der Wunsch aller Christen, auch zur Einheit in der Eucharistie zu gelangen. Er erinnerte daran, dass die Waldenser dem katholischen Erzbistum Turin Wein für die Ostergebetsnacht geschenkt hatten und das Erzbistum den Waldensern Brot für das Abendmahl. Diese Geste gebe einen Vorgeschmack auf jene Einheit, „die wir alle begehren“. Der Papst ermutigte auch zum gemeinsamen Engagement für die Armen. Der Einsatz für Menschen, die von der Gesellschaft ausgeschlossen seien, führe zu einer weiteren Annäherung. Beide Kirchen hätten sich in Italien bereits in einem gemeinsamen Appell gegen Gewalt an Frauen ausgesprochen.

Unterschiede in sexualethischen Fragen

Franziskus würdigte die „Wiederentdeckung der Geschwisterlichkeit“ als ökumenischen Fortschritt. Die Taufe verbinde alle Christen mit der „Liebe Gottes, die sich uns durch Jesus Christus und den Heiligen Geist zeigt“. Freilich gebe es noch erhebliche Differenzen in ethischen Fragen, etwa im Blick auf die Sexualität. Damit bezog sich Franziskus auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Partner in der Waldenser-Kirche. Doch diese Unterschiede dürften eine Zusammenarbeit nicht verhindern. Pastor Ribet hatte den Papst als „Fratello“ (Bruder) begrüßt. Zum Abschluss der Begegnung beteten Waldenser und Katholiken gemeinsam das Vaterunser.

Zeichen der Versöhnung mit Evangelikalen

Mit dem Besuch setzte der Papst ein weiteres Zeichen der Versöhnung mit Protestanten, insbesondere den weltweit zahlenmäßig stark wachsenden Evangelikalen. Am 7. Mai traf er sich mit rund 100 Pfarrern von pfingstkirchlichen Gemeinden aus aller Welt zu einem privaten Gespräch. Im Juli vergangenen Jahres hatte Franziskus als erster Papst eine Pfingstgemeinde in Caserta bei Neapel besucht und die dortige Versöhnungsgemeinde um Vergebung für Fehler gebeten, die Katholiken der Pfingstbewegung gegenüber begangen haben. Der Pastor dieser Gemeinde, Giovanni Traettino, ist mit dem Papst befreundet.

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