Editorial

Dies ist der 1. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 255

Romano Guardini

Romano Guardini drückt die in diesen Artikeln beschriebene Wirklichkeit in Form einer Bitte aus. Sie kann uns helfen, Schritte der Freiheit einzuüben. Denn sie verweist uns auf den eigentlichen Akteur des Geschehens, den Heiligen Geist, unseren Beistand und Tröster.

Heiliger Geist, (…) wir bitten Dich, erfülle an uns die Sendung, zu welcher der Sohn Dich gesandt hat. „Nimm“, o Geist Jesu Christi, „was sein ist und gib es mir“, damit es mein werde.
Lass Dein Licht in mir aufleuchten, damit ich seine Wahrheit erkenne. Binde mein Herz zu der Treue des Glaubens, damit mich nichts von ihr abwendig machen könne. Und lehre mich lieben, denn ohne die Liebe ist die Wahrheit tot.
„Nicht darauf steht ja die Liebe, dass wir aus uns Gott zu lieben vermöchten, sondern dass er uns zuerst geliebt hat.“ Überzeuge mein Herz von Gottes Liebe, und gib mir die Kraft, ihn wieder zu lieben, damit „ich in Gott bleibe und er in mir.“ Du, o Geist, führst die neue Schöpfung herauf in der alt gewordenen Welt:
Erfülle mich mit Zuversicht in Deine heilige Macht. Sie ist nicht irdischer Art, und unter den Gewalten und Klugheiten der Erde scheint sie oft töricht und schwach. So gib meinem Herzen die Hoffnung auf die „Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes.“
Aus Dir, o Heiliger Geist, hat unser Herr gelebt und in Deiner Kraft hat er „die Welt überwunden“. Die Welt aber sind wir selbst: unser selbstsüchtiges, blindes, törichtes Herz. Nimm es in Deine Macht, mache es willig und weit, damit er in uns leben könne und wir in ihm. Amen.

Sie kauften, sie verkauften (Lk 17,28

Dies ist der 2. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 255

Michael Decker
[Michael J.Sandel, Was man für Geld nicht kaufen kann, 2012]

Für Geld lässt sich heute fast alles kaufen. In seinem kürzlich erschienenen Buch beobachtet der Philosoph Michael J.Sandel, dass die Menschheit auf der ganzen Welt immer mehr von den Gesetzen eines riesigen Marktes bestimmt wird. Sandel stellt eine erschreckende Liste zusammen. In amerikanischen Großstädten etwa gibt es während des Berufsverkehrs Fahrspuren, die eigentlich für Fahrgemeinschaften reserviert sind. Auf diese Weise wird versucht, Staus zu verringern und Verkehrsteilnehmer daran zu hindern, ihr Fahrzeug nur allein zu nutzen. Allerdings besteht mittlerweile die Möglichkeit, dass Alleinfahrer eine Sondermaut entrichten und dann berechtigt sind, doch auch auf diesen Sonderspuren zu fahren. –  Oder in einem anderen Beispiel beobachtet der Autor, dass Ärzte für viele Tausend Dollar pro Jahr bereit sind, zahlungswilligen Patienten ihre Handynummer zu geben. Nur auf diese Weise sind die Hausärzte jederzeit erreichbar und gewähren noch am selben Tag einen Sprechstundentermin.

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Von der Freiheit eines Christenmenschen

Dies ist der 3. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 255

Sr. Dorothea Vosgerau

Was ist es, das uns im Kern unserer Person frei oder unfrei macht, das heimlich in uns Regie ergreift und die Wirkung unserer gut gemeinten Handlungen beeinflusst oder gar verkehrt? Vielleicht halten wir uns für freier und unabhängiger als wir wirklich sind.
Gewöhnlich messen wir unsere Freiheit an äußeren Lebensumständen. Wer mobil ist, wer genug verdient und sich gut versorgt, wer unterschiedliche Anschauungen äußern oder wahrnehmen kann, erlebt sich meistens freier als jemand, der diese Möglichkeiten nicht hat. Die Fragestellung, die Martin Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ behandelt, berührt eine andere Ebene. Ihm geht es um die Freiheit/ Unfreiheit, die in unserer Person selbst begründet liegt und unser Leben von innen her prägt. Unfrei werden wir nicht gemacht – wir sind es, oft ohne es zu merken und zu wollen.

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Reich Gottes Freiheit

Dies ist der 4. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 255

Michael Decker

Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein (Hes 37,27)

Hat Gott eine Adresse?

Der Apostel Paulus war innerlich empört. Bei einem Rundgang durch die Stadt sah er, wie viele Götterbilder es in Athen gab. Vermutlich atmete er auf, als er einen Altar entdeckte mit der Inschrift: „Für einen unbekannten Gott”. Als sich die Philosophen später für die Lehre des Apostels interessierten, konnte er daran anknüpfen: Ihr Männer von Athen! Ich sehe, dass es euch mit der Religion sehr ernst ist. Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich auch einen Altar entdeckt mit der Inschrift: „Für einen unbekannten Gott”. Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das mache ich euch bekannt. Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben (Apg 17,22ff).

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