Editorial

Dies ist der 1. Artikel von 4 Artikeln zum Thema: Quatemberbote Nr. 253

Zur Freiheit berufen

Der jüdische Gelehrte Michael Walzer beschließt sein epochales Werk „Exodus and Revolution“ mit einer dreifachen Charakterisierung dieser (heils-)geschichtlich einschneidenden Erfahrung:

PU_Michael_Walzer(1) Da wo Du (für Dich allein) lebst, hat das Exil vermutlich schon längst begonnen („Wherever you live, it is probably Egypt“).

(2) Es gibt die visionäre Verheißung einer besseren Welt, des Gelobten Landes („a better place, the Promised Land“).

(3) Der Weg dorthin erfordert den gemeinschaftlichen Aufbruch, die gemeinsame Bewältigung von Widerständen und Krisen („There is no way to get from here to there except by joining together and marching“). Es ist die Bereitschaft nötig, buchstäblich, also im biblischen wie alltagssprachlichen Sinn, „über den Jordan zu gehen“ (Christian Hennecke). Das bedeutet, die eigenen, liebgewordenen Vorstellungen hinter sich zu lassen, Abschied von Alt-Bekanntem zu nehmen, um neue Erfahrungshorizonte zu erschließen.

Schaut in das Gesetz der Freiheit (Jak 1,25)

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Frieder Rebafka
(Die Zitate und weiterführende Zusammenhänge siehe: Mathias Döpfner, Die Freiheitsfalle, Ein Bericht, Berlin 2011)

Nathan Scharansky war neun Jahre lang unvorstellbaren Torturen ausgesetzt. Im sibirischen GULag litt er Hunger, Einsamkeit und Kälte – Schmerzen an Leib und Seele. Er wusste, sein Leben hätte jeden Tag entweder gewaltsam enden oder auch erleichtert werden können. Ein Satz der Reue, ein entschuldigendes Wort über seine „antisowjetischen Aktivitäten“ wäre der Schlüssel zur Freiheit gewesen. Warum hat Scharansky der Verlockung widerstanden?

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Verkörperung der Freiheit

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Herbert Lauenroth

Die christliche Aktualisierung, Verdichtung und Vollendung des jüdischen Erlösungs-Geschehens zeigt sich in der „Menschwerdung“ Gottes. Sie kann als (frei-willige, der Selbstlosigkeit seiner göttlichen Liebe geschuldete) „Exilierung“ Jesu gelesen werden: Er kam in Sein Eigentum, aber die Seinen nahmen Ihn nicht auf (Joh 1,11). In dieser Kenose, dieser Selbst-Entäußerung Gottes, wird die in Jesus Christus aufleuchtende Gestalt(ung) einer neuen, erlösten Freiheit deutlich: das Frei-Sein von sich, die Bereitschaft, den Aufbruch – nicht nur einmal, sondern immer wieder neu – zu wagen und sich also auf-brechen zu lassen.

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Neues Land gewinnen

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Ideal Lukodi Okes

Seit etwa einem Jahr lebt Ideal Lukodi Okes, ein junger Fokolar aus dem Kongo, in Ottmaring. In eindrücklicher Weise erzählt er, wie die Begegnung mit Gott für ihn zu einer „Exodus-Erfahrung “ wurde, die ihn bis heute mutige Schritte in eine unbekannte Zukunft wagen lässt.

Plötzlich im Exil….

Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen. Schon als Kind haben mich die Priester fasziniert, die immer wieder in unser Dorf kamen, und es war etwas Besonderes für mich, in der Kirche aus der Bibel vorlesen zu dürfen. Als Ältester von drei Kindern versuchte ich, meinen Eltern ein guter Sohn zu sein. Mit meinem Älterwerden änderte sich jedoch meine Perspektive. Ich nahm die Priester ganzheitlicher als Menschen wahr. Da gab es Dinge in ihrer Lebensweise, die mich enttäuschten. Ich begann die Lehren der Kirche zu hinterfragen. In mir wuchs zusehends Widerstand.

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