Eugen Belz, evangelisch
Man hat uns verdächtigt, mit den Katholiken zu liebäugeln.
Das stimmt nicht; wir lieben sie von ganzem Herzen.
Papst Benedikt XVI
Die Spaltung der Christen ist ein Skandal für die Welt und ein Hindernis bei der Verkündigung des Evangeliums.
In der Rückschau auf die Spaltungen entsteht immer wieder der Eindruck, dass in den kritischen Momenten, in denen sich die Spaltung anbahnte, von seiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan worden ist, um Versöhnung und Einheit zu erhalten oder zu gewinnen.
Wie die Heiligkeit, so scheint uns auch die Katholizität der Kirche fragwürdig. Der eine Rock des Herrn ist zerrissen zwischen den streitenden Parteien, die eine Kirche auseinander geteilt in die vielen Kirchen, deren jede mehr oder minder intensiv in Anspruch nimmt, allein im Recht zu sein. Und so ist die Kirche für viele heute zum Haupthindernis des Glaubens geworden. Sie vermögen nur noch das menschliche Machtstreben, das kleinliche Theater derer in ihr zu sehen, die mit ihrer Behauptung, das amtliche Christentum zu verwalten, dem wahren Geist des Christentums am meisten im Wege zu stehen scheinen.
Martin Luther, Protestant
Es heißt nicht eine römische, noch nürnbergische oder wittenbergische Kirche, sondern eine christliche Kirche, wohin denn alle gehören, die an Christus glauben... Was da nur getauft ist und an Christus glaubt, gleichviel, er sei aus dem Morgenlande oder Abendlande, so hat keiner einen Vorteil vor dem anderen.
Raniero Cantalamessa,
Prediger des päpstlichen Hofes
Der Heilige Geist ist die große Arznei, die den Leib Christi heilen kann. Er heilt die verletzte Seele genauso wie den zerrissenen Leib Christi.
Augustinus, Kirchenvater
Odisse errores, diligere errantes (Die Irrtümer hassen, die Irrenden lieben).
Ob sie wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Sie hören erst auf unsere Brüder zu sein, wenn sie aufhören zu sprechen: Vater unser.
Augustin Kardinal Bea, röm.-katholisch
Es ist gewiß eine große Gnade, die Gott unserer Zeit schenkt, dass ein glühendes und tiefes Verlangen nach Einheit jene beseelt, die in Christus getauft sind... Diese Einheitsbewegung ist für uns wirklich ein Grund lebendiger Freude; sie geht ohne Zweifel auf eine besondere Anregung des Heiligen Geistes zurück.
Vor allem darum geht es, nach und nach der ganzen Kirche und allen ihren Schichten bewußt zu machen, dass es eine unablösliche Pflicht der Liebe ist, an der großen Aufgabe der Vereinigung aller Getauften mitzuarbeiten.
Eine etwaige Bitterkeit müssen wir beheben durch Liebe. Liebe zunächst in unserem Sprechen. Wir stehen nicht mehr in den Kämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts, wo es oft genug nicht um die Wahrheit ging, sondern nicht selten auch um sehr Materielles und Irdisches, und wir reden heute auch nicht mehr die massive Sprache jener aufgeregten Zeiten und Menschen... Diese Liebe wird bewirken, wie der Heilige Vater kürzlich sagte, mit “vollendeter Höflichkeit” vorzugehen...
Die Einheit der Kirche kann nicht dadurch hergestellt werden, daß man die Wahrheit verrät. ... Diese Liebe zur Wahrheit besitzt für die Kirche noch den besonderen Charakter der Treue zu Christus, ihrem göttlichen Gründer.
Es geht hier offensichtlich nicht um die Liebe, die wir allen Menschen schulden, sondern um die Liebe zu den Christen, zu unseren “Brüdern”, die trotz ihrer Trennung von der katholischen Kirche unsere Brüder sind.
Christus ist der einzige Erlöser der Menschheit; damit aber die ganze Menschheit Jesus als ihren Erlöser anerkenne, ist es notwendig, dass alle, die ihn bereits kennen, eins seien nach dem Gebet Jesu.
Wenn Gott, der der absolute Herr des Menschen ist und der die geheimsten Gedanken durchforscht, die menschliche Freiheit achtet und sie nicht vergewaltigt, wieviel mehr müssen wir das tun in bezug auf unsere Brüder, arme Geschöpfe, die wir sind.
