Ökumenischer Christusdienst
 

Das Heilige bewahren

An den Zuspruch der Hoffnung, von der im letzten Quatemberboten zu lesen war, schließt sich in Eph1eine Segensbitte: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist (Eph 1,18). Der Apostel bittet, dass denen, die zur Hoffnung berufen sind, die Augen erleuchtet werden und sie Herrlichkeit schauen. Denn die Hoffnung richtet sich auf das reiche, herrliche Erbe, das alle erwartet, die Jesus Christus nachfolgen. Der Apostel nennt sie die Heiligen, weil der Herr aus Gnade an ihnen gehandelt hat.

In drei Beiträgen leuchtet die Herrlichkeit auf, die zukünftig ist und doch schon heute Menschen erfasst.

Herbert Lauenroth, Verantwortlicher in der Fokularbewegung in Deutschland, meditiert über die Herrlichkeit Gottes, die in noch unverstellter Erkenntnisfähigkeit des Kindes reift; in der Liebe, die Brüder und Schwestern in ihrer Vielfalt verbindet, wird sie erfahrbar.

Frieder Rebafka, Mitarbeiter in der Redaktion des Quatemberboten, würdigt die göttliche Herrlichkeit im Leben der Mönche vom Berg Athos, die das Heilige zwischen vergehender Welt und kommendem Reich Gottes bewahren.

Frieder Schröter, ev.Pfarrer i.R., schaut in einer Bibelarbeit zu Offb 21,1-8 in die Himmelswelt, aus der wir heute schon die Ahnung empfangen, dass wir künftige Erben ewiger Herrlichkeit sind.
Segen

 

Inhalt
Thema Autor Datum
Zum Kinde reifen - Sehend werden Herbert Lauenroth 05/10
Das Heilige bewahren Frieder Rebafka 05/10
Das himmlische Jerusalem Frieder Schröter 05/10
Gebet um Einheit aus Chrosostomos-Liturgie 05/10
Klaus Hemmerle Ich wünsche uns Osteraugen,
die im Tod bis zum Leben,
in der Schuld bis zur Vergebung,
in der Trennung bis zur Einheit,
in den Wunden bis zur Herrlichkeit,
im Menschen bis zu Gott,
in Gott bis zum Menschen,
im Ich bis zum Du
zu sehen vermögen.
Und dazu alle österliche Kraft.

Klaus Hemmerle

 

Zum Kinde reifen - Sehend werden

Innenansichten der Weggemeinschaft christlicher Gemeinschaften, Kommunitäten und Werke


Erleuchtete sind Osteraugen.
Augen, die weiter sehen, die jede Äußerlichkeit auf eine ihr innewohnende Wahrheit durch-schauen, aus beengten Verhältnissen befreien, in eine zuvor ungekannte Weite führen, also im W/Ortsinn: er-lösen. Jeder Mensch sehnt sich nach wahrer Erkenntnis. „Erkenntnis", so wussten die Mystiker, ist gleichbedeutend mit „Liebe". Wer liebt, erkennt, gibt sich zu erkennen. In der Hoffnung, seinerseits erkannt und also auch geliebt zu werden. In der Lebens- und Liebesgemeinschaft des dreieinigen Gottes ist diese Gegenseitigkeit realisiert.

„Augen des Herzens", das ist eine wunderbare Umschreibung der nachösterlich geschenkten Wirklichkeit des zu seiner Göttlichkeit befreiten, neuen Menschen, der sich endlich zur Reinheit des Herzens, zum reinen, ungetrübten Blick, einer liebenden Erkenntnis oder erkennenden Liebe befähigt sieht: Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen (Mt 5,8).

So betrachtet ist der österliche auch der kindliche Blick. Heinrich Spaemann fasst diesen beispielgebenden, ursprünglichen Blick des Kindes auf geniale Weise: „Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahin werden wir verwandelt. Wer aufschaut, nach oben, wer herabschaut, nach unten."

Ob wir Zukunft haben, hängt also von der Blickrichtung ab. Wer aufschaut, ist mutig, demütig, trägt Hoffnung im Blick. Wer aufschaut, betreibt keine Nabelschau, weiß aber auch: Was von oben kommt, muss von unten wachsen. „Kinder", so Spaemann, „sind Offenheit und Erfülltheit in einem, `lebendige Hoffnung´, zu der wiedergeboren werden müssen, die ihre Kindheit verloren (1 Petr 1,3)".

Diese Lesart Heinrich Spaemanns knüpft an Klaus Hemmerles Rede von den „Osteraugen" an. Österliche sind neu geschenkte, gewandelte Kinder-Augen. Um jeder Verkitschung vorzubeugen: Diese Sichtweise gewinnt nur, wer durch eine existenzielle Schule des Sehens (schmerzgeborener Einsichten, zahlloser und nachhaltiger Ent-Täuschungen) gegangen ist, wer neuerlich zur ursprünglichen, noch unverstellten Erkenntnisfähigkeit des Kindes gereift ist.

Dazu aber bedarf es des geläuterten, gereinigten, zur Gegenwart Gottes im anderen auf-schauenden Blickes. Denn allein diese Blick-Richtung „nach oben" verheißt wahre Erkenntnis, inspiriert Lobpreis und Dank an den Souverän einer Geschichte, in der sein heiliger Geist den unvergleichlichen Reichtum christlichen Lebens neu und machtvoll aufscheinen ließ. Doch erst durch Buße, Umkehr, Bereitschaft zur Läuterung, die uns der andere bzw. die wir für den anderen bedeuten, kann diese Vielfalt zum Segen werden. Die Herrlichkeit Gottes nämlich zeigt sich im Licht der nachösterlichen Erfahrung immer als Zeugnis gewandelter Gebrochenheit – als „Wunder der Wunde". Der Auferstandene erscheint mitten in einer heillos zerrissenen Welt, in dem von seiner Gegenwart geheiligten Raum des „Zwischen-Menschlichen".

Erst in der Begegnung mit dem anderen, erst in dieser „Zelle des Bruders" – so Chiara Lubich in ihrem atemberaubenden Text „Die Auferstehung Roms" – wird der innerste Erfahrungshorizont einer Gottesbegegnung freigelegt: „Ich will mit den Augen Gottes, den Augen Jesu, der in mir lebt, auf die Welt, auf die Menschen schauen und entdecke mein Licht, mein wahres Ich in den anderen", schreibt Chiara. „Denn nur Jesus in mir verbindet mich mit Jesus im anderen, und auf diese Weise bilden wir, der andere und ich, eine Zelle des mystischen Leibes Christi, bilden wir eine Feuerstelle, ein ‘Fokolar Gottes’, das die Welt erhellt. Denn es ist Gott selbst, der aus Zweien eins macht, indem er in Jesus zu ihrer Mitte wird." Das „Castillo interior", die traditionelle Metapher der „Seelenburg" bei Teresa von Avila, wird von Chiara in einer ebenso respektvollen wie kühnen Wendung nach Außen „gestülpt" und zum weltumspannenden Innenraum geweitet: „So lebt der ganze Christus in beiden und unter ihnen."

Im Blick auf diese Präsenz des menschgewordenen Gottes, der in und unter den Christen, ihren verschiedenen geistlichen Traditionen und Gemeinschaften, im Heiligtum des „Zwischenraumes", als Mitte der neuen Stadt (Offb 21,22) erkannt, geliebt und bezeugt wird, gewinnt die Kirche ihre prophetische und endzeitliche Gestalt, wird sie neuerlich zeugnis- und damit zukunftsfähig: Die Charismen dienen einander, wiederholen - etwa mit Augustinus - auf immer neue, vielstimmige Weise ihr wechselseitiges „Amo ut sis": „Ich lebe/liebe, damit Du sein kannst, Dich entfaltest!". Und setzen so einander neuerlich frei ins jeweils Eigene, ja, vollenden sich in gewisser Weise aneinander.

gruppe

„Wir erkennen uns als Geschwister", fasste ein Freund seine Erfahrung des europaweiten Treffens der christlichen Bewegungen in Stuttgart 2004 zusammen, „ nicht trotz oder ungeachtet unserer Verschiedenheiten, sondern gerade in ihnen und durch sie!" Denn wir erkennen Ihn unter uns und also uns in Ihm. So entsteht jene Freude, die allein der unablässig schöpferische Geist Gottes schenkt: die Freude an der von Ihm gestifteten Vielfalt, in der sich die wahre, unterscheidend christliche Einheit bezeugt. In jenem zum Kinde gereiften, vertrauensvollen Auf- und Aus-Blick auf den „Deus semper adveniens" - die Herrlichkeit Gottes im Geheimnis seiner Ankunft mitten in dieser Welt.

Herbert Lauenroth 
Lauenroth


Das Heilige bewahren

Orthodoxe Mönche vom Berg Athos zwischen vergehender Welt und kommender Herrlichkeit

Sehnsucht nach Bewahrung des Heiligen

Vor einigen Jahren besuchte ich mit einer kleinen Männergruppe den Berg Athos und lernte das Leben der Mönche in verschiedenen Klostereinrichtungen kennen. Vom Reichtum des Glaubens und Lebens der Athosmönche kann ich hier nur einige wenige Beobachtungen und Erfahrungen herausgreifen. Der Berg Athos steht nach über 1000 Jahren heute noch als Herz und Hort orthodoxen christlichen Glaubens. Er bewahrte das unversiegbare byzantinische Wesen und das urchristliche Mönchtum, in allen seinen historischen Ausformungen, inmitten einer säkularen Welt. Zur Zeit befinden sich auf dem Athos 20 Klöster mit ca. 1600 Mönchen, in der Blütezeit lebten über 30.000 Mönche auf seinem Territorium. Hier sind Männer, die für eine mönchische Gottinnigkeit, für Bußübungen, für die Askese und für die Glaubenskraft ihrer Kirche eintreten. Auch wird der Athos gerne als die Halbinsel der Endzeiterwartung bezeichnet. Für die Athoniten ist der „Hagion-Oros" (Heiliger Berg) zugleich der einzigartige Ort der Anbetung, der Verherrlichung Gottes, der Verehrung der Heiligen und der Ort der Bewahrung des Heiligen. Die Bewahrung des Heiligen sehen sie zumeist in den Mysterien (Sakramenten). Aber das Heilige vollzieht sich auch in vielen Handlungen und Zeichen ihres Alltags und symbolisiert die Vereinigung und Identität im Liturgischen und Nichtliturgischen.

Berg Athos

Das Heilige

Für den athonitischen Mönch gilt einerseits Gott der Dreifaltige als Allheiliger, andererseits der getaufte, orthodox lebende Mensch als (berufener) Heiliger. Weil Christus sich für ihn geheiligt hat (vgl. Joh 17,18), wandelt er mit ihm in einem neuen Leben. Besonders werden die Kirche, ihre Botschaft und ihre Schriften, die Kirchenväter, die Konzilien als heilig hervorgehoben und erscheinen als Wirkung des göttlichen Geistes. ER ist der bestimmende Geist der Heiligkeit. Auch Dinge, wie Ikonen, Symbole, wirkende Gegenstände, bestimmte Räume und Gebäude, besondere Zeiten, Fasten und Feste gelten im Gebrauch und im Glauben vielfach als für Gott bestimmt und damit geheiligt. Die heiligen Gegenstände oder vollzogenen Handlungen erscheinen nicht mehr in ihrer bloßen Naturhaftigkeit und Dinglichkeit. Sie verweisen auf eine Berührung göttlicher Macht, auf Gott selbst, da sie für ihn durchscheinend geworden sind. Die Klärung und die Begründung der Bewahrung des Heiligen bleiben bei den Mönchen unscharf. Ihr Verständnis und ihr Handeln gehen meist ineinander über und die begrifflichen Grenzen verschwimmen. Hier zeigt sich ihre Denkweise und ihr Empfinden als ein „Sowohl-als-auch" und weniger als ein „Entweder-oder" wie in unserer westlichen Denkweise.

Obwohl im Hebräerbrief steht: „Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen" (Hebr 10, 11), sehen die Mönche keine Distanz zum Menschen. Durch Jesus den Menschen geschieht eine Nähe zu Gott, die seine Heiligkeit und Einzigkeit wahrt. In dieser Gottesnähe werden alle frommen Vorstellungen gesprengt und die mystischen Erfahrungen reichen nicht heran, wenn ER der Heilige nahe ist.

Die heilige Gemeinschaft

Auf dem Berg Athos gibt es verschiedene Formen klösterlichen Lebens. In den kinobitischen Klöstern, in denen die gemeinschaftliche Lebensform besonders gepflegt wird, ist die Teilnahme an allen Gottesdiensten rund um die Uhr, die mindestens acht Stunden, vielfach auch mehr als zwölf Stunden eines Tages in Anspruch nimmt, Pflicht. Hier vollzieht sich das Erbe der Heiligen, die Verschmelzung des Einzelnen mit der Gemeinschaft, und zugleich des Ichs mit der Wirkkraft Gottes. Für den Mönch ist die gemeinsam zelebrierte Liturgie der Höhepunkt des gemeinschaftlichen Lebens. Die Feier der Kommunion verstehen sie als das Band, das sie zu der „einen" Bruderschaft formt. Die Liturgie ist die große Feier mit allen Heiligen und den Chören der Engel zum Ruhm und zur Ehre Gottes. In ihr wird auch die Welt mit ihrer Sünde und Zerstörung und allen ihren Belangen von den Händen des Zelebranten Gott dargebracht. So gilt die Feier der Menschwerdung Gottes in Christus als tragende Hoffnung, als das Zeichen der Neuschöpfung der gefallenen Welt.

Der heilige Kampf im Gebet

Die Mönche beten immerwährend im Horizont Gottes. Dadurch weisen sie in Haltung, Gestus, Liturgie, Hymnus, etc. über sich hinaus. Gebet ist meist gemeinschaftliches Beten. Sie vertrauen die eigene Not und Ohnmacht Gott an und bitten um sein Erbarmen und heilendes Handeln für die sich im Sündenkampf draußen befindenden Menschen. Jeder Mönch sieht sich als Kämpfer, der durch den Geist Gottes mit den Mächten der Finsternis um die Seelen anderer ringt, besonders in den nächtlichen Gebetsstunden.

Der Heilige kommt

Der Lebensrhythmus der Mönche ist geprägt von Wachen und Beten. Gleichsam als adventliche Menschen glauben sie die Ankunft Christi und sind ganz diesem Ziel zugewandt. Dieser Blick führt sie über die Vergänglichkeit dieses Äons und einer im Todeskampf sich befindenden Welt hinaus. Ihr Bestreben richtet sich nicht vorrangig auf äußere Werterhaltung und Wertoptimierung, wie wir das im Abendland gewohnt sind, sondern auf die Erwartung der kommenden Herrschaft Christi. Als Beispiel nennen sie selbst den inneren und äußeren Niedergang etlicher Klostereinrichtungen auf dem Athos, die zeichenhaft die anbrechende neue Zeit signalisieren. Wie wird die Welt den Wiederkommenden empfangen, bleibt ihre Fragestellung. Ihre Antwort: Weder eine starke Glaubenskraft der Kirche, noch eine im Höchststand ihrer Entwicklung befindlichen Welt wird das Zeichen sein, sondern der Niedergang durch tiefe menschliche, kirchliche und völkische Krisen, in denen unverhüllt das Entsetzen und das Böse allerorten aufbricht (nach Math 24 und 25). Alle Bedrängnis und Leiden sind daher Vorboten der Wiederkunft Christi und des anbrechenden neuen Äons. Dann kommt ER mit großer Macht und Herrlichkeit.

Das heilige Geheimnis leben

Das Geheimnis des Athos liegt nicht in einem besonderen Glauben, nicht in zu verschweigenden Rätseln oder einem menschlichen Verhaltenskonstrukt, sondern hier wird ein Stand von großer eigener Unwissenheit über die Macht und die Liebe des „Heiligen-Dreieinigen-Gottes" erreicht. Zugleich wird die in der eigenen Natur begründete Sündhaftigkeit mit allem Abgrund des Unbewussten offenbar. Hier zeigt sich dann die Haltung des reifen Mannes, der überwunden hat und ganz unkompliziert, einfältig und empfänglich still geworden ist vor Gott und es auch zu bleiben vermag. Der Mönch ist sich daher bewusst, dass er nicht mehr erreichen kann. Doch in dieser Weihe liegt im orthodoxen Bruder eine geistliche Kraft, der so ein wirkungsvolles Glied des Leibes Christi bleibt. Man verspürt einen jenseitsbestimmenden Charakter, sich dem Ziel der Wiederkunft Christi hinzugeben, um so Hoffnungszeichen für die Kirche Christi und für die Welt zu sein.
Frieder Rebafka
Frieder Rebafka

Das himmlische Jerusalem

Ich kann mir gut vorstellen, dass Gott sehnsüchtig darauf wartet, dass seine Vollendung bald geschehen kann.



Worauf wartet er wohl noch?


Er könnte ja wahrhaftig seine schöne neue Welt alleine machen. Aber Gott ist anders. Er wartet auf seine Menschen. Er rüstet sie zu, um sie als das neue Jerusalem, die heilige Stadt, die Braut des Lammes in diese Schöpfung hineinzusetzen wie einst den Menschen in die erste Schöpfung. So wie damals der Mensch von Gott gebraucht wurde, so jetzt das neue Jerusalem. Zu diesem Ziel baut Jesus seine Gemeinde. Zu diesem Ziel ist sie immer noch in der Werkstatt der heiligen Dreifaltigkeit. Es dauert offensichtlich ein bisschen länger, dass wir passend werden und dass wir wirklich brauchbar werden, dass er mit uns regieren kann.

Das neue Jerusalem ist keine Produktion von Menschen. Diese Stadt kommt nicht von der Erde her; sie ist kein frommer babylonischer Turm. Verborgen mit Christus in Gott, in der Brautkammer, rüstet der Heilige Geist sie zu; dort verschwinden ihre Flecken und Runzeln durch das Blut Jesu Christi; dort lässt sie sich schmücken mit seiner Gerechtigkeit; dort hat sie aufgehört, sich selbst herauszuputzen, weil sie sich von Gott putzen ließ mit den Verdiensten Jesu, mit seinen Perlen und Geschmeiden wie der verlorene Sohn.

Umsonst, ewig, ewig umsonst, wird ihr das zuteil. Immer wird sie angewiesen bleiben auf das Lamm, das auf dem Thron sitzt. Immer wird sie mit leeren Händen sein. Immer wird sie durstig bleiben nach dem Lebenswasser, das Jesus gibt, und nie mehr will sie satt werden in den eigenen frommen Erfolgen. Es geht um mehr als um Sündlosigkeit. Es geht um die Stellung zu Jesus. Wir werden Beschenkte sein im Himmel. Und nur Beschenkte werden darin Platz haben. Nur Leute, die staunen, dass sie dabei sind - ewig staunend, zahlungsunfähige Erben, keine Käufer.

Die Überwinder und Erstlinge, die diese Stadt bewohnen, haben nicht überwunden aufgrund ihrer frommen Muskeln, sondern durch das Blut Jesu und durch nichts anderes. Die Satten sind nicht dabei, nur die Durstigen mit den leeren Händen, die ewig Staunenden.

Das himmlische Jerusalem, die Brautgemeinde der Ewigkeit ist eine Stadt. Sie ist ein Organismus, eine ganze Welt, die große Gemeinde Jesu Christi.
Bei den meisten Menschen ist die Erwartung auf das ewige Leben eine ganz, ganz arme, kleine, individualistische Hoffnung; Hoffnung auf die eigene Seligkeit, auf Rettung, auf einen Platz am Tisch und ewigen Frieden. Aber die Braut Jesu Christi ist kein Einzelwesen. Die Braut ist Gemeinde Jesu; das sind die Jesusleute aller Zeiten und Zonen, Männer und Frauen aller Generationen, die ganze oft recht komische Verwandtschaft, das bunte Volk in seiner großen Vielfalt.

In den meisten Übersetzungen (Offb 20,3) steht: „Sie werden sein Volk sein," aber im Urtext steht: „Sie werden seine Völker sein" - eine buntfarbige Gemeinde, originell in ihrer Geschichte, wo jeder die anderen annimmt und liebt und für wichtig hält, weil sich Jesus mit dem Ganzen vermählt.

Wenn man das Bild des himmlischen Jerusalem einmal in unsere Maße überträgt, weitet sich der Blick: 2400 km breit, lang und hoch. Was da angedeutet wird im Bild, sagt, dass die Braut Jesu Christi, die neue Stadt, viel mehr ist als meiner Seelen Seligkeit.

Doch da hat Jesus sicherlich noch viel zu tun und wegzuräumen: Vorbehalte, Müll, Barrikaden; da muss noch viel eingeübt werden, vor allem die Wasserversorgung des lebendigen Wassers. Alle brauchen diese Gnade, die wir einander gönnen müssen im Blick auf alle Unvollkommenheiten, die bleiben in dieser Welt und in der Gemeinde Jesu Christi, auch die Tränen, der Schmerz und das Geschrei, von denen die Rede ist; es sind ja nicht bloß unsere körperlichen Probleme beim Altwerden, sondern unsere Probleme miteinander, unsere Gemeinschaftskrankheiten.

Die Vollkommenheit dieser Stadt, die in diesem Kubus ausgedrückt ist, in der Zwölfzahl und dann immer wieder in den Edelsteinen, Perlen, Gold, Glas, diese Vollkommenheit ist nur da, weil alles und alle umhüllt sind von der Gnade Jesu Christi. Die Gnade ist wie das Gold, das wir von ihm kaufen, und nicht das, das wir bringen. Die Gnade ist das lichte Kleid, das er an hat. Jesus ist in ihnen und leuchtet durch alle Ritzen. Er gibt das Licht und die Blätter des Lebens, von denen später die Rede ist. Er trocknet die Tränen.

Es ist interessant, dass alle Zahlen, die hier in Kapitel 21 noch genannt werden, durch drei teilbar sind. Also könnte man sagen: In allem steckt die Trinität. Ohne sie ist es nichts.

Ich glaube, wir müssten viel mehr darüber nachdenken, dass das nicht nur für uns eine Freude ist, wenn wir dann endlich dort sind, sondern ich glaube, die größte Freude wird er haben. Was wird das für ein Trinitatisfest sein, ein Jubilate, Triumph des gekreuzigten und auferstandenen Jesus. „Schaut: Ich hab’s geschafft mit diesem Material. Es hat sich gelohnt." Der Ruf nach Adam und nach Zachäus, das Kreuz und Pfingsten, die göttliche Geduld... was für ein Fest, seine Braut.

Martin Luther King hat am Tage seiner Ermordung gesagt: „Wir werden Gottes Reich erreichen. Daher bin ich heute glücklich. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen."

Frieder Schröter

Gebet um Einheit

Dreifaltig - unermesslich - Einer

Allmacht + Weisheit + Liebe

Göttliche Dreieinigkeit

Dein Ebenbild im Menschen ist versehrt.

Aus heiliger Vielfalt wird durch Selbstsucht ungeordnet das chaotisch Viele.
Siehe die Zerrissenheit der Menschen: Erbarmungslos und hart und blutig ist der Weg, auf dem sie gehen, selbst in Deinem Namen - nicht achtend, dass ein Missbrauch Deines Geistes grauenvoller ist als menschliches Irren und Versagen.Der Mensch erstrebt das Viele, das aus dem Urgrund in’s Begehren drängt.

Wir sind trotz Christi Blut und Flehen, trotz der Erlösung durch die Liebe im Glauben und Beten uneins.

Geist der Lauterkeit und Wahrheit

Gewählte und von Dir berufene Menschen suchen die Zerrissenheit zu heilen. Mahne sie darin, dass sie - die Sprossen aus gespaltenem Stamm - unreinen Blutes sind.

Halte Hochmut, Dünkel, satte Sicherheit und Herrschenwollen von ihnen fern.
Gib ihnen Gnade, sich für nichts zu achten, und füge, dass sie Deinen Weg zur Einheit finden.

Er, der Wahrhaftige, offenbart sich in der Zeit durch viele Ebenbilder Seiner Unermesslichkeit.

Er zieht die Willigen zu sich hinauf, auch wenn sie irren oder fehlen.

Doch Selbstgefälligkeit ist Ihm ein Gräuel.

Im unermesslich Vielen, zwischen Ursprung und Vollendung, offenbart uns Christus Deine Einheit und in der Zeitenlosigkeit des Ganzen den Geist des allgewaltig Liebenden.

Geist der Einheit ordne das zerrissene, das verwirrend Viele zur Schönheit Deiner Offenbarung im Leben Deiner Schöpfung durch Christus, unsern Weg der Wahrheit und der Liebe.

[aus: Unermesslicher, wir preisen Dich, Gebete für alle Christen im Geiste der Chrysostomus-Liturgie und der Ungenannten]

 

Ökumenischer Christusdienst

 

Schriftgröße
für den Inhalt hier auswählen:
Seite drucken

Zitate bekannter und unbekannter Christen zum
Thema Einheit.

Wort des Tages

01







© Projekt „Bibel 2.0“