Quatemberbote Nr. 249
März 2011
| Thema | Autor | Datum |
| Vater unser im Himmel... oder von der Vaterschaft Gottes | Walter Goll | 03/11 |
| Wie Gott die Liebe ist, ist er Vater. | Dr. Gudrun Griesmayr | 03/11 |
| Orthodoxes Abendgebet | Auszg. Byzantinische Liturgie | 03/11 |
| PDF-Download | 03/11 |
Geheimnisvoll waltest du überall, Herr, und überall bist du verborgen. Du bist in der Höhe zugegen, und sie fühlt dich nicht; du bist in der Tiefe zugegen, und sie umgreift dein Wesen nicht. Ganz bist du nur Wunder, wo immer wir dich suchen. Nahe bist du und ferne. Wer gelangt zu dir? Der forschende Geist mit all seinen Sinnen vermag es nicht. Dir naht der Glaube nur, nur die Liebe, nur das Gebet.
Ephräm der Syrer![]()
(† 9. Juni 373 in Edessa war ein Heiliger, Schriftsteller und Kirchenlehrer. Er gilt als einer der bedeutensten Theologen der syrischen Kirche. Da Ephräm vor den großen Kirchenspaltungen lebte, wird er in vielen östlichen und westlichen Kirchen sehr geschätzt und verehrt.)
Vater unser im Himmel... oder Von der Vaterschaft Gottes
Aufruhr, Erschütterungen, Veränderungen weltweit
Völker sind in Aufruhr, Gesellschaften verändern sich innerhalb kurzer Zeit radikal. Erstarrtes kommt in Bewegung. Wir sind in unseren Tagen Zeugen von sehr überraschenden Wendungen weltweit. Die politischen und sozialen Unruhen in nordafrikanischen und arabischen Ländern, verbunden mit massenhaften Protestkundgebungen erinnern an die Ereignisse der Wende vor gut zwanzig Jahren. Es ist so, als wenn sich ganz überraschend ein Ventil öffnet und sich das Angestaute mit großer Wucht entlädt. Dabei beschleunigen die modernen Kommunikationsmittel solche Vorgänge sehr wirksam und global.
Nicht weniger bedeutend waren und sind die Ereignisse während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Überwunden ist sie noch lange nicht. Sie hat sich zu Staatskrisen ausgeweitet und lässt ganz Europa zittern. Auch die Weltmacht USA muss erkennen, dass ihr Einfluss, ihre Macht deutlich abnimmt. China sowie andere aufstrebende Mächte gewinnen an Bedeutung.
Veröffentlichungen geheimer Dokumente durch Wikileaks haben große Verunsicherung hervorgebracht. Der arabische Sender Al Dschasira hat in ähnlicher Weise heftigen Aufruhr unter den Palästinensern ausgelöst, weil Geheimabsprachen palästinensischer Politiker mit Israel bekannt geworden sind.
Verunsicherungen, Krisen,
Gefährdungen persönlicher Art
Solchen weltweiten politischen und gesellschaftlichen Erschütterungen stehen Umwälzungen im persönlichen Bereich zur Seite. Plötzlich verändert die Diagnose Krebs alles, was bisher war. Ein Unfall wirft alles über den Haufen. Ein Zerwürfnis zwischen Menschen bringt bedrückende Beschwernisse mit sich. Das Vertrauen ist sehr gefährdet, Verletzungen hemmen das Miteinander. Der Verlust des Arbeitsplatzes verunsichert. Die Grenzen des Alters, das Nachlassen des Denkvermögens und körperlicher Fähigkeiten kann depressiv machen. Bisher Gewohntes und Geschätztes steht auf dem Spiel, weil eine gute Versorgung nur noch im Pflegeheim zu gewährleisten ist. Eine hoffnungsvolle und intensive Beziehung im blühenden heiratsfähigen Alter scheitert auf einmal. Ein Kind muss erleben, wie die Eltern sich immer weniger verstehen und plötzlich auseinander gehen.
Was bleibt? Wer hat das Sagen?
Angesichts solcher Ereignisse und Erfahrungen bricht die Frage auf: Was bleibt eigentlich? Worauf kann ich mich noch verlassen? Wer bleibt denn noch? Was und wer ist denn wirklich verlässlich? Wer hat eigentlich zuletzt das Sagen, persönlich und weit darüber hinaus?
Mit dem Gebet, das Jesus seine Jünger gelehrt hat, ist uns eine tiefgreifende Hilfe gegeben. Schon der Anfang mit den ersten vier Worten erschließt uns einen unermesslichen Raum des Erbarmens und Friedens, also der Liebe Gottes. Das Vaterunser, „soweit wir es im Glauben annehmen und aus seinem Geist handeln, bringt alle unsere Beziehungen in eine wahrhaftige Ordnung und weist uns genau unseren Ort im Universum zu" - so drückt es Richard Rohr einmal aus (R. Rohr, Vision einer neuen Welt, Die Bergpredigt des Jesus von Nazareth, Herder 3. Aufl. 1999).
Vater unser im Himmel - ja, er hat Himmel und Erde erschaffen. Er reicht weit über unser Denk- und Vorstellungsvermögen, über Raum und Zeit hinaus. Zugleich durchdringt er alles. Er kommt uns Menschen in seinem Sohn Jesus so unfassbar nahe. Wenn wir uns Jesus anvertrauen, dürfen wir ihn als Seine Kinder wie Jesus „Abba" nennen. Und er stellt uns in eine unverbrüchliche Gemeinschaft. Er holt jeden Einzelnen heraus aus der Vereinzelung und Heimatlosigkeit in die geliebte Kinderschar des Höchsten. Er ist der, von dem alles kommt, der alles zusammenhält und in dem das ganze All seine Vollendung findet.
Vater unser...
Abba spricht Jesus seinen Vater an, vergleichbar mit unserem „Papa". Das ist die Anrede eines Kleinkindes, das ist Kindersprache, ein Alltagswort. Welch eine unvorstellbare Nähe zum Angesprochenen kommt da zum Ausdruck, welch eine Vertrautheit und Zärtlichkeit. Ungewöhnlich war es für die Zeitgenossen Jesu, Gott so anzureden. Aber gibt es einen schöneren Beleg für das von Liebe geprägte Vater-Sohn-Verhältnis?
Diese Anrede hat Jesus seinen Jüngern nachzusprechen erlaubt. Das ist das unerhört Neue gegenüber der vorausgegangenen jüdischen Gebetspraxis. Im Unterschied zu allen anderen Religionen hat das Volk Israel seinen König und Gott auch schon als liebenden Vater gesehen und erlebt. Aber so tief verbunden, so unverbrüchlich treu, so liebend nahe, so fest und verlässlich, ohne jeden Raum für einen Hauch von Zweifel oder eine mögliche Ahnung von Verlassenheit, so intensiv ist die Liebesbeziehung Gottes zu uns nur in Christus ermöglicht.
Vater unser...
Durch Jesu Brudersein, durch das göttliche Geschenk der Kindschaft sind wir mit allen, die zu Jesus gehören, in die eine Gottesfamilie gestellt. Wie unterschiedlich sind wir verschiedenartigen Christen, wenn wir uns umschauen. Vieles ist uns fremd und ungewohnt. Welch seltsame Ansichten und Frömmigkeitsstile gibt es da. Vieles ist uns auch gleichgültig, was sozusagen im anderen Stall passiert.
Könnte es sein, dass Gott, unser Vater, sich an unserer Unterschiedlichkeit freut? Und wir, können wir uns mitfreuen? Er ist unser gemeinsamer Vater, Seine Liebe gilt allen Seinen Kindern in gleicher Weise und Intensität! Wir sind durch die Vaterschaft Gottes, die uns in Christus eröffnet ist, in ein von Gott gestiftetes Miteinander gestellt - ist uns das bewusst? Bei aller Unterschiedlichkeit, bei allen Differenzierungen und Eigenarten ist uns in der Vaterschaft Gottes eine versöhnte Gemeinschaft angeboten. Sich vom eigenen engen Selbstverständnis, vom auch vorhandenen frommen Egoismus abzuwenden und zu Ihm hinzutreten ist dieser wunderbare lebendige Weg, der uns in Christus eröffnet ist. Lasst uns mit Zuversicht hinzutreten zum Haupt und zum Thron Gottes, dass von da aus das ausgleichende und versöhnte Miteinander geschehen kann. So wird die Liebe Gottes ihren Weg zu den Menschen finden.
Vater unser im Himmel...
Auch jenseits unserer menschlichen und irdischen Wirklichkeit lebt der Vater. Er ist das Maß und der Ursprung aller Vaterschaft. Er ist der Ungezeugte, der vor allem Anfang lebt. Er lebt als der dreieinige und dreifaltige Gott jenseits aller Zeit und durch alle Zeiten hindurch das geheimnisvolle gemeinsame Leben der Liebe. Er ist die Liebe. Sein geliebter Sohn ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Wer mich sieht, sieht den Vater (Joh.14,9) sagt Jesus und Ich und der Vater sind eins (Joh.10,30). Mit diesen Aussagen provoziert er jede menschliche Sicht der Dinge, auch jede gut gemeinte religiöse, die nicht den Glaubenssprung, das ganze Vertrauen in das wirkliche Nahekommen Gottes in Jesus wagen kann. Aber in seinem Sohn zeigt sich Gott. Er tritt heraus aus dem Geheimnis seiner verborgenen Herrlichkeit, ohne das Gottesgeheimnis aufzulösen.
Er ist der Ursprung aller Dinge. Er hat in Christus alles geschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und Unsichtbare. Das All hat durch ihn seinen Bestand und es gefiel Gott, durch ihn das All zu versöhnen zu ihm hin, indem er Frieden stiftete durch seinen Tod am Kreuz - ... alles, was auf Erden und im Himmel ist (Kol.1,15-20). Gott, der Vater, liebt also durch den Weg seines Sohnes die Welt, den Kosmos so intensiv, dass das alles Denken und alle Erfahrung weit übersteigt. So stiftet der Vater Versöhnung. So ist für alle und alles im Sohn die wunderbare Heimkehr ins Vaterhaus eröffnet. Was undenkbar schien ist möglich geworden. Was verloren ist und war, dem ist Rettung angeboten.
Die Liebe Gottes sprengt unsere Vorstellungen und Erfahrungen. Die Vaterschaft Gottes, die uns in Christus so unerhört liebevoll nahekommt, ist zugleich umwerfend weit. Da alles seinen Ursprung und auch sein Ziel in Gott hat und von seiner Liebe lebt, beantwortet sich die ursprünglich gestellte Frage nach dem Bleibenden und dem, der das Sagen hat, von selbst. Und wir, die wir im Glauben jetzt schon seine Vaterschaft erkannt haben, sind durch ihn in die große Verwandtschaft mit allen und allem gestellt. Durch ihn, den Vater im Himmel, sind wir in das viel größere „Wir" hineingenommen, das alle Grenzen überschreitet, alle Mauern niederbricht und Frieden schafft. Ist es das, was durch die Erschütterungen in der Geschichte und ganz aktuell im Kleinen und Großen geschieht, damit zuletzt das Unerschütterliche hervorkommen kann und bleibt (Hebr.12,27)?
Walter Goll
Vor jedem wichtigen tun eile im Geiste zu Gott, erhebe kurz und schlicht die Seele zu ihm, dem guten und weisen Vater, indem du dein ganzes Vertrauen ihm schenkst. Höre, was er in deinem Innern zu dir sagt, und dann tue, was er dich gelehrt hat.
Ignatius von Loyola
Weil Gott die Liebe ist, ist er Vater –
Erfahrung von Chiara Lubich
Ein charismatischer, vom Heiligen Geist gewirkter Aufbruch unserer Zeit ist die Spiritualität Chiara Lubichs (1920–2008), die ihre Mitte im Gedanken der Einheit hat gemäß
dem Gebet Jesu an den Vater: Alle sollen eins sein: wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast (Joh.17,21). Chiara Lubichs Ansatz bei diesem zentralen Inhalt der neutestamentlichen Offenbarung erwuchs aus einer Neuentdeckung des Evangeliums während des Zweiten Weltkriegs, die im Rahmen der Fokolar-Bewegung zunächst unter katholischen Christen um sich griff und seit Beginn der 60er-Jahre immer mehr Christen verschiedener Kirchen erreicht hat.
Entdeckung des liebenden Gottes
Die junge Trienter Lehrerin Chiara Lubich war eine praktizierende Katholikin, und doch wusste sie nicht, wie sie die brennende Sehnsucht, immer für Gott zu leben, verwirklichen sollte. Der Zweite Weltkrieg zeigte ihr auf drastische Weise, dass alles vergänglich ist (vgl. Koh./Pred.1,2). Die Lebensträume zerplatzten wie Seifenblasen. Wie viele andere fragte sich auch Chiara, was im Leben letztlich Bestand hat, worauf man bauen konnte. Die „Antwort" fiel ihr unversehens zu, als jemand ihr nach einer großherzigen Geste sagte: „Gott liebt dich über alles!" Dieses Wort „traf mich wie ein Blitz", sagte sie anschließend. Zu verstehen, dass Gott die Liebe ist (vgl. 1.Joh.4,8.16), war für sie und einige ihrer Freundinnen, denen sie davon erzählte, wie eine Entdeckung: „Auch vorher hatten wir versucht, als Christen zu leben, aber nun merkten wir, dass wir bis dahin wie Menschen gelebt hatten, die nur auf diese Welt schauen?… Kaum hatten wir verstanden, dass Gott Liebe ist, fühlten wir uns als Kinder des Vaters im Himmel. Es begann eine spontane, menschlich-göttliche Beziehung zu ihm?… Gott ist kein ferner, unbeweglicher und den Menschen unzugänglicher Gott. Er ist die Liebe und kommt dem Menschen auf tausend Weisen entgegen!"
Es war, als hätte jemand einen Schleier weggenommen, sodass für Chiara die Spuren der göttliche Liebe sichtbar wurden: „Immer und überall ist er da, und er lässt mich verstehen, dass alles Liebe ist: was ich bin und was mir widerfährt, was wir sind und was uns betrifft?… Nichts entgeht seiner Liebe, auch nicht die Fehler, die ich begehe, denn er lässt sie zu. Seine Liebe umgreift ebenso wie mich alle Christen, die Kirche, die Welt, das ganze Universum. Er trägt mich und öffnet meinen Blick für alle Dinge und Menschen; ich sehe auch sie als Frucht seiner Liebe."
Gott als die Liebe zu erfahren war für Chiara mit der Entdeckung verbunden, dass er ihr Vater und sie seine Tochter ist. Sie fand eine unmittelbare, vorher nicht gekannte Beziehung zu ihm. Von diesem Vater wusste sie sich getragen, auch in den Unbilden des Krieges. Das gab ihr Vertrauen, Sicherheit, Licht und Frieden. Viele Schriften von ihr bezeugen, wie die unsagbare, geheimnisvolle Wirklichkeit des „Vaters im Himmel" in ihr Leben eintrat. Chiara fühlte sich gedrängt, dass viele Menschen von dieser „Neuigkeit", die Jesus offenbart hat und die Dreh- und Angelpunkt der Frohen Botschaft ist, hören und sie im eigenen Leben erfahren. Wir dürfen Gott „Vater" nennen, ja er möchte, dass wir ihn als „unseren Vater" anrufen. Diese Wirklichkeit der Gotteskindschaft, zu der jeder Mensch berufen ist, hat ihren Ursprung in der innertrinitarischen Beziehung des Sohnes mit dem Vater im Geist, an der wir in Jesus Christus Anteil erhalten. Chiara schreibt: „Auch Jesus hat gebetet und mit seinem Vater im Himmel gesprochen: ,Abba‘, lieber Vater. Mit grenzenlosem Vertrauen und voller Zuneigung sprach er mit ihm: Es ist das Beten des Sohnes, der zweiten göttlichen Person?… Nicht zuletzt durch dieses einzigartige Beten hat er der Welt offenbart, wer er wirklich war: der Sohn Gottes. – Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um uns Menschen in seine Beziehung zum Vater mit hineinzunehmen. Durch seinen Tod am Kreuz hat er uns erlöst und zu seinen Brüdern und Schwestern gemacht; durch die Gabe des Heiligen Geistes hat er uns in das Innerste der Dreifaltigkeit hineingenommen. So dürfen auch wir uns mit den Worten des Sohnes an Gott wenden: ,Abba, lieber Vater‘ (vgl. Mk.14,36, Röm.8,15). Darin ist alles enthalten: das blinde Vertrauen auf seine Liebe und schützende Hand, die Hoffnung auf seinen Trost und seine Kraft, die brennende Liebe zu dem, von dem man sich geliebt weiß?… ,Abba, lieber Vater‘, das ist ein einzigartiges christliches Gebet: Es lässt uns eintreten in das Herz Gottes."
Der barmherzige Vater
Gott zeigt auf zahllose Weise, dass er Vater ist. Chiara hat unerschütterlich daran geglaubt, dass hinter allem und jedem, hinter jeder freudigen oder schmerzlichen Lebenssituation er steht, der die Liebe ist. Er sorgt für alle Menschen und führt bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten (vgl. Röm. 8,28).
Diese fürsorgliche Liebe des Vaters im Himmel hat Chiara oft gerade dann greifbar erlebt, wenn die eigenen Möglichkeiten erschöpft waren. Manchmal überhäufte Gott sie und ihre Gemeinschaft geradezu mit Gütern, die sie weitergeben konnten.
Der „vollendetste" Ausdruck der väterlichen Liebe Gottes, so Chiaras tiefste Überzeugung, ist seine Barmherzigkeit: „Ich spüre meine Unfähigkeit, doch ich vertraue sie Gott an. Alles gründe ich auf einen unerschütterlichen Glauben: Ich glaube an die Liebe Gottes. Ich glaube, dass Gott mich liebt." Dazu ist Jesus Christus für alle Menschen am Kreuz gestorben: „Versuche, die Skrupel zu vertreiben! Glaube daran, dass Jesus dir vergeben kann; er hat doch auch für dich am Kreuz die Verlassenheit durchlitten!"
Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen (1.Joh 4,16). Dieses Wort war wie ein Leitmotiv in Chiaras Leben und Ausdruck einer tiefen Überzeugung. Dieser Glaube an die Liebe des Vaters gab Chiara die Kraft, stets Ja zu sagen zu dem, was Gott von ihr wollte, auch durch alle inneren und äußeren Schwierigkeiten und Anfechtungen hindurch – bis zuletzt, auch in der Stunde ihres Todes. Diesen Glauben an die Liebe Gottes, der unser Vater ist, hinterlässt sie uns als Zeugnis einer geliebten Tochter Gottes und als Ermutigung zur eigenen Christusnachfolge.
Dr. Gudrun Griesmayr, Ottmaring
Die byzantinische Liturgie meditiert in immer neuen Abwandlungen die Geheimnisse der Erlösung. Sie führt die Beter dahin, sich in die Aussagen des Heils zu versenken. Sie jubelt über die Menschenfreundlichkeit Gottes und preist die Wahrheiten, vor denen der Mensch und die Engel erschrecken.

Gesandt ward aus dem Himmel
der Erzengel Gabriel, zu verkünden
der Jungfrau die Empfängnis.
Nach Nazareth gekommen, überlegte er bei sich
erschrocken über das Wunder:
Wie kann der, der in den Höhen der Unbegreifliche ist,
aus der Jungfrau geboren werden!
Er hat ja zum Thron den Himmel
und als Fußschemel die Erde,
und doch findet er Platz im Schoß einer Frau!
Zu dem die sechsflügligen Seraphim
und die vieläugigen Cherubim nicht aufschauen können,
ihm gefiel es, durch ein einziges Wort
aus ihr Fleisch anzunehmen!
Gottes Wort ist hier zugegen.
Warum stehe ich nun da
und sage nicht zu dem Mädchen:
Freue dich, Begnadete,
der Herr ist mit dir!
Freue dich, reine Jungfrau.
Freue dich, unvermählte Braut.
Freue dich, Mutter des Lebens.
Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!
aus einem orthodoxen Abendgebet zum 25. März

