Einheit der Christen

Diese Seiten stellen grundlegende Informationen zum Thema Einheit der Christen zur Verfügung.

Verantwortet wird diese Seite von Christen verschiedener Konfessionen und Kirchen.
Als jeweils aktueller Beitrag ist hier auch die vierteljährig erscheinende ökumenische Zeitschrift Quatemberbote zu finden.

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Mai2015

Monatsspruch Mai 2015:

Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt!

Phil. 4,13

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ÖCD-Forum
Featured Artikel

Einführung

Einheits-Gebet (Elf-Uhr-Gebet)

Michael Decker

Dieses Einheitsgebet hat viele Menschen – einzelne und Gemeinschaften – durch das letzte Jahrhundert begleitet. Als im Jahr 1908 Brüder vom gemeinsamen Leben ein stilles Haus in der Altstadt von Zürich bezogen, übte der Vorsteher der kleinen Gemeinschaft, Gotthilf Haug, eine Gebetsweise, aus der später dieses heute weitverbreitete Elfuhrgebet wurde.

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Featured Artikel

60 Jahre Ökumenischer Christusdienst

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Drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg – also vor 60 Jahren – haben Br. Eugen Belz, Otto Siegfried von Bibra, Klaus Hess und Paul Riedinger eine kleine Schrift und einen Aufruf herausgegeben. Beide trugen den Titel: Oekumenischer Christusdienst.

Im Vorwort schrieb Klaus Hess:

„Es ist uns immer klarer und beschämender unter dem Ruf Gottes bewusst geworden, dass seine heilige Liebe – in Christus Jesus Mensch und Opfer geworden – zugleich die eine unteilbare Wahrheit ist. Ohne Umkehr und Rückkehr zu der heiligen Liebe Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und damit zueinander ist keine Heilung unserer Schäden möglich, welcher Kirche, welchem Volke, welchem Stand und Beruf wir auch angehören.”

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Featured Artikel

Bußgebet

geb16
Das nachfolgende Bußgebet möge eine Anregung und Hilfe sein zu einem umfassenden Gebetsdienst im Sinne des Oekumenischen Christusdienstes. Vor Gott stehen und sich beugen, um so die Last und Schuld des ganzen Gottesvolkes durch alle Zeiten hindurch Ihm zu bringen, hat seinen Ursprung bereits im Alten Bund. Die Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel stellten sich wie Mose in den Riss. Die Beter der Psalmen gaben der Not der Menschen unter Schmerzen, leise und laut, eine Sprache in der Hoffnung auf Gottes Antwort. Die vielen Gotteszeugen unserer Tage tragen das „Herr, erbarme dich”, den Kyrieruf der Christenheit, bis an die Enden der Erde. Und der Schrei Jesu am Kreuz „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”, erschüttert und öffnet still, verborgen und unbekannt die Herzen zu einem beständigen, bußfertigen Gebetsdienst – dies angesichts wachsender Gottesferne unserer Tage, gar völliger Abkehr von Ihm und seiner Liebe zu allen Menschen und angesichts der Zerstörung der ganzen Schöpfung:

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Wachstum

Editorial

Wandlung in Wachstumsprozessen des Reiches Gottes

Vorbemerkung

Diese Ausgabe des Quatemberboten erscheint mit Verspätung. Der Grund dafür ist sehr traurig: Am Montag, 12. Januar 2015 ist Michael Decker im Alter von 61 Jahren verstorben. Seit ca. 25 Jahren war er Mitglied der Redaktion, davon viele Jahre in leitender Verantwortung. Die Botschaft des Oekumenischen Christusdienstes war ihm ein Herzensanliegen. Er hat immer wieder darum gerungen, dieser Botschaft eine aktuelle Stimme zu verleihen. In der letzten Ausgabe drückte der Beitrag Vom verborgenen Leben und Leiden mit Gott für das Ganze einen wesentlichen Zug seines Lebens und das seiner Ehefrau Anne aus. Der folgende Artikel nimmt eine Botschaft auf, die er in verschiedenen Zusammenhängen weitergegeben hat:

Wie geschieht Wandlung?

Wenn vom Geheimnis des Reiches Gottes die Rede ist, dann immer auch von Wachstumsprozessen. Es wächst in der Geschichte bis zum wunderbaren Ziel seiner vollendeten Gestalt. Wer Teil dieses Reiches ist, als Einzelner oder als Gemeinschaft, wächst in derselben Weise hin zur vollendeten Reife. Das meiste davon entfaltet sich im Gewöhnlichen, im Alltag und so oft relativ unbemerkt.

Jesus hat uns in den Einsetzungsworten des Abendmahls einen wunderbaren Schlüssel zu den Geheimnissen des Wachstums gegeben, sowohl im natürlichen als auch im geistlichen Bereich. Seitdem ich diesen Schlüssel entdeckt habe, hat sich mir sehr vieles erschlossen. Vier kleine Worte, vier Wirklichkeiten beschreiben dies:

Jesus nahm das Brot, dankte, brach es und gab es seinen Jüngern … (Lk 22,19).

Bei Lukas in der Begegnung des Auferstandenen mit den Emmaus-Jüngern (Lk 24,30) und schon bei den Speisungswundern geschieht dasselbe:

Jesus nahm die fünf Brote und zwei Fische und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten (Lk 9,12– 17).

In den vier kleinen Tätigkeitsworten lassen sich die Grundschritte jedes von Gott angeregten Wachstums schauen: accepit / benedixit / fregit / deditque.

In der röm.-kath. Kirche wird dieser Vorgang in der Mahlfeier „heilige Wandlung” genannt. In den Schritten, die Jesus deutet und geht, vollzieht sich die Hineinverwandlung von göttlichem Leben in unser natürliches Dasein.

accepit – Jesus nahm

Das ist keine kleine unscheinbare Geste. Nur was genommen wird, so wie es ist, kann gewandelt werden. Das setzt eine tiefe Bereitschaft voraus: Ich akzeptiere das Leben, wie es ist. Ich nehme die Wirklichkeit an, wie sie ist – meine eigene Wirklichkeit, die Wirklichkeit meiner Mitmenschen, die Umstände, die ich vorfinde. Ich muss mich damit nicht zufrieden geben. Aber zuerst nehme ich alles an, was ist und wie es ist.

Das Nehmen ist keineswegs nur passiv. Annehmen und Hinnehmen sind verschiedene Dinge. Das Leben von Gott – alles, was von ihm kommt: der Glaube, die Liebe, Hoffnung, Treue, die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes … – sie kommen nicht einfach über mich. Mein Beitrag ist, dass ich nehme. Es beginnt mit meiner Sehnsucht, mit meiner Bereitschaft. Jesus fragt manche Kranke, die zu ihm kommen: „Was willst du, das ich dir tun soll?” Ohne den Willen geht es nicht.

Oft steht am Anfang das Annehmen meiner selbst. Gott mutet mir zu, mich selbst anzunehmen. So bin ich. So bin ich geworden, nach drei, vier, fünf Jahrzehnten. Das betrifft z.B. meine äußere Erscheinung. Manche hadern mit ihrer Herkunft, mit ihrer Familie, aus der sie stammen. Sie sträuben sich gegen Wesenszüge und Eigenschaften, die sie von Vater und Mutter vererbt bekamen. Wir sind auch Opfer unserer Erziehung, vielleicht verletzt durch Beziehungen innerhalb unserer Familie. Das gilt auch für die geistliche Familie, die geistliche Herkunft und Prägung.

Aber all das gehört zu mir. Ich brauche es nicht zu beschönigen oder zu verstecken und auch nicht wehleidig darüber zu werden. So ist es, und ich nehme es und nehme mich an.

Wir könnten die Liste noch verlängern: Es gibt vielleicht auch in meiner Arbeit Bereiche, die mir gegen den Strich gehen; Menschen, mit denen ich zusammengespannt bin.

Annehmen ist das Gegenteil von Bedingungen stellen. „Ich nehme dich erst an, wenn du dich geändert hast, wenn du die und jene Gewohnheit, Unart … ablegst!” Annehmen kann nur, wer seine Ideale von sich selbst, von einem Partner, Ideale vom gemeinsamen Leben, von christlicher Gemeinschaft, von kirchlichem Leben … ablegt und loslässt. Ideale können zu Diktatoren werden. Dann hemmen und bedrücken sie.

Es ist natürlich auch erlaubt, sich zu freuen und zu sagen: Der Stall und die geistliche Kinderstube, aus der ich komme, ist super und genau das, was ich brauche.

Aber wir sollen nicht in der Kinderstube unser Leben verbringen, sondern weiterwachsen.

benedixit – Jesus dankte und segnete das Brot

Was ich annehme, will dankbar angenommen sein und mit Freude; segnen heißt ja, Gutes zusprechen. Was mir zukommt, ist mir von Gott übereignet.

Jesus sah auf zum Himmel und dankte … Diese Geste sagt, dass Jesus in dem, was er annahm, die Verbindung mit dem Vater im Himmel suchte.

Ich habe oft die Vorstellung: Ich nehme aus den Händen Gottes – ich sehe sie vor mir – etwas an. Gott, der mich geschaffen hat und am Leben erhält, Jesus, der mich erlöst hat und mir Leben in Ewigkeit schenken will – sie reichen mir die Hand und geben mir Menschen, Kinder, Brüder, Schwestern, Nachbarn, Arbeit, Brot … Wenn ich mir das in Gedanken klarmache, so kann ich gar nicht anders, als immer dankbarer und williger anzunehmen, was in meinem Leben geschieht – auch das Schwere. Gott wird wissen, wozu es mir dienen soll. Aber ich bin gewiss, alles wird, alles muss mir dienen.

Wozu sind wir denn in diesem Dasein? Um glücklich zu werden? Um bis ins 80. Lebensjahr gesund zu bleiben? Um möglichst viel Erfolg zu haben? Um in Harmonie und Wohlstand zu leben? Vielleicht wird dem einen oder anderen das alles geschenkt, aber das Ziel unseres Daseins heißt anders: Dazu ist der Mensch geschaffen, Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen, ihm zu dienen und seinen Willen zu tun, indem er mit dem eigenen Leben ganz dem Anruf der Liebe antwortet. Und wie sich das Leben dann im Einzelnen ereignet, arm oder reich, gesund oder schwach, öffentlich oder verborgen, gesichert oder ungesichert, anerkannt oder verkannt … das ist zweitrangig. Es ist nicht unwichtig, aber es ist zweitrangig. Erstrangig ist, dass ich glaube und vertraue: Wo ich bin und was ich tue, und wo ich z. Zt. nicht bin und was ich z. Zt. lasse, das entspricht dem, was Gott für mein Leben will.

Im größeren Zusammenhang sehe ich das dankbare Annehmen hineingestellt in die Kirche: Ich gehöre zu dem großen Volk Gottes. Längst vor mir haben sich die Gottesmenschen auf den Weg gemacht. In der Christenheit sind große Reichtümer und Schätze entstanden: Erkenntnisse, Bekenntnisse, Liturgien, Erfahrungen, Deutungen des Lebens, Mut zum Zeugnis, Kraft mit Christus zu leiden bis hin zum blutigen Martyrium, Gehorsam gegenüber geistlichen Autoritäten. Ich bin nie allein und einsam auf dem Weg. Ich kann christlichen Glauben nie außerhalb der gesamtkirchlichen und gesamtchristlichen Tradition leben.

Darin liegt ein Trost: Was mir schwer vorkommt, haben andere vor mir schon erlebt und erlitten. Und die Wolke der Zeugen ist dichter um mich herum, als ich meine.

Also Gott sei Dank für seine eine, heilige, umfassende und apostolische Kirche mit ihren geistigen und geistlichen Schätzen, mit ihrer lehrenden Kraft über die Jahrhunderte. Ich würde geistlich und menschlich in den Kinderschuhen steckenbleiben, wenn ich nicht über meinen subjektiven Horizont hinauswachsen würde. Ich darf mich aber belehren lassen und bergen auf dem Fundament der festgefügten Kirche. Die Kirche ist über die Jahrhunderte hinweg das Haltgebende, Beständige, Erzieherische im Volk Gottes – vergleichbar dem Halm beim Weizen oder dem Knochengerüst beim Menschen.

Natürlich ist die Kirche da und dort auch schwerfällig, verkrustet, alt geworden. Aber sie ist wie eine Mutter, die die Spuren eines langen Lebens trägt. Sie hat auch Schuld auf sich geladen. Sie hat vieles ungeschickt angefasst. Aber auch das nehme ich dankbar an und mache mich nicht zum Ankläger.

fregit – Jesus brach das Brot

Brechen – das hat mit Krafteinwirkung, mit Gewalt zu tun. Brechen tut weh. Aber es gibt kein geistliches Wachstum und keine Verwandlung ohne Abbruch, Aufbruch, Einbruch, Zusammenbruch, Durchbruch … oder anders gesagt: ohne das Kreuz.

Im Brechen des Brotes kündigt sich das Kreuz an, das Sterben, das Loslassen und Abschiednehmen. Keiner kann dem Kreuz entgehen. Wer es fliehen will, den erreicht es doch. Wer es mit allen Mitteln abzulehnen versucht, den erdrückt die Last des Schmerzes und des Todes. Wer es aber annimmt, den trägt es. Das ist ein großes Geheimnis: Wer das Kreuz annimmt, den trägt es wunderbar.

Wirft das nicht ein ganz neues Licht auf alle Brüche in unserem Leben? Ich kenne keinen Menschen, der seinen Weg ohne Abbrüche und Neuanfänge, ohne Misserfolge und ohne Erschütterungen geht. Selbst wenn einer diese Momente ablehnt, wenn er sie nicht deuten kann und keine Ahnung hat, was durch diese Brüche in seinem Leben anders geworden ist – diese Momente sind bei jedem da. Und ich lerne immer mehr, dass diese Momente unwahrscheinliche Angebote Gottes sind.

Für mich hat das einen umfassenden und göttlichen Zusammenhang: Gott will, dass jeder von uns das Leben der Auferstehung gewinnt. Gott könnte das mit einem Schlag erreichen, in einem Augenblick. Aber Gott will, dass es wächst und reift. Darum mutet Gott einem Menschen Erschütterungen und sogar Abbrüche zu, weil er durch diese Ereignisse mit ihm sprechen will. Gott verwendet das Material unseres Alltags dazu, um uns durch diese Wachstumsphasen hindurchzuführen. Der Glaube braucht Bewährung. Die Brüche sollen uns dazu helfen, dass wir noch entschiedener und tiefer unser Angewiesensein auf Gott erleben und erleiden. Nicht aus meiner eigenen Kraft verdiene ich mein Brot. Nicht aus meinen eigenen Begabungen bin ich ein Zeuge und Botschafter des Evangeliums. Wenn ich meine Grenze erfahre und wenn ich mich herausfordern lasse, immer mehr von mir selbst loszukommen, kann Gott seine Kraft und Sendung in mich legen und durch mich und uns viel mehr wirken als wir selbst.

Lernen wir also, auf die Botschaft des Kreuzes in unserem Leben zu hören. Gehen wir dem Kreuz nicht aus dem Weg. Erbitten wir uns die Unterscheidung des Heiligen Geistes. Nur mit den anderen, die auch auf diesem Dienstweg sind, können wir die Unterscheidung herausfinden. Nur mit den anderen können wir das deuten und einordnen, was uns misslingt, was uns Schmerzen bereitet an Seele und Körper.

Wir sollen ja dem Leben dienen und zum Leben führen. Aber wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; erst wenn es stirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,24).

Also nur, was ich dankbar annehme, was sich aufbrechen und reinigen lässt von allem eigenmächtigen Selbst, das wird zur Gabe, die ernährt. Und dazu braucht es die Gemeinde, den lebendigen Organismus der Arbeiter und Diener Gottes.

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